Immer mehr Geld ist in den letzten Jahren in die Kunstmessen geflossen. Da Sammler nicht mehr so häufig in die Galerien gehen, könnten viele Galeristen ohne Messeteilnahme finanziell kaum überleben. Messen erweitern die Netzwerke und aktivieren die lokale Szene. Für die Galerie bedeutet eine Teilnahme je länger, je mehr eine Bestätigung ihres internationalen Ranges und ermöglicht ihr neue Kontakte. Sammler und Kuratoren entdecken auf Messen wiederum neue Galerien und besuchen diese dann auch vor Ort.

Über den überbordenden Messeboom wurde in den letzten Jahren oft gestöhnt. Dennoch sind viele Kunstmessen heute erstrangige Kulturereignisse und haben sich als Erweiterung der Kunstwelt bewährt. Sie stellen Podiumsdiskussionen und Werkgespräche auf die Beine, sie setzen sich für die Förderung junger Künstler und junger Galerien ein, sie rufen Kunstpreise ins Leben und organisieren VIP-Programme. Von klein, fein, exklusiv bis gross, populär, erschwinglich reicht das Angebot. Nicht immer gelingt es, Kunst und Kommerz in Balance zu halten, und mitunter überwiegt die Supermarkt-Strategie. Doch nirgends erhält der Besucher einen besseren Querschnitt durch den aktuellen Kunstmarkt.

Weniger Risiko ist gefragt

Der Markt ist äusserst lebendig, doch im Schatten der Finanzkrise ist die Stimmung gedämpft. Von der Londoner Frieze Art Fair, die am 19. Oktober zu Ende ging, war zu hören, dass Kunstwerke unterhalb von 500000 Dollar insgesamt beliebter waren und Spontankäufe seltener, dass risikofreie Künstlernamen häufiger waren und die Geduld der Galeristen bei Reservierungen grösser war als auch schon. Dennoch zeigten sich einzelne Händler optimistisch und halten den Markt generell für stark; manche hatten gar, wie schon in den letzten Jahren, ihren Stand nach einigen Stunden ausverkauft. Denn nicht wenige von der Börse Enttäuschte setzen nun lieber auf reale Sachwerte. An die 35. Fiac, die in Paris vom 22. bis 26. Oktober abgehalten wurde, kamen die wichtigen amerikanischen Sammler ebenso wie zahlreiche europäische Käufer. Spontankäufe seien in Paris seltener als in London, war zu hören. Insgesamt bestätigte der gute Publikumszuspruch jedoch den Rang dieser Messe. Allzu umfangreich war allerdings bei vielen Galeristen das gezeigte Programm, mit dem sie versuchten, der Krise entgegenzutreten. Wer demnächst in der Schweiz einen spannenden Querschnitt durch das aktuelle Kunstgeschehen erleben möchte, wird vom 14. bis 17. 11. 2008 an der Kunst 08 Zürich fündig.

Anzeige