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Anta will Amer: Wird Roger Federers Racket chinesisch?

Roger Federer an den ATP Finals
Roger Federer an den ATP Finals im November: Sein Racket von Wilson könnte bald einer chinesischen FIrma gehören.Quelle: Getty Images

Der chinesische Sportartikel-Riese Anta jagt den finnischen Konkurrenten Amer. Mitten drin in der Übernahmeschlacht: Roger Federer.

Marcel Speiser
Von Marcel Speiser
am 07.12.2018

Um den finnischen Sportartikel-Riesen Amer Sports ist ein Übernahmekampf entbrannt. Ein Konsortium unter der Führung des grössten chinesischen Sportartikel-Unternehmens, Anta, bietet 5,6 Milliarden Euro für Amer. Kommt der Deal zustande, wäre er einer der grössten eines chinesischen Unternehmens in Europa im laufenden Jahr, wie die «Financial Times» berichtet.

Amer Sport ist die Muttergesellschaft über bekannte Marken wie Salomon, Peak Performance, Atomic, Suunto, Mavic oder Arcterix. Auch Wilson, die Schlägermarke von Tennis-Superstar Roger Federer, gehört zum Portfolio der Finnen. Amer machte 2017 mit rund 8600 Beschäftigten einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro.

Fila gehört schon zu den Chinesen

Anta ist mit umgrechnet knapp 1,4 Milliarden Euro Umsatz deutlich kleiner als Amer. Aber das Unternehmen arbeitet hoch profitabel und wies 2017 eine operative Marge von über 25 Prozent aus. Neben diversen lokalen und in Asien verbreiteten Marken gehören die ursprünglich italienische Sportmarke Fila und das aus dem Skizirkus bekannte Label Descente zum Unternehmen.

Zum Konsortium von Anta gehört die in Hongkong ansässige Private-Equity-Gruppe FountainVest, die vom ehemaligen Goldman-Sachs-Banker Frank Tang geleitet wird. Mit an Bord ist auch Chip Wilson, der kanadische Geschäftsmann hinter der Yoga-Marke Lululemon. Der chinesische Tech-Gigant Tencent ist ebenfalls dabei – allerdings nur indirekt via eine Investition in ein FountainVest-Vehikel.

Das Konsortium bietet den Amer-Investoren – überwiegend skandinavische Finanzinstitute und Fonds – rund 4,6 Milliarden Euro. Zusätzlich würden die Bieter Schulden von rund einer Milliarde Euro übernehmen.

Outdoor ist ein Boommarkt in China

Amer wehrt sich gegen die Übernahme und möchte selbstständig bleiben. Allerdings ist das Aktionariat des Unternehmens zersplittert – und derzeit ist kein Investor in Sicht, der den Aufpreis von rund 40 Prozent, welchen die Chinesen bieten, ausschlagen würde. Zumal Anta in den letzten Jahren deutlich dynamischer gewachsen ist als Amer.

Überhaupt haben die Verkäufe von Sportbekleidung in China zuletzt rund doppelt so schnell zugelegt wie der Bekleidungsmarkt generell. Grund: Wohlhabendere Chinesen legen mehr Wert auf Fitness und sportliche Betätigung – und auf Premium-Sportmarken wie den Amer-Brand Arcterix.

Ziel von Anta ist es, im Vorfeld der Olympischen Winterspiele im Jahr 2022 in Peking das eigene Portfolio an Wintersport- und Outdoor-Marken zu stärken. Die Regierung in Peking strebt an, bis 2030 gut 1000 Skigebiete in China in Betrieb zu haben – knapp doppelt so viele wie heute.

Ein Milliardär als Chef

Anta hat kaum Erfahrung im Ausland, Amer ist in China selbst ein Nobody. Die Finnen machen nur rund sechs Prozent ihres Umsatzes im Land.

Anta wird vom Milliardär Ding Shizhong geleitet. Der «Hurun Report» schätzt sein Vermögen auf 3,1 Milliarden Dollar.

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