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Apple flirtet mit Schweizer Uhrenindustrie

Apple und Hublot-Chef Biver: iWatch mit Schweizer Komponenten?   Keystone

Der iPhone-Konzern will eine intelligente Uhr bauen. Für die iWatch nimmt er nun Kontakt mit Schweizer Experten auf: Hublot-Mitarbeiter bekommen Post von Apple. Bei Zulieferern gehen Bestellungen ein.

Von Dominic Benz
am 11.03.2014

Das Gerücht hält sich seit Monaten hartnäckig, bestätigt hat es der Tech-Gigant Apple bis heute aber nie: Unter Hochdruck sollen Ingenieure im kalifornischen Cupertino an der weltweit ersten intelligenten Uhr – der sagenumwobenen iWatch – arbeiten. Jetzt wird klar: Apple tüftelt tatsächlich daran – und hat dafür bereits Kontakt zu Schweizer Herstellern aufgenommen. Das bestätigt Jean-Claude Biver, Präsident der Luxusuhrenmarke Hublot, gegenüber «handelszeitung.ch».

Der US-Konzern sei an Schweizer Komponenten wie etwa dem Gehäuse interessiert. «Apple hat versucht, bei Schweizer Uhrenzulieferern Bestellungen aufzugeben», sagt der 64-Jährige Biver. Er wisse von zwei Lieferanten, die von Apple kontaktiert worden seien. Einen davon kenne er persönlich. «Der Lieferant hat es mir bestätigt», so Biver. Dem Namen der besagten Firma will er aber nicht verraten.

Apple will Schweizer Uhrmacher abwerben

Apples Bemühungen um die Schweizer Uhrenindustrie stoppen aber nicht bei Lieferanfragen. Der Konzern will Schweizer Uhrenexperten für die eigene Entwicklung abwerben. So auch beim Hersteller Hublot: «Apple hat bei uns direkt versucht, zu rekrutieren», sagt Biver.

Einige seiner Mitarbeiter seien per Mail von Apple angeschrieben worden. «Ich habe die Mails selbst gelesen, weil unsere Mitarbeiter mir diese gezeigt haben.» Gegenüber dem Westschweizer Wirtschaftsmagazin «PME Magazine» versicherte Biver jüngst, dass kein Mitarbeiter Hublot in Richtung Apple verlassen habe.

Gerüchte: Apple will «Swiss Made»

In der Branche glaubt man, dass Apple seiner Smart-Uhr das Label «Swiss Made» aufdrücken will. Immerhin ist die Schweiz weltweit bekannt für hochwertige Zeitmesser. In keinem anderen Land gibt es so viele Luxusuhrenhersteller, besonders in der Region Biel. Dem weltweit grössten Uhrenproduzenten Swatch gehören die Schweizer Marken Brequet, Blancpain, Omega, Longines oder Tissot.

Ebenso besitzt der Luxusgüterkonzern Richemont ein Portfolio an Uhrenmarken: Angeschlossen sind Schweizer Edelmarken wie Baume & Mercier, IWC, Vacheron Constatin oder Piaget.

Kein Hublot-Gold fürs iPhone

Für Hublot-Chef Biver sind Apples Pläne nachvollziehbar: Für den Konzern mache «es Sinn, eine Smart-Uhr 'Swiss Made' herzustellen», sagt der Mann, der einst die Marken Blancpain und Omega als Chef aufpolierte. Er selbst habe gehört, «dass Apple Interesse an unserem kratzfestem Gold hat», sagt Biver. Laut «PME» habe Apple die Hublot-Technik für die Rückseite einer Luxus-Ausgabe des neuen iPhones verwenden wollen. Eine Zusammenarbeit kam jedoch nicht zustande.

Ohnehin scheint Hublot nicht geneigt sein zu wollen, mit dem iPhone-Hersteller zusammenarbeiten zu wollen. «Wir haben keine Pläne mit Apple», sagt Biver, und man sei auch nicht interessiert. Als ein Grund scheint der wahrgenommene Unterschied zwischen Apple-Produkte und den Schweizer Luxusuhren zu sein. Die hiesigen Uhren seien für ihre Langlebigkeit über Jahrzehnte bekannt, «während die Produkte von Apple bereits nach wenigen Jahren obsolet werden», sagte Biver zu «PME».

Swatch gibt sich bedeckt

Andere von «handelszeitung.ch» kontaktierte Uhrenhersteller gaben sich ähnlich zurückhaltend. Eine Sprecherin von Swatch teilte auf Anfrage mit, man sehe in Kontakt mit allen grossen Mobil-Anbietern. Eine zentrale Rolle spielten dabei die Swatch-Töchter EM Microelectronic und Renata. Diese würden unter anderem stromsparende und miniaturisierte Mikrochips herstellen.

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