Nach der Ankündigung einer Smartwatch von Apple, die Anfang 2015 auf den Markt kommen soll, stehen mehrere Schweizer Unternehmen im Fokus der Anleger. Allen voran die Titel des grössten Uhrenherstellers Swatch haben im frühen Handel eingebüsst. Ersten Analystenkommentaren dürfte das Unternehmen wahrscheinlich mittel- bis langfristig selbst in das neue Geschäftsfeld mit Smartwatches vordringen, aber zumindest kurzfristig dürfte das Unternehmen im unteren und mittleren Preissegment unter Druck geraten.

Auch Meyer Burger dürften aus anderen Gründen unter Druck geraten. AMS profitieren hingegen von der gestrigen Produktankündigung von Apple. Laut Vontobel dürfte vor allem das Segment NFC-Solutions profitieren.

Tiefes und mittleres Preissegment betroffen

Die Swatch-Titel verlieren bis gegen 09.30 Uhr um 1,2 Prozent auf 494,50 Franken. AMS gewinnen um 0,2 Prozent auf 33,15 Franken Meyer Burger geben um 1,3 Prozent auf 9,78 Prozent nach. Der Gesamtmarkt (SPI) verliert 0,38 Prozent auf 8'672,16 Punkte

Die meisten Analysten sprechen von der «erwarteten» Ankündigung der Smartwatch durch Apple, sehen aber nur geringen Einfluss auf die Uhren- und vor allem Luxusgüterindustrie in der Schweiz. Laut Vontobel-Analyst René Weber dürfte vor allem das tiefe und mittlere Preissegment der Uhrenindustrie von der Konkurrenz durch die Smartwatch betroffen sein, während das Hochpreissegment, immerhin 87 Prozent der Schweizer Uhrenindustrie, kaum beeinflusst werden dürfte. Bei Swatch erwartet Weber, dass das Unternehmen seinerseits mittelfristig eine eigene Smartwatch auf den Markt bringt, kurzfristig aber den Konkurrenzdruck spüren dürfte.

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4 bis 5 Prozent EBIT Einbusse erwartet

Der gleichen Meinung ist Jon Cox von Kepler. Nach der gestrigen Präsentation und dem eher tiefen Preis und wenig ansprechenden Design der Smartwatch von Apple erwartet Cox keine Konkurrenz für das hohe Preissegment bei Uhren. Bei Swatch dürften vor allem mittelpreisige Marken wie Tissot leiden und Cox erwartet daher, dass der Uhrenhersteller rund 4 Prozent bis 5 Prozent des EBIT einbüssen könnte.

Auch die Analysten von J. Safra Sarasin, Helvea und Deutsche Bank sehen einige neue Konkurrenz für die hiesigen Uhrenhersteller und vor allem Swatch, aber auch hier vor allem im tieferen und mittleren Preissegment. Nichts desto trotz sei die Bedrohung für traditionelle Uhrenhersteller nicht so hoch wie befürchtet, und Swatch werde eventuell schon bald mit einem eigenen Produkt die Konkurrenz durch die neue Apple Smartwatch zumindest teilweise auffangen können, heisst es.

Trotzdem: Kaufempfehlung

Gemeinsam ist allen Analysten, dass sie durch die in letzter Zeit offenkundige Kursschwäche der Swatch-Titel allfällige Umsatzeinbussen bereits eingepreist sehen und daher durchgehend die Kaufempfehlungen für die Swatch-Aktien beibehalten.

Auch weitere Schweizer Technologiewerte dürften von der neuen Apple-Innovation betroffen sein. So sieht Weber von Vontobel für AMS Aufwärtspotential, da die Smartwatch die Umsätze von ams NFC solutions antreiben werde. Er empfiehlt die Titel daher weiterhin zum Kauf. Dem gegenüber sieht Stefan Gächter von Baader Helvea keinen Impuls für Meyer Burger, da beide neu angekündigten iPhone-6-Versionen keine Saphirglas-Abdeckungen benötigen. Da viele aber eine Saphirglas-Abdeckung und damit verbunden höhere Aufträge an Meyer Burger erwartet hätten, dürften die Aktien des Unternehmens heute unter Druck geraten.

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(awp/ise/lur)