Heute Dienstagabend öffnet Technologiegigant Apple seine Bücher und präsentiert die Zahlen zu seinem dritten Quartal. Dabei könnten die Ergebnisse leicht besser ausfallen als die bislang realistischen Einschätzungen von Apple-Boss Tim Cook. 

Doch interessieren dürfte dies die Anleger und Analysten ohnehin nicht gross. Die blicken bereits auf den Herbst mit erhofften neuen Produkten. Die immense Erwartungshaltung soll indes weiter den Aktienkurs beflügeln – solange es keine böse Überraschungen gibt.

Umsatztreiber iPhone 

Der Umsatz im dritten Quartal soll die von Apple angepeilten 38 Milliarden Dollar übertreffen, so das Ergebnis einer Analysten-Umfrage des Wirtschaftsmagazins «Fortune». Die durchschnittliche Erwartung liegt bei 38,4 Milliarden Dollar.

Umsatztreiber ist weiterhin der Verkaufshit iPhone. Davon wurden im dritten Quartal 35 bis 36 Millionen Stück weltweit verkauft, mutmassen die Experten bei der US-Investmentbank Piper Jaffray. Das wäre gegenüber der Vorjahresperiode ein Plus von 14 Prozent, aber gegenüber dem zweiten Quartal ein Rückgang von 18 Prozent. 

Schwächelndes iPhone-Quartal

Im dritten Quartal ist das aber nichts Aussergewöhnliches, die iPhone-Verkäufe schwächeln dann üblicherweise. Die Leute warten mit der Neuanschaffung des Smartphones in Erwartung eines neuen Geräts in den kommenden Monaten. Doch in diesem Jahr dürfte der Effekt keine grossen Auswirkungen auf die Zahlen haben, sagt Deutsche-Bank-Analyst Sherri Scribner gegenüber dem «Business Insider». Grund seien die weltweit rund 50 neuen Vertriebspartner wie etwa China Mobile mit etwa 785 Millionen Kunden. 

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Unter dem Strich erwartet Scribner aber keine grossen Sprünge bei den heutigen Quartalszahlen. Er rechnet ebenfalls mit 36 Millionen verkauften iPhones. Auch die Citigroup sieht keine Überraschungen. Laut der US-Grossbank dürfte der Gewinn pro Aktie bei 1,22 Dollar liegen.

Gute Ausgangsposition

Im letzten Quartal ist bei Apple viel passiert. Zwar konnte der Konzern nicht mit der langersehnten Lancierung eines bahnbrechenden Gadgets punkten, doch er hat sich eine gute Ausgangsposition verschafft. 

So beglückte Apple etwa die Anleger mit einem Aktiensplit von 7 zu 1 und kaufte im Mai für 3 Milliarden Dollar den Kopfhörer-Hersteller Beats. Jüngst kündigte das Unternehmen mit Brimborium eine neue Software für den Mac sowie seine portablen Geräten an. Eine Partnerschaft mit dem Technologiekonzern IBM soll das Unternehmensgeschäft beflügeln. Und ganz wichtig: Apple steht gegenüber seinem grössten Rivalen Samsung derzeit besser da. Die Südkoreaner enttäuschten zuletzt mit schlechten Quartalszahlen. 

Grösste iPhone-Bestellung aller Zeiten

Das stellt auch die Anleger zufrieden. Im letzten Quartal ist der Aktienkurs von Apple um 26 Prozent gestiegen. Und mit dem Aufwärtstrend soll es weitergehen. Dafür sorgen sollen weniger die heute anstehenden Quartalszahlen als der kommende Herbst.

Allgemein wird erwartet, dass Apple im September eine neue Version seines Verkaufhits und primären Umsatztreibers iPhone auf den Markt bringt. Analysten rechnen laut «Business Insider» daher mit einem «Monsterherbst».

Anzeichen dafür gibt es bereits jetzt. Apple soll die Produktion von 70 bis 80 Millionen Geräten seines nächsten iPhone-Modells in Auftrag gegeben haben, schreibt etwa das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Insider. Das wäre die grösste iPhone-Bestellung, die Apple je gemacht hat. Dabei soll es sich um eine grössere Variante mit einer Bildschirmdiagonale von 4,7 und 5,5 Zoll handeln. 

Zudem erwarten Experten, dass Apple im Herbst endlich seine «iWatch» vorstellt. Der Konzern würde mit der Smartuhr ein brandneues tragbares Gerät auf den Markt bringen und zugleich eine neue Produktkategorie gründen – die erste seit der Einführung des iPads.

Druck auf Apple steigt

Entscheidend für Apple wird daher vor allem das nächste Quartal sein. Sowohl Anleger, Experten als auch Kunden warten sehnlichst auf die neuen Produkte. So dürften die heutigen Zahlen zum dritten Quartal nur bedingt ins Gewicht fallen – sofern es keine bösen Überraschungen gibt. 

Solange die Erwartungen in Takt sind, dürfte auch der Aktienkurs in den nächsten Wochen weiter anziehen. Gleichzeitig steigt der Druck auf Apple. Sollte der Konzern im Herbst enttäuschen und nicht mit neuen Produkten aufwarten, dann gäbe es ein böses Erwachen - nicht nur bei den Aktionären.