Vor sechs Monaten erfolgten die beiden wichtigsten Ankündigungen von Apple seit der Lancierung der MP3-Musikplayer iPod: Zunächst das iPhone-Mobiltelefon, dann, etwas im Schatten, die Apple-TV-Plattform, die bereits seit dem Frühjahr auf dem Markt ist. Das Potenzial beider Neuentwicklungen ist gross, denn sie umfassen nicht nur die Hardware, die beim iPhone beispielsweise mit einer Traummarge von 52% verkauft wird, sondern auch ein «Ökosystem» von dazugehörendem Verkauf von Musik und Filmen.

Viel Aufsehen erregten die Absatzzahlen der ersten Verkaufstage des iPhones. US-Medien berichteten von teilweise ausverkauften Geschäften, aber Warteschlangen blieben die Ausnahme. Unter Analysten wird jetzt diskutiert, ob die gemeldeten 700000 Stück des ersten Wochenendes die Erwartungen geschlagen haben, denn das Apple-Management hatte im Vorfeld tiefgestapelt. Für den Quartalsabschluss, den Apple am 25. Juli bekannt geben wird, ist der iPhone-Absatz aber so oder so noch nicht relevant. Bemerkbar machen wird sich der iPhone-Absatz erst im Fiskaljahr 2008.
Die Credit-Suisse-Analysten rechnen für das iPhone mit Margen zwischen 40 und 46%, hinzu kommen monatliche Zahlungen vom Netzbetreiber von 9 Dollar über die Vertragslaufzeit. Daraus ergeben sich Bruttomargen zwischen 60 und 70%. Der Analystenkonsens liegt für das Fiskaljahr 2008 – Apple schliesst die Bücher Ende September – bei 4.08 Dollar, für 2009 werden 4.81 erwartet. Daraus ergeben sich Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 32 und 27 – etwa doppelt so hoch wie im Vergleich mit Konkurrenten. Einzelne Analysten wie die von Morgan Stanley setzen die Latte mit 4.68 bzw. 5.98 Dollar Gewinn pro Aktie noch höher. Bei JP Morgan hält man diese Ziele für zu aggressiv, dort rechnen die Analysten mit 3.84 Dollar Gewinn pro Aktie für das nächste Jahr.

Auf Kaufgelegenheiten warten

Beim kommenden Quartalsergebnis könnte ein zurückhaltender Ausblick von CEO Steve Jobs wieder einiges von der in der letzten Woche aufgeblasenen iPhone-Launch-Prämie aus der Aktie heraus nehmen. Anleger, die bei solchen Kurstauchern Apple-Aktien kaufen, gehen dem iPhone-bedingten Kurs-Hype etwas aus dem Weg. Die grössten Risiken sind Probleme bei der Marktakzeptanz des iPhones und die latent schwelende Mitarbeiter-Optionsuntersuchung in den USA.

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