In Zürich sollen auf dem Hardturm-Areal ein neues Fussballstadion mit 19'000 Plätzen und eine Wohnsiedlung gebaut werden. Umstritten ist vor allem das Stadion, dessen Kosten hauptsächlich die Steuerzahler übernehmen sollen. Abgestimmt wird am 22. September.

Das Besondere an der Abstimmung ist: Beide Projekte sind Bestandteile derselben Vorlage.

Beim Stadion geht es um einen Objektkredit von gut 216 Millionen Franken für den Bau eines Stadions samt Stadionplatz, einen einmaligen Beitrag von maximal 5 Millionen Franken als Beteiligung der Stadt an der Stadion-Betriebsgesellschaft sowie eine jährliche Defizitgarantie von maximal 8,3 Millionen Franken.

Mit dem Stadionprojekt verknüpft ist ein Objektkredit von gut 103 Millionen Franken für die Erstellung einer städtischen Wohnsiedlung direkt neben dem Fussballstadion. Vorgesehen sind 154 kostengünstige Wohnungen, 42 davon für kinderreiche Familien.

Stimmungen und Missstimmungen

Für Diskussionen sorgt vor allem das Stadion-Projekt. Die Befürworter betonen, die Stadt Zürich mit ihren zwei Super-League-Clubs FCZ und GC benötige ein reines Fussballstadion.

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Im Letzigrund-Stadion komme nämlich keine Stimmung auf. Die Zuschauer seien zu weit weg vom Spielfeld. Der Letzigrund ist ein Leichtathletik-Stadion - zwischen Spielfeld und Zuschauerrängen liegt eine Leichtathletikbahn.

In einem reinen Fussballstadion wäre die Stimmung besser, sind die Befürworter überzeugt. Es kämen mehr Zuschauer und auch die sportlichen und finanziellen Erfolge wären grösser.

Die Gegner halten es nicht für eine Staatsaufgabe, zwei privaten Sportclubs ein neues Stadion zu finanzieren. Die Stadt könne durchaus einen Beitrag an ein neues Stadion leisten - etwa indem sie Bauland günstig abgebe. Mehr sei jedoch nicht angebracht, zumal die Stadt schon den Letzigrund betreibe.

Nach Ansicht der Gegner beteiligen sich die beiden Sportclubs finanziell zu wenig am Projekt. Wie viel genau sie beitragen, ist unklar. Gemäss Stadt werden die Vereine eine «angemessene Miete» zahlen und zusammen etwa 3 bis 5 Millionen Franken an die Betriebsgesellschaft beisteuern.

Risse in der Parteienlandschaft

Ein Ja zum Stadion empfehlen die Stadtregierung, SP, SVP und CVP. Nein sagen FDP, GLP und EVP. Stimmfreigabe beschlossen die Grünen und die AL. Die Wohnsiedlung lehnen FDP und SVP ab.

Die Wohnungen können jedoch nur gebaut werden, wenn auch die Stadion-Vorlage angenommen wird. Dies hängt mit der komplizierten Vorgeschichte rund um das Hardturm-Areal zusammen.

Lange Vorgeschichte

Diese reicht bis in die 1990-er Jahre zurück. Damals begannen Stadt und Credit Suisse (CS) gemeinsam, ein reines Fussballstadion für FCZ und GC zu planen. Vorgesehen war auch eine Mantelnutzung.

2003 sprachen die Stimmberechtigten einen Kredit von rund 48 Millionen Franken als Beteiligung der Stadt. Daraufhin wurde das alte GC-Heimstadion abgerissen.

Wegen Einsprachen verzögerte sich der Neubau jedoch. Um dennoch Spiele der Fussball-EM 2008 in Zürich durchführen zu können, baute die Stadt das Leichtathletikstadion Letzigrund für über 110 Millionen Franken neu und machte es tauglich für internationale Fussballspiele. Seither trägt auch GC seine Heimspiele im Letzigrund, der FCZ-Heimstätte, aus.

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2009 zog sich die CS aus dem Hardturm-Projekt zurückzog. Sie verkaufte der Stadt das Land mit der Auflage, auf dem Areal ein Sportstadion zu erstellen. Tut die Stadt dies nicht, hat die CS bis am 15. März 2035 ein Rückkaufsrecht. Ein Nein zum Stadion entzieht also der Wohnsiedlung insbesondere die Rechtssicherheit.

(sda/chb/rcv)