Bevor Steve Jobs vergangenen Oktober gestorben ist, sagte er seinem Biographen Walter Isaacson, er würde Apples finanzielle Ressourcen bis auf den letzten Cent verwenden, um Googles «Android» zu killen. Googles mobiles Betriebsystem sei komplett von Apple geklaut und er wäre bis zu seinem letzten Atemzug  bereit, einen «thermonuklearen Krieg» gegen Android zu führen.

Bisher blieb es bei diesen martialischen Worten und die Auseinandersetzung hat sich auf endlose Patentschlachten vor unzähligen Gerichten beschränkt. Mit Sicherheit mühsam, unangenehm, kostspielig, aber weit entfernt von «thermonuklearem Krieg»

Doch nach der WWDC-Präsentation vom Montag scheint die Angelegenheit etwas konkreter zu werden: Nach Ansicht von Business Insider zieht Apple nun in den Krieg und versucht Google auszuradieren - dabei nicht bloss Android, wie Jobs drohte, sondern Google als Ganzes.

Kampf gegen Google als Ganzes

Zwar betätigt sich Google in vielen unterschiedlichen Bereichen, sein Geld verdient das Unternehmen aber vornehmlich mit Werbung über die Suche im Internet. Und genau hier setzt Apple an.

Zuerst wurde im neuen Mobile-Betriebssystem iOS6 Google Maps von den iPhones und iPads verbannt und eine eigene Karten-App lanciert. Diese arbeitet mit dem (vor allem in den USA starken) lokalen Such- und Bewertungsdienst Yelp zusammen, der sein Geld im lukrativen lokalen Geschäft macht. Die Suchergebnisse erscheinen dabei alle direkt auf der Yelp-App.

Diese lokale Suche ist aber auch sehr wichtig für Google, damit verdient Google Geld. Wenn Apple es dadurch schafft, die Suche weg vom Browser auf die mobile App zu bringen, stört dies Googles mobiles Werbegeschäft massiv.

Ähnliches gilt für Siri: Apples mobiler Assistent bekommt neue Features. Damit können nun zum Beispiel Restaurants gesucht und direkt reserviert werden. Siri wird zu einer eigentlichen Suchmaschine und macht hier im mobilen Bereich Google ebenfalls überflüssig - zumindest längerfristig.

iTunes-Accounts als Trumpfkarte

Ein weiterer Schritt ist die Lancierung von Apples neuer «Passbook»-App. Diese tritt in direkte Konkurrenz mit Googles Zahlungssystem «Wallet». Der Vorteil hier: Apple besitzt über 400 Millionen iTunes-Accounts mit Kreditkartendaten, über die der Zahlungsverkehr mit verschiedenen Geschäftspartnern abgewickelt werden könnte.

Ein letzter Punkt: Apple integriert Facebook viel stärker in sein mobiles Betriebssystem. Und Facebook ist immerhin Googles härtester Konkurrent im Internet-Werbegeschäft.

Wo immer möglich, versucht Apple im mobilen Bereich die Bedeutung des Webs im Suchbereich zu minimieren und stattdessen die Verwendung von Apps zu fördern.

Irgendwie scheint es, Apple versuche alles mögliche, dass Google auf den iPhones und iPads möglichst wenig benutzt wird und so aus unserem mobilen Leben verschwindet.

Business Insider

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