Microsoft hat im Kampf um die geplante Übernahme dem Internet-konzern Yahoo ein Ultimatum gestellt: Wenn es in den kommenden drei Wochen keine Einigung gebe, werde Microsoft eine feindliche Übernahme anstreben, drohte Microsoft-Chef Steve Balmer in einem Brief an die Yahoo-Spitze. Der Redmonder Konzern hatte Yahoo am 1. Februar ein Übernahmeangebot von 44,6 Mrd Dollar unterbreitet ? das waren 62% mehr als der Marktwert von Yahoo. Der Vorstand von Yahoo wies das Angebot dennoch als zu niedrig zurück.

Lachender Dritter dieses Schlagabtausches ist der von vielen bereits schon tot geglaubte Internetdienst AOL. Nach seiner grundlegenden Umstrukturierung in Europa ist er wieder auf Wachstumskurs. Grund: Während die Rivalen Yahoo und Microsoft mit sich selbst beschäftigt sind, räumt AOL bei der Werbung ab.

Jagd auf die Online-Werbegelder

«Wir legen inzwischen bei Umsatz und Profit wieder zu», sagt der AOL-Europa-Chef Dana Dunne. Prognosen für die kommenden Jahre will er nicht nennen ? die Muttergesellschaft Time Warner veröffentlicht keine Bilanzen für AOL in den europäischen Ländern.

Ein grosses Plus für AOL in dieser Zeit: Der Übernahmekampf zwischen Yahoo und Microsoft, wie Europa-Chef Dunne meint. Die drei Unternehmen konkurrieren um Online-Werbegelder. «Eine solche Übernahme muss von den Regulierungsbehörden genehmigt werden, und das dauert.» Wenn der Zusammenschluss zustande kommt, werde die Integration der Unternehmen ein weiteres Jahr in Anspruch nehmen. «Diese Zeit werden wir im Markt nutzen.»

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Expansion nach Spanien

Eine solche Atempause könnte AOL gut gebrauchen. Das US-Unternehmen befindet sich in einer tief greifenden Umstrukturierung. Im vergangenen Jahr verlor der Internetdienst in den USA 3,8 Mio Mitglieder vor allem an TV-Kabelnetzbetreiber und Breitbandanbieter. Wegen des harten Wettbewerbs in den europäischen Ländern mit nur niedrigen Margen verkaufte AOL sein Internet-Zugangsgeschäft in Deutschland, Grossbritannien sowie Frankreich.

In Deutschland hat die Telecom-Italia-Tochter Hansenet die Sparte für 675 Mio Euro übernommen. Von den 1500 AOL-Mitarbeitern sind 1250 zu Hansenet gewechselt. Derzeit beschäftigt AOL etwas mehr als 100 Mitarbeiter in Deutschland. «Jetzt stellen wir wieder ein», sagt Dunne. Inzwischen ist auch in den USA organisatorisch das Zugangsgeschäft von den Internetdiensten getrennt worden. Nun wolle man alle Optionen prüfen, den Verkauf eingeschlossen. Immer wieder kommt es zu Spekulationen, dass AOL auch eine Kooperation mit Yahoo eingehen könnte.

Im Kampf um Kunden setzt AOL vor allem auf Nutzerfreundlichkeit und verlockende Zugangsmodalitäten: Alle Angebote auf den Portalseiten sind mittlerweile kostenlos, ebenso wie der E-Mail- und Instant-Messaging-Dienst. Für das Abspeichern von Fotos gibt es keine Speicherplatzbeschränkung mehr. Zuletzt führte AOL die Video-Suche Truveo ein, die alle grösseren Videoseiten nach Stichwörtern durchstöbert. Nach eigenen Angaben verfügt AOL zudem über das grösste Partnernetzwerk für die Darstellung von Bannerwerbung. Lohn der Mühe: Der Dienst erreicht 170 Mio Besucher pro Monat.

Im Online-Werbemarkt erwartet AOL-Europa-Chef Dunne ein «hohes zweistelliges Wachstum». Dies werde mindestens fünf Jahre anhalten. «In den meisten europäischen Ländern verbringen die Menschen mehr Zeit im Internet als mit dem Lesen von Zeitungen», sagt Dunne. Trotzdem fänden immer noch mehr als 80% der Werbeausgaben offline statt. «Das wird sich schnell ändern.»

Während AOL in den USA noch über die Zukunft des Zugangsgeschäfts entscheiden muss, treibt Dunne die Expansion in Europa voran. In diesem Jahr startete der Dienst Portale in acht Ländern, darunter Polen, Spanien und Italien. Ende des Jahres will AOL in 15 europäischen Ländern vertreten sein.

Soziale Netzwerke als Problem

Dabei wächst der Dienst auch durch Zukäufe. Hierzu zählen die Spezialfirmen für Internetwerbung Tacoda, Lightningcast und Adtech in Frankfurt. Mit der jüngsten Übernahme der britischen Online-Kontaktbörse Bebo für 850 Mio Dollar versucht AOL nun noch, seine Schwäche bei sozialen Netzwerken auszugleichen. Ein eigenes Angebot konnte sich nicht gegen die Dienste von MySpace und Facebook durchsetzen.

 

 


Der Software-Riese Microsoft versucht seine eigenen Mitarbeiter zu beruhigen und gibt Garantien ab

Der Software-Konzern Microsoft hat Sorgen der Beschäftigten vor einem massiven Stellenabbau bei einer Übernahme des Internetkonzerns Yahoo zurückgewiesen. Es werde zwar einige Überschneidungen geben, räumte ein Top-Manager in einer E-Mail an die Beschäftigten ein. Microsoft sei aber ein Wachstumsunternehmen und habe allein seit 2005 mehr als 20000 neue Leute eingestellt. Die Zentrale von Yahoo im kalifornischen Sunnyvale solle zudem als Standort erhalten bleiben. Auch mehr als zwei Monate nach dem Übernahmeangebot von Microsoft für Yahoo ist der Ausgang des Tauziehens offen. Yahoo hatte das Angebot von ursprünglich knapp 45 Mrd Dollar (30 Mrd Euro) als klar zu niedrig zurückgewiesen. Microsoft will den Plan dennoch durchsetzen und damit die Dominanz von Google bei Online-Suche und Internetwerbung brechen.

Unterdessen wächst der Druck auf die Führung bei Yahoo. Weitere US-Pensionsfonds haben das Unternehmen verklagt, weil es mit seiner Ablehnung gegen die Interessen der Aktionäre handle. Eine andere Finanzgesellschaft zog bereits vor Gericht. Die interne E-Mail des Microsoft-Präsidenten für den Bereich Plattformen und Services, Kevin Johnson, soll laut Beobachtern die Mitarbeiter bei Microsoft und Yahoo beruhigen. Allerdings legte sich der Topmanager nicht auf Zahlen fest. Fähige Mitarbeiter würden trotz möglicher Überlappungen im neuen Konzern untergebracht. Yahoo hatte erst kürzlich all seinen Beschäftigten umfangreiche Abfindungen versprochen, wenn sie wegen einer Übernahme ihren Job verlieren sollten. Der Konzern beschäftigt 14300 Mitarbeiter.(hz)