Ein Kommentator brachte es in den vergangenen Tagen bereits auf den Punkt: Apple wird wieder Milliarden verdienen – und die Börse wird enttäuscht sein. So wohl auch heute Abend, wenn der Computerriese aus Cupertino die Zahlen für das zweite Geschäftsquartal vorlegen wird.

Denn Firmenchef Tim Cook wird wiederum ein Ergebnis präsentieren, um das ihn viele Unternehmen beneiden: Durchschnittlich erwarten die Analysten einen Gewinn von 10.21 Dollar pro Aktie, nachdem dieser im vergleichbaren Vorjahresquartal noch 10.09 Dollar betragen hatte. In absoluten Zahlen entspricht dies Einkünften von rund 9,6 Milliarden Dollar, die in die mit 160 Milliarden Dollar ohnehin schon prallgefüllte Kriegskasse fliessen werden.

Fast schon historischer Gewinnrückgang

Allerdings muss Apple auch das Trauma der vergangenen Ergebnisbekanntgabe verkraften: Im Januar hatte der Konzern nämlich den ersten Gewinnrückgang seit einem Jahrzehnt eingestehen müssen.  

Rekordzahlen liefert das zweite Quartal seit jeher nicht: Die Kunden haben sich vorweihnächtlich mit neuen Produkten eingedeckt, zudem lancierte Apple zwischen Januar und März keine neuen Geräte. Ein besonderer Blick wird dennoch in Richtung iPhone-Verkäufe gehen: Das 2007 der Weltöffentlichkeit vorgestellte Smartphone ist mittlerweile für mehr als die Hälfte des Apple-Geschäfts verantwortlich.

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iPhone als Zünglein an der Waage

Die Erwartungen der Analysten gehen weit auseinander: Während im Vorjahreszeitraum 37,4 Millionen iPhones über den Ladentisch gingen, liegen die Schätzungen für die vergangenen drei Monate bei 34 bis mehr als 42 Millionen Geräten. Die Krux am Apple-Modell: Wachstum im Smartphone-Markt garantieren derzeit vor allem die Schwellen- und Entwicklungsländer – dort werden aber in erster Linie günstige Modelle nachgefragt.

Das im Herbst 2013 lancierte iPhone 5C ist zwar günstiger, die Preisdifferenz aber derart gering, dass sehr oft zum Topmodell 5S gegriffen wird. Im Hochpreissegment bleibt das iPhone dadurch führend – aber auch hier wird die Bedrohung durch Android-Geräte zunehmend grösser. Entsprechend werden die Anleger bei der heutigen Ergebnispräsentation penibel auch auf Aussagen Cooks zu möglichen Nachfolgemodellen achten: Die Gerüchteküche erachtet es mittlerweile als praktisch erwiesen, dass ein iPhone 6 in zwei verschiedenen Grössen auf den Markt kommen werde.

Konkreter iPhone-Termin (September)? Details zur iWatch-Strategie? So oder so wird das Apple-Ergebnis einmal mehr vor allem auch zwischen den Zeilen interessieren.