Neu ist der Kampf gegen das Littering nicht: Angefangen hat die Offensive gegen das achtlose Wegwerfen im öffentlichen Raum 2004. Damals ergriffen die Igora-Genossenschaft für Aluminium-Recycling sowie der Verein PRS PET-Recycling Schweiz gemeinsam die Initiative und lancierten erste Schritte gegen das Littering. Mit gutem Erfolg!


Schweizer Recycling-Weltmeister

Aber: In der Tat beschäftigt Weggeworfenes im öffentlichen Raum sowohl Recyclingorganisationen wie Gemeinden und Städte, obwohl das Recycling in der Schweiz boomt wie nie zuvor. Die Rücklaufquoten von Getränkeverpackungen aus Aluminium, Glas und PET sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Allein 2005 wurden laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) 2,5 Mio t separat gesammelte Siedlungsabfälle – aus Haushalten stammende Abfälle sowie andere Abfälle vergleichbarer Zusammensetzung – verwertet. Dies entspricht einem Anteil von 51% an der Gesamtmenge der Siedlungsabfälle.

Zu diesem Sammelerfolg tragen tagtäglich alle Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz bei, die Wiederverwertbares dem Recycling zuführen. Motiviert und unterstützt werden sie durch die privatwirtschaftlich organisierten Recyclingorganisationen, die sich für gut funktionierende Sammelsysteme wie auch für stete Informationsvermittlung über den Materialkreislauf einsetzen.

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Vereinter Kampf gegen Unsitte

In diesen Wochen geht die private Recyclingwirtschaft einen Schritt weiter. Sie will die Konsumenten zu noch mehr Eigenverantwortung motivieren, vor allem aber erreichen, dass nach Gebrauch wirklich alles an den richtigen Ort gelangt. Igora und PET-Recycling Schweiz werden die vor drei Jahren erfolgreich initiierten Aktivitäten gegen das achtlose Wegwerfen breiter abstützen. Dazu haben sie die Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt – abgekürzt IGSU – gegründet.

Seit neuestem erhalten die beiden Umweltpioniere zudem Unterstützung von VetroSwiss. Vereint baut das Trio eine offene Plattform im Kampf gegen das Littering auf und akquiriert weitere Partner aus konsumnahen Gebieten sowie der Recyclingwirtschaft, um noch mehr Massnahmen zu realisieren.

Daniel Frischknecht, Marketingleiter der Igora-Genossenschaft, Zürich, und einer der Initianten der IGSU: «Mit der Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt IGSU bieten wir weiteren Unternehmen die Chance, mit vereinten Kräften für eine saubere Umwelt einzustehen. Wir versprechen uns davon einiges: Sicher einen noch stärkeren Auftritt in der Öffentlichkeit und an den vielen Schauplätzen des Littering. Wir wollen wieder eine gepflegte und saubere Schweiz und gleichzeitig auch nachhaltig unsere Ressourcen schonen.»


Breit abgestützte Aktionen

Das Ziel der Aufklärungsmassnahmen ist, gesamtschweizerisch eine Verhaltensänderung der Bevölkerung zu erreichen und das Bewusstsein für eine saubere Schweiz zu fördern. Jährlich bis zu 1 Mio Fr. haben die beiden Recyclingorganisationen Igora und PRS seit 2004 für die Aufklärung aufgewendet. Das Massnahmenpaket ist vielfältig:

• Zum einen erhalten Gemeinden und Städte kostenlos Informationsmaterialien wie Plakate und Hinweissteller.
• Weiter werden ab diesem Monat eine gesamtschweizerische Plakatkampagne und Spots an Openairs und in Openair-Kinos gestartet, die dem Abfallverursacher die Botschaft vermitteln, dass es auch im öffentlichen Raum eine Selbstverständlichkeit ist, Abfall wegzuräumen, so wie im eigenen Zuhause. Littering-Szenen werden gezeigt, wo Abfall am wenigsten erwartet wird, nämlich in der privaten Idylle. Dort, wo wir uns am nächsten sind, im Wohn- und Schlafzimmer, im Kinderzimmer, in der Küche, im Bad und selbst im Auto. Begleitet sind diese Szenen von prägenden Headlines wie «Was im Badezimmer stört, stört auch am See» oder «Was im Wohnzimmer stört, stört auch im Park». Gearbeitet wird mit einfachen Slogans, die unter die Haut gehen und zudem zum Nachdenken anregen.


Heute vereint für morgen handeln

Handeln lohnt sich ohne Zweifel. Mit der neu gegründeten Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt wird das achtlose Wegwerfen auf unterschiedlichen Ebenen angepackt. Darüber hinaus soll über den Sinn des Sammelns und Recyclens von Wertstoffen sowie der fachgerechten Entsorgung verschiedenartiger Abfälle umfassend informiert werden. Nach Gebrauch sollen die Konsumenten alles dem richtigen Ort zuführen. Abfall dem Abfalleimer und Getränkeverpackungen den Separatsammelstellen.


Unterwegs mit Recyclingmobilen

Littering funktioniert oft als Kettenreaktion: Lässt der Erste etwas liegen, sinkt beim Nächsten die Hemmschwelle, seine Sachen auch auf den Boden zu werfen. Ziel ist daher, prädestinierte Orte wie Parks, Alleen, Fluss- und Seeufer, Unterhaltungszonen usw. möglichst sauber zu halten. Deshalb sind im Auftrag der IGSU drei Botschafter unterwegs, die an neuralgischen Punkten Aufklärungsarbeit leisten. Sie klären die Unterwegsgeniesser auf, was diese wo entsorgen sollen: Abfall in die Abfallkübel und wiederverwertbare Gebinde in die Separat-Sammelstellen.

Diesen Sommer sind die drei Botschafter Urs Freuler, Cédric Québatte und Tom Ringger nonstop on tour: Auf öffentlichen Plätzen und Wiesen in den Städten Zürich, St. Gallen, Basel, Genf und Lugano. Sie motivieren Passanten, dass nichts, überhaupt nichts auf den Boden geworfen wird. Sie sind ausgerüstet mit Recycling-Mobilen und sammeln selbst auch Herumliegendes – vor allem aber spornen sie Abfallsünder zum korrekten Umgang mit Zigarettenstummeln, Zeitungen, Take-away-Verpackungen, Kaugummis, Servietten, Getränkeverpackungen usw. an.


Das schlechte Gewissen plagt

Urs Freuler, Chef-Botschafter, weiss einige Geschichten über seine Abfallmission. «Die Angesprochenen reagieren unterschiedlich auf unsere Präsenz; manche reagieren entnervt und finden die Sauberkeit in der Schweiz zu übertrieben. Wieder andere bedanken sich, wenn ich den soeben weggeworfenen Zigarettenstummel vor ihren Augen auflese und erkläre, dass das kleine Ding nicht auf den Boden gehört. Zigarettenstummel führen die Hitliste meines Sammelguts an. Ich gehe diplomatisch vor und habe auch schon beiläufig zu einer Dame gesagt, die Filter am Boden seien wohl von einem Vorgänger auf der Bank, auch wenn der Lippenstift auf den Absender schliessen liess. Mit der Zeit entwickelt man ein Auge für herumliegende Abfälle und deren Verursacher. Diplomatie und Psychologie sind bei unserem Job als Botschafter besonders gefragt.»

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Der Erfolg ist den drei Botschaftern sicher – Plätze, wo sie immer wieder aufkreuzen, werden zusehends sauberer!

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www.igsu.ch
www.igora.ch
www.petrycycling.ch
www.prs.ch
www.vetrosuisse.ch

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Nachgefragt:

Peter Gerber, Bundesamt für Umwelt (Bafu), Bern: «Mir gefällt die Vorgehensweise»


Wie unterstützt das Bafu das
IGSU-Programm im Kampf gegen das Littering?

Peter Gerber: Das Bafu hat bereits bisher verschiedene Aktivitäten zur Eindämmung des Littering unterstützt. Auch die von verschiedenen RecyclingOrganisationen unter dem Label IGSU gestartete Initiative zur Bekämpfung des Littering findet unsere Unterstützung. Diese ist in erster Linie ideeller Natur. Durch das Mitmachen der vom Bafu mit der Finanzierung der Glassammlung beauftragten Organisation VetroSwiss erhält die IGSU aber auch eine kleine finanzielle Unterstützung vom Bund.


Was gefällt Ihnen an den IGSU-Aktivitäten besonders?

Gerber: Ich finde es sympathisch, dass die Initiative für ein gemeinsames Vorgehen gegen das Littering von den Recycling-Organisationen selber ohne Druck des Staates ergriffen worden ist. Besonders gefällt mir die Vorgehensweise, wie mit witzigen Plakaten und Anti-Littering-Botschaftern eine positive Stimmung zur Vermittlung des doch eher unrühmlichen Themas geschaffen wird.


Sie glauben also, dass der Zeigefinger weniger bringt

Gerber: Die Leute werden nicht belehrend mit dem Zeigefinger auf ihr Missverhalten hingewiesen, sondern sie werden durch bebilderte Selbstverständlichkeiten und im Gespräch zu einem anderen Verhalten gegenüber dem öffentlichen Raum motiviert. Das ist der richtige Weg.


Sehen Sie in Ergänzung zu den IGSU-Aktivitäten weitere Massnahmen, die unbedingt in die Wege geleitet werden sollen?

Gerber: Das Littering hat heute vor allem in den Städten ein Ausmass erreicht, zu dessen Eindämmung die IGSU-Aktivitäten allein wohl nicht reichen. Der Bund, die Kantone, die Gemeinden und die Städte, aber auch die Wirtschaft sind gefordert, ihre Aktivitäten zur Bekämpfung des Littering ebenfalls zu verstärken und weitere Massnahmen anzuordnen.

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Peter Gerber ist wissenschaftlicher Experte in der Abteilung Abfall und Rohstoffe des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), Bern.

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Die Konsequenzen: Es geht nicht nur um die Kosten in Franken

Kosten: Gemäss Schätzungen des Gemeindeverbandes kostet das Einsammeln und Entsorgen von gelitterten Abfällen in der Schweiz jährlich 50 Mio Fr. Aber nicht nur die finanziellen Auswirkungen sind immens. Auch die Umwelt leidet beträchtlich. So ist beispielsweise ein weggeworfener Kaugummi erst nach fünf Jahren abgebaut. Ein Plastikbecher lebt sogar über Jahrzehnte, bis er verrottet.

Lebensqualität: Untersuchungen zeigen, dass das Littering nicht nur die Staatskasse schmälert und die Umwelt beeinträchtigt. Für die grosse Mehrheit der Bevölkerung mindert Liegengelassenes im öffentlichen Raum die Lebensqualität und das Sicherheitsgefühl massiv. Vom Littering besonders betroffene Gebiete sind Party- und Unterhaltungszonen, Passagen, Plätze, weitläufige Tram- und Busstationen, Bahnhöfe, zentrale Strassen mit vorhandenen Verpflegungsangeboten, Picknickplätze, Spazierwege, Quais usw.