Mit Fiat-Chef Sergio Marchionne und Shell-CEO Peter Voser sind die beiden letzten Verwaltungsräte der «Ära Ospel» aus der Bank ausgeschieden. Auch die Konzernspitze wurde erneuert. Wie es die Glarner Kantonalbank vormacht, könnte auch die UBS gegen ihre ehemaligen Chefs vorgehen.

Der frühere Verwaltungsratspräsident Peter Kurer sagte an der UBS-Generalversammlung im vergangenen Herbst, der Verwaltungsrat habe einen Ausschuss eingesetzt, um zusammen mit unabhängigen Experten die Grundlagen für Rückforderungs- und Verantwortlichkeitsklagen zu prüfen.

Sobald die Begutachtung durch das unabhängige Komitee abgeschlossen sei und der Verwaltungsrat endgültig entschieden habe, werde informiert. Seither sind viele Monate verstrichen. «Die Aktionäre werden spätestens an der nächsten Generalversammlung über die Resultate orientiert», sagt UBS-Sprecher Christoph Meier.

Wachstum um jeden Preis

Wie die UBS wollte auch die Glarner Kantonalbank (GLKB) um jeden Preis wachsen. Nach dem gescheiterten Versuch, die Bank Linth unfreundlich zu übernehmen, verfolgte das Institut unter der Leitung des ehemaligen Geschäftsführers Bernt Arpagaus eine riskante Kreditpolitik. Die faulen Kredite brachten die Bank schliesslich in Schieflage und das Glarner Parlament musste mit einem Sanierungsbetrag von 20 Mio Fr. zur Hilfe eilen.

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Jetzt macht die GLKB in Absprache mit der Kantonsregierung gegen einen Teil der ehemaligen Organe zivilrechtliche Ansprüche geltend und fordert einen «substanziellen Betrag» an Schadenersatz. «Wir geben den betroffenen Organen bis Mitte November Zeit für eine Stellungnahme», sagt Martin Leutenegger, Präsident des Bankrats. Je nachdem, wie diese ausfalle, werde allenfalls eine Zivilklage eingereicht. Die GLKB gehört heute zu 100% dem Kanton.

Die UBS als Aktiengesellschaft hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Sie könnte gegen die ehemaligen Chefs eine Strafanzeige oder eine Verantwortlichkeitsklage einreichen. «Doch wie es aussieht, wird die UBS keine Klage einreichen und auch die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Zürich dürften im Sand verlaufen», erwartet Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern. Zumindest dauert das sogenannte «Monitoring-Verfahren» der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich bereits länger als erwartet. Peter Pellegrini, Leitender Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich, prüft unter anderem, ob gegen die ehemaligen UBS-Verantwortlichen im Zusammenhang mit den grenzüberschreitenden Geschäften der UBS mit Privatkunden in den USA ein hinreichender Anfangstatverdacht zur Eröffnung einer Untersuchung wegen ungetreuer Geschäftsführung vorliegt.

«Wir wollen bis Ende Jahr entscheiden, ob wir in diesem Punkt eine formelle Untersuchung einleiten», sagt Pellegrini. Im Monitoring-Verfahren berücksichtigt er zum Beispiel auch den Untersuchungsbericht der Finma (siehe Kasten). Das von Kronzeuge Bradley Birkenfeld in Aussicht gestellte Beweismaterial gegen weitere «Mitverschwörer» der UBS habe er dagegen bislang nicht erhalten. Auch Christian Levrat, Präsident der Sozialdemokratischen Partei (SP) hat bis heute die von Bradley Birkenfeld angekündigten Beweise noch nicht bekommen. Die SP hatte Mitte August 2009 eine Strafklage gegen die früheren Verwaltungsratspräsidenten Marcel Ospel und Peter Kurer eingereicht.