Fans, die wie in den USA nächtelang vor den Läden campieren, um sich als erste ein iPohne zu ergattern, wird es in der Schweiz wohl nur wenige geben. Die Einführung des ersten Mobiltelefons von Apple wird aber auch hierzulande für Wirbel sorgen. «Ich rechne mit 20000 bis 40000 verkauften Geräten in den ersten acht Wochen», prognostiziert etwa Mobilezone-Chef Ruedi Baer.

Seine Handyladenkette wird sich kaum ein Stück dieses Kuchens abschneiden können. Der Netzbetreiber, der sich die voraussichtlich exklusive Partnerschaft mit Apple sichert, dürfte die Einnahmen mit niemand anderem teilen wollen. Swisscom schon gar nicht. Diese, so zuverlässige Branchenquellen, wird zum Handkuss kommen. Swisscom-Sprecher Carsten Roetz versichert zwar, dass die Gespräche «noch im Gang und keine Verträge unterzeichnet sind». Doch der Kontakt zu Apple sei «traditionell sehr gut». Schon heute ist Swisscom der grösste Verkäufer des Apple-Musikplayers iPod. Auch lässt Konzern-CEO Carsten Schloter kaum eine Gelegenheit aus, die Innovationskraft und das «geniale Marketing» der Firma mit dem Apfel-Logo zu loben.


Der Verlierer wäre Orange

In den Ring um die iPhone-Rechte in der Schweiz stiegen nur Swisscom und Orange. Mit Orange und dem Swisscom-Partner Vodafone sowie mit T-Mobile und Telefonica steht Apple derzeit in intensiven Gesprächen. Es geht um die Konditionen und die Zuschläge für die Exklusivvermarktung des iPhone in Europa. Sunrise durfte sich von Anfang keine Hoffnungen machen. Weder verfügt sie über die nötigen heissen Drähte zu Apple, noch hat ihr Mutterkonzern TDC in Europa die nötige Marktmacht, um mit den Amerikanern ins Geschäft zu kommen.

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Eine Niederlage würde der Zuschlag an Swisscom vor allem für Orange bedeuten. Keine andere Telekommunikationsfirma setzt im Marketing mehr auf Emotionen. Zudem ist Orange-Chef Andreas Wetter wie Schloter ein flammender Anhänger des Apple-Konzepts. Offiziell, so heisst es bei Orange, seien die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen.


Stolpersteine

Andrea Brack, Apple-Sprecherin Schweiz, stösst ins gleiche Horn: «Wir kommunizieren erst, wenn wir etwas wissen.» So will Apple im Gespräch bleiben.

Ob der Erfolg hierzulande auch ihrer neusten Kreation beschieden sein wird, ist alles andere als gewiss. Ruedi Baer weisst etwa darauf hin, dass Apple die Subventionierung von iPhone strikt untersagt. Nur damit kann sie die Kannibalisierung der hauseigenen iPods verhindern. Mit dem Verbot wird die Preisdifferenz zwischen einem subventionierten Handy und einem iPhone in der Schweiz jedoch deutlich grösser sein als in den USA. Auch die Tatsache, dass das iPhone eine im Vergleich wenig leistungsfähige Kamera eingebaut und keinen schnellen Internetzugang hat sowie MMS nicht unterstützt, werden kaum verkaufsfördernd wirken. Dennoch werden wohl zehntausende Geräte verkauft und der Name des Netzherstellers, der die Exklusivrechte hat, omnipräsent sein. Angesichts dessen wird Swisscom es verschmerzen können, Apple einen Teil der durch die iPhone-Nutzung generierten Umsätze abzugeben.

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Chronik

Top: Apple II

1977: Als der Apple II 1977 vorgestellt wurde, war Steve Jobs gerade 22 Jahre alt, seine Firma Apple Computer Co. hatte er ein Jahr zuvor zusammen mit seinem Freund Steve Wozniak gegründet. Das Gerät hatte einen klobigen beigefarbenen Bildschirm, zwei Disketten-Laufwerke und eine Tastatur, auf die das damals noch bunt gestreifte Apple-Logo mit dem angebissenen Apfel gedruckt war. Der Apple II war einer der ersten Personal Computer überhaupt, und im Gegensatz zu bisherigen Modellen am Markt sah er so aus, dass man ihn sich ins Büro oder auf den heimischen Schreibtisch stellen konnte. Das Gerät wurde ein Riesenerfolg. Es machte Jobs und sein Unternehmen zum ernst zu nehmenden Spieler auf dem Markt und half Apple, drei Jahre später an die Börse zu gehen. Erst 1993 stellte Apple die Produktion ein.

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Flop: Lisa

1983: Nur kurz nach der Markteinführung des Apple II startete Steve Jobs ein neues ehrgeiziges Projekt. Mit dem PC-Modell Lisa, wahrscheinlich benannt nach Jobs 1978 geborener Tochter, und passender Software wollte er den Markt für Geschäftskunden für sich gewinnen. Das Gerät wies viele Gemeinsamkeiten mit dem Apple Macin-tosh auf, wurde allerdings von anderen Entwicklern konzipiert. Nach fünf Jahren Entwicklungszeit kam der Computer 1983 auf den Markt, zum Preis von 9995 Dollar. Heute entspräche dies fast 21 000 Dollar. Bei solchen Kosten fanden sich nur wenige Käufer. Als dann ein Jahr nach dem Start von Lisa das Konkurrenzprodukt Macintosh aus dem eigenen Hause auf den Markt kam, scheiterte Lisa endgültig. Das Projekt endete wenig ruhmreich. 1989 liess Apple 2700 der Geräte auf einer Müllkippe im US-Staat Utah vergraben, um den Verlust steuerlich abschreiben zu können.

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Top: Der 1. Macintosh

1984: Der Name Macintosh – Kurzform «Mac» – ist bei der populären Apfelsorte McIntosh entliehen. Beim Technologiekonzern Apple steht der Name noch heute für die meisten seiner Computermodelle. 1984 kam der erste Rechner dieser Gattung auf den Markt. Das Besondere war, dass die Maschine die Inhalte des Betriebssystems grafisch darstellte. Bei bisherigen PC-Modellen konnte der Nutzer lediglich über Textbefehle und Tastatur mit dem Betriebssystem kommunizieren. An dem neuen Konzept zeigte sich zum ersten Mal Apples Talent für benutzerfreundliches Design.

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Flop: Newton

1993: Der Taschencomputer Newton stammt aus der Zeit, als der frühere Pepsi-CEO John Sculley den Apple-Konzern leitete. Dieser hatte 1993 die eigentlich gute Idee, dass es nützlich wäre, seinen Computer überall hin mitnehmen zu können. Also entwickelte Apple den Newton und gab ihm die Bezeichnung Personal Digital Assistant (PDA), die noch heute für ähnliche Geräte verwendet wird. Doch der Newton hatte zu Beginn technische Mängel. So funktionierte die Handschriftenerkennung schlecht. Spätere Modelle waren mit bis zu 1000 Dollar teuer. Schliesslich machte sich die Ex-Apple-Mitarbeiterin Donna Dubinsky mit ein paar Geschäftskollegen selbstständig und entwickelte den Palm, der schnell den PDA-Markt eroberte. 1998 stellte Apple die Produktion des Newton ein.

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Flop: EWorld

Mitte 90er Jahre: Wie auch bei einigen anderen Produkten war Apple mit dem Online-Angebot EWorld seiner Zeit voraus. Mitte der 90er Jahre kreierte der Konzern die Internetseite, auf der verschiedene Serviceangebote für Apple-Nutzer im Comicstil dargestellt wurden. Auf seinem Bildschirm sah der Nutzer Zeichnungen verschiedener Häuser, die er per Mausklick «betreten» konnte. Klickte man auf eines der Häuser, konnte man dort E-Mails versenden. In einem anderen gab es Nachrichten, in einem dritten Chaträume. Die monatliche Grundgebühr war mit 8.95 Dollar für eine Surfdauer von nur zwei Stunden aber zu hoch, als dass sich das Angebot hätte durchsetzen können. Denn etwa zur gleichen Zeit ging AOL mit seinem günstigeren Angebot auf den Markt. Auch war EWorld nur für Macintosh-Nutzer zugänglich. Im September 1995 kam AOL auf 3,5 Mio Einwahlkunden, Apple auf lediglich 115 000. Das Ende des Services kam 1996.

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Flop: Pippin

1996: Schon lange vor dem nun angekündigten Apple TV versuchte der Konzern, sich einen Platz im Wohnzimmer der Konsumenten zu verschaffen. Mitte der 90er Jahre entwickelte Apple das Gerät Pippin. Der Kasten konnte Multimedia-CD abspielen, also beispielsweise Audio-CD oder CD-Rom mit Computerspielen. Das Gerät kam nicht unter der Marke Apple auf den Markt, sondern wurde an den japanischen Konzern Bandai lizenziert. Als Pippin jedoch 1996 in den USA startete, hatten sich Nintendo, Sony und Sega schon mit ähnlichen Produkten auf dem Markt etabliert. Mit einem Preis von 599 Dollar hatte das Apple-Produkt keine Chance. Weltweit wurden nur einige tausend Stück verkauft. Das «PC World Magazine» wählte die Box später zu einem der 25 schlechtesten Technologieprodukte aller Zeiten.

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Flop: Cube

2000: Zum Jahrtausendwechsel versuchte Apple, das grundsätzliche Design eines Computers neu zu erfinden. Anstatt einen Ventilator für die Belüftung einzubauen, liess Gestalter Jonathan Ive beim quadratischen Rechner Cube einfach an der Oberseite Luftschlitze einfügen. Dies sah nicht nur schick aus, sondern machte den Computer auch noch leise. Ive gewann mehrere internationale Designpreise für das Gerät. Beim breiten Publikum kam der Cube allerdings nicht an. Wahrscheinlich, weil er rund 200 Dollar teurer war als die Macintosh-Computer, die ähnlich leistungsfähig waren. Nach nur einem Jahr, 2001, wurde die Produktion des Cube eingestellt.

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Top: iPod

2001: Als Apple-Chef Steve Jobs im Jahr 2001 den iPod vorstellte, war ihm wohl selbst nicht klar, was für ein Verkaufsschlager das Gerät einmal werden würde. Er präsentierte den digitalen Musikspieler als eine Art externen Speicher für den Mac. Doch nach ein paar Monaten wurde der iPod extrem populär. Zwar gab es schon früher Musikspieler von anderen Herstellern, doch diese waren teils zu klobig, teils zu schlecht zu bedienen. Mit Hilfe des iPod schaffte es Apple, aus der Nische der Mac-Nutzer herauszukommen und ein Technikanbieter für die Massen zu werden. Mittlerweile hat sich das Gerät weltweit mehr als 100 Mio Mal verkauft. Bei seiner Einführung verfügte der iPod über 5 Gigabyte Speicherplatz, heute sind Modelle mit 80 Gigabyte zu haben.

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