Einst war das Tschuggen Grand Hotel in Arosa ein Höhensanatorium, jetzt gilt es als architektonisches Schmuckstück, hinter dem sich die Handschrift von Mario Botta verbirgt. Der Tessiner Stararchitekt hat dem Fünfsternehaus mit einer markant in den Fels gebauten Wellness-Oase zu einem einmaligen Markenzeichen in den Alpen verholfen. Die filigranen Lichtsegel setzen nachts mit ihren Farben im Bündner Kurort ebenso einen Akzent wie es tagsüber der fein gehauene Granit, durchbrochen von Stahl und Glas, tut. Hoteldirektor André Salamin streicht neben diesem grosszügigen Bauwerk auch die Destination im 1800 m hoch gelegenen Talkessel hervor: «Man muss nach Arosa wollen, man kann nicht einfach durchfahren. Damit strahlt der Ort eine grosse Ruhe aus.»

Im Pullmann-Wagen

Diesen speziellen Charakter will das Management des Tschuggen Grand Hotel nun vermehrt im MICE (Meeting, Incentive, Congress, Exhibition)-Geschäft nutzen. Neu ist das Luxushotel mit seinen 130 Zimmern und Suiten nicht mehr nur im Winter, sondern vom Juni bis April während zehn Monaten geöffnet. Das schafft zusätzliche Möglichkeiten für Tagungen und Kundenanlässe in der Nebensaison, verbunden mit der Variante, das gesamte Hotel gleich exklusiv für einen Event zu buchen. Dabei muss die Anfahrt keineswegs zwingend per Auto über die berühmten 361 Kurven von Chur bis Arosa erfolgen. Als stressfreie Alternative empfiehlt Hotelier Salamin den sorgsam gepflegten Pullmann-Speise-Waggon, mit dem eine Seminargrup-pe auf dem Schienennetz der Rhätischen Bahn, kulinarisch vom eigenen Catering-Team betreut, die Bergstation ansteuern kann.

Wer allerdings an reine Businesskonferenzen im weltbekannten Kurort denkt, der liegt falsch. Mit den gewichtigen Tagungszentren in Flughafennähe kann und will das Tschuggen Grand Hotel nicht konkurrenzieren. «Hier oben sollen die Mitarbeiter und Kunden nebst der Wissensvermittlung auch von einem naturnahen Rahmenprogramm profitieren», umschreibt Event Manager Antonio Caccese die Geschäftsphilosophie. In der Regel sind es kleinere Guppen mit ein bis zwei Dutzend Leuten, die im speziell abgegrenzten Seminarzentrum tagen und gleichzeitig die vielfältigen Outdoor-Aktivitäten, vom Golf bis zum Plauschmatch, mit den hauseigen Leibchen auf dem Eishockeyrink oder dem Fussballfeld nutzen. Das Eventteam arbeitet daneben eng mit Arosa Tourismus und der lokalen Ski- und Snowboardschule zusammen.

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Knigge und Tai Chi

Für Firmen, die im Bergkurort einen Workshop veranstalten, bietet das Hotel auch eine breite Palette eigener Veranstaltungen an. Hotelier Salamin offeriert eine Lektion in Knigge oder Tai Chi, die ergänzt wird durch eine Mountainbike-Tour und die Abfahrt mit Monster-Trottinets. Zudem können sich die Seminargäste in der Küche unter kundiger Anleitung in die Geheimnisse von regionalen Gerichten und Süssigkeiten einweihen lassen.

Als Exklusivität gilt im Alpenraum der hoteleigene Tschuggen Coaster. Diese Kabinen bewegen sich ähnlich wie ein Lift vom Fünfsternehaus bis zur höher gelegen Tschuggen Hütte, dem Ausgangspunkt für vielfältige Wanderungen und den Wintersport. Dem Event- team eröffnen sich damit weitere Tagungs- und Verpflegungsmöglichkeiten ausser Haus für gut 200 Personen. Kernstück ist aber die eigene Gastronomie, die vom Fine Dining Restaurant «La Vetta» mit 14 GaultMillau-Punkten über das «La Provence», das Grand Restaurant und die Bündnerstube bis zur Spa Lounge im Wellnessbereich reicht. Der dänisch-schweizerische Chefkoch Ivan Gotfredsen führt dabei mit seinem 40-köpfigen Team hinter den Kulissen die Regie.

Bautechnisches Markenzeichen

Wichtigste Zielmärkte sind für André Salamin die Schweiz, gefolgt von Deutschland, England und den Benelux-Staaten. Dabei beobachtet er eine Wechselwirkung zwischen den Seminaraktivitäten und dem Ferienbetrieb: «Wer als Kadermitglied an einer Sitzung im Hotel verweilt, entdeckt oft auch Vorzüge für einen individuellen Aufenthalt.» Das gilt speziell für die Bergoase von Mario Botta, die auf 5000 m2 alles für Wellness und Fitness bietet. Die besondere Architektur lockt auch Leute nach Arosa, die allein das Felsbauwerk mit den siebzehn Segeln aus Stahl und Glas fotografisch festhalten wollen. Das bautechnische Markenzeichen will der Hoteldirektor auch ganz gezielt für das MICE-Geschäft einsetzen.

Cross-Selling

Bei der Marketingarbeit kann sich das Fünfsternehaus auf die zentralisierten Aktivitäten der Tschuggen Hotel Group abstützen, zu der mit dem Hotel Eden Roc in Ascona, dem Hotel Carlton in St.Moritz und dem ebenfalls in Arosa domizilierten Sporthotel Valsana drei weitere Etablissements gehören, die über eine gemeinsame Kundendatei das Cross-Selling betreiben. Die Hotelgruppe lebt vom Goodwill des Alleinaktionärs Karl-Heinz Kipp, der sich nach dem erfolgreichen Aufbau einer Harddiscount-Kette in Deutschland nun mit der gleichen Akribie dem Hotelgeschäft in der Schweiz widmet.

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Die finanziellen Mittel des Selfmademan erlauben es der Gruppe, auch teure Ausbauprojekte ohne die Hilfe von Bankkrediten in Angriff zu nehmen. Bottas Kunstwerk wäre ohne den deutschen Milliardär nicht möglich gewesen. Und Unternehmer Kipp will an seinem Winter-Wohnort in Arosa weiter investieren. Das sind Trümpfe für die gesamte Destination.