Die Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken, die Apple-Produkte wie iPad und iPhone herstellen, sollen schlimmer sein als bislang bekannt - das behauptet ein Report der Nichtregierungsorganisation China Labor Watch (CLW). Der «Spiegel» berichtete darüber am Wochenende, auch unter Verweis auf zusätzliche Recherchen vor Ort in Shanghai.

Nun reagiert Apple in einem Mail an handelszeitung.ch. In diesem Statement verweist der Techkonzern auf sein Kontrollsystem. Mit Blick auf den Zulieferer Pegatron, auf den sich CLW unter anderem bezieht, heisst es, man habe dort seit 2007 insgesamt 15 umfangreiche Überprüfungen durchgeführt, die 130'000 Arbeitende abdeckten, darunter auch Überraschungskontrollen. 

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Ausserdem habe man die Arbeitszeiten stets im Blick. «Unsere jüngste Untersuchung im Juni hat gezeigt, dass Pegatron-Angestellte, die Apple-Produkte fertigen, im Schnitt 46 Stunden pro Woche arbeiteten», schreibt Apple. 

Mit China Labor Watch sei man seit Monaten in engem Kontakt, so der Konzern weiter. Vorwürfe bezüglich zurückgehaltender ID-Karten habe man einen Tag nach der Meldung durch die Nichtregierungsorganisation vor Ort untersucht und innerhalb einer Woche Änderungen herbeigeführt.

CWL: Auch Schwangere und Kinder betroffen

China Labor Watch hatte berichtet, die Vertragsfabriken von Apple würden systematisch gegen chinesisches Arbeitsrecht verstossen. Über 10'000 Schüler und Studenten müssten in den Fabriken unter teils gefährlichen Umständen arbeiten. Vermittelt würden sie von ihren Lehrern und Schulen, die angeblich einen Teil des Lohns für sich einbehalten, so der Report. Einige Beschäftigte müssten den ganzen Tag stehen, eine Schicht dauere oft länger als zwölf Stunden, 80 Überstunden pro Monat sind keine Seltenheit.

Auch Minderjährige und Schwangere müssten weit länger als acht Stunden am Tag arbeiten, schreibt der «Spiegel» unter Bezug auf den Bericht. Kaschiert würden diese Missstände angeblich durch ein betrügerisches Abrechnungssystem, das Überstunden systematisch unterschlage.

Der Umgangston in den Fabriken sei ausgesprochen rüde, die Arbeiter würden systematisch angepöbelt und eingeschüchtert, so CLW. Ausserdem mangele es in den Fabriken am Sicherheitstraining, an Fluchtwegen und sogar an grundlegender Erste-Hilfe-Ausrüstung. Viele der jungen Arbeiter würden vorzeitig kündigen. Doch wer kürzer als ein Dutzend Tage gearbeitet habe, werde oft einfach um den Lohn geprellt.

Apple kündigt Sonderkontrollen an

Apple bestreitet diese Vorwürfe in seiner Mitteilung nun nicht, sondern schreibt, der jüngste Bericht der Menschenrechtler umfasse Vorwürfe, die dem Unternehmen neu seien. «Wir werden sie umgehend prüfen», so der Konzern. 

Noch dieses Woche solle es Sonderkontrollen geben, verspricht Apple. «Sollten unsere Untersuchungen ergeben, dass die Arbeiter nicht ausreichend bezahlt wurden oder Entlöhnung für geleistete Arbeit abgelehnt wurde, fordern wir, dass Pegatron die Arbeiter voll entschädigt.»

Bericht heizt iPhone-Gerüchte an

Derweil hat der CLW-Report einen wohl ungewünschten Nebeneffekt: Er heizt die Gerüchte über ein günstigeres iPhone-Modell an.

Denn einer der verdeckten Ermittler der Organisation berichtete, er sei bei Pegatron damit betraut worden, Schutzfolie auf die Plastik-Rücken eines noch nicht vorgestellten iPhone-Modells zu kleben. Zum Stand vor rund drei Wochen habe Pegatron an den Produktionsabläufen gearbeitet, aber noch keine Massenfertigung gestartet.