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Wachstumsmarkt
Apple Watch einträglicher als Schweizer Uhren

Mehr Umsatz mit Apple Watch als mit Schweizer Luxusuhren
Apple Watch: Die neue Smartwatch von Apple wird das Flaggschiff eines neuen Marktes.  Keystone

Smartwatches werden zu einem Milliardenmarkt, das Aushängeschild der Branche soll die Apple Watch werden. Macht Kalifornien bald mehr Geld mit Uhren als die Schweiz?

Von Marc Iseli
2014-10-10

Apple-Grossaktionär Carl Icahn hat einen offenen Brief an Apple geschrieben. Er prognostiziert ein hohes Ertragswachstum. Treiber dieses Wachstums soll auch die neue Smartwatch sein, die nächstes Jahr lanciert wird. 2015 werde Apple voraussichtlich 45 Millionen Stück verkaufen, 2017 könnten es schon 72,5 Millionen sein, prognostizierte Icahn.

Die Uhr, so schätzte Icahn weiter, werde zu 450 Dollar pro Stück über den Ladentisch gehen. 2017 werde Apple mit den Smartwatches demnach rund 33 Milliarden Dollar einnehmen. Damit wäre das Uhrensegment neben den iPads und den iPhones umsatzmässig das wichtigste Standbein des kalifornischen Technologiegiganten.

Ein neuer Milliardenmarkt entwickelt sich

Vor allem aber würde Apple – nur mit der Uhr – rund das Eineinhalbfache dessen einnehmen, was die Schweizer Uhrenindustrie als Ganzes im vergangenen Jahr exportierte. 2013 exportierte die Schweiz knapp 28 Millionen Uhren. Der Gesamtwert beläuft sich auf rund 21 Milliarden Franken. Das entspricht rund 40 Prozent des globalen Uhrenmarktes, wie es in einer Studie der Credit Suisse heisst.

Eben diese Studie lässt auch an den Zahlen von Managerschreck Icahn zweifeln. Tatsächlich entwickelt sich gerade ein neuer Milliardenmarkt für sogenannte «Wearables», also elektronische Fitnessarmbänder, Armbanduhren und ähnliches. Und die Apple Watch soll ihr Aushängeschild sein, wie das Ranking der in der Schweiz ansässigen Smartwatch-Gruppe zeigt.

Icahn zu optimistisch

Credit-Suisse-Analyst Uwe Neumann schätzt aber, dass sich der Markt für Smartwatches nicht so bahnbrechend entwickeln wird, wie Icahn es prognostizierte. 2015 soll der Markt nur rund 11 Milliarden Dollar stark sein, 2016 sollen dann bereits 23 Milliarden Dollar umgesetzt werden. Und 2017 soll die Smartwatch-Industrie 40 Milliarden Dollar erwirtschaften.

Neumann prognostiziert weiter, dass rund sieben bis zehn Prozent der iPhone-Nutzer im kommenden Jahr eine Applewatch kaufen werden. Damit rechnet der CS-Analyst mit bis zu 30 Millionen verkauften Einheiten. Danach sollen die Zahlen sinken. Für 2017 erwartet Neumann, dass Apple rund 40 bis 50 Millionen Uhren absetzen wird. Icahn prognostizierte hingegen, dass Apple über 70 Millionen Smartwatches verkaufen wird.

Starker Konkurrenzdruck

Zu einem anderen Schluss kommt Pascal König, Geschäftsführer der Smartwatch-Gruppe. Er sieht massiv mehr Potential im Markt als der CS-Analyst und stützt Icahns Prognose. Für das Jahr 2017 schätzt König, dass weltweit 250 Millionen Smartwatches verkauft werden. Icahns Einschätzung würde bedeuten, dass die Apple Watch 2017 einen Marktanteil von 29 Prozent auf die Anzahl verkaufte Stücke hätte. Dies sei durchaus vorstellbar, sagt König. Trotzdem dämpft er die Erwartungen: Der durchschnittliche Endverkaufspreis von 450 Franken erscheint ihm aus drei Gründen eher hoch.

Erstens kann Apple nur einen Teil des Umsatzes direkt über Websales und die 500 eigenen Läden erzielen – vom Rest geht eine Marge ab. Zweitens gibt es mit Unternehmen wie Xiaomi aggressive Konkurrenten, die es Apple schwer machen werden, über Zeit ein Preis-Premium in diesem Umfang aufrecht zu erhalten. Drittens wird die Schweizer Uhrenindustrie wohl in den kommenden Jahren Apple im Premium-Segment herausfordern, so dass sich die Apple-Umsätze mit 18-Karat-Uhren in Grenzen halten werden.

Neuer Technologiemarkt gefährdet Uhrenindustrie nicht

Dass der Konkurrenzdruck im neuen Markt äussert stark sein wird, sagt auch CS-Analyst Neumann. Deswegen sei es auch noch zu früh, um klare Aussagen über die Marktdynamik zu machen, so der Experte für Technologiemärkte. Während sich derzeit rund 150 Anbieter im Pool der Smartwatch-Hersteller tummeln, hat der intensive Wettbewerb bei Smartphone-Produzenten den Markt auf rund zehn Anbieter zusammengeschrumpft.

Der neue Technologiemarkt, da sind sich alle befragten Analysten einig, bedroht die Umsätze des Schweizer Uhrenmarktes jedenfalls nicht direkt. Der traditonelle Uhrenmarkt werde kaum negativ vom neuen Markt für Smartwatches betroffen sein, sagt CS-Analyst Neumann.

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