Für Apples Chefdesigner war die Sache klar. Auf einer Podiumsdiskussion hatte eben ein Besucher eine Frage zu den vielen kopierenden Unternehmen gestellt, die im Kielwasser des Erfolgs des Tech-Konzern ebenfalls absahnen wollen und mit günstigeren Imitaten den Markt überfluten. Jonathan Ive reagierte auffällig ungehalten. «Ich sehe das nicht als Kompliment», antwortete Ive laut «Business Insider». «Tatsächlich sehe ich es als Diebstahl», doppelte er nach.

Bei Apple arbeiteten die Beschäftigten sieben oder acht Jahre an einem Produkt, das dann einfach kopiert würde. Wenn er ein offensichtlich kopiertes Produkt sehe, sei sein erster Gedanke nicht: «Oh, was für ein Kompliment», so Ivy. Sondern eher: Die investierte Zeit hätte er auch mit seiner Familie verbringen können.

«Gute Künstler kopieren, hervorragende stehlen»

Damit scheint Apples Chefdesigner allerdings etwas anders zu denken als es Firmengründer und Ex-Geschäftsleiter Steve Jobs tat. Dieser gab zu Lebzeiten zu, sich von anderen Persönlichkeiten und Produkten inspirieren zu lassen. So zitierte er mit Picasso einen der prägendsten Künstler des 20. Jahrhunderts: «Gute Künstler kopieren, hervorragende stehlen.»

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Bei der kürzlich vorgestellten Apple Watch fiel Experten wie Sandra Kaufmann von der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) denn auf: «Die Formensprache der Apple Watch erinnert klar an Ikepod-Uhren.» Beim Design der Uhr erlaubte sich Apple mit dem kurzfristigen Engagement von Marc Newson, der zuvor für die Genfer Uhrenmanufaktur Ikepod designt hatte, eine kreative Abkürzung (siehe Bildergalerie oben).

Apple zahlte bereits 21 Millionen Dollar

Vor zwei Jahren wurde das kalifornische Unternehmen gar nachträglich zu einer Strafzahlung von 21 Millionen Dollar verpflichtet, um Designrechte nutzen zu dürfen. Zuvor hatte Apple unerlaubterweise das Erscheinungsbild der Bahnhofsuhren der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) genutzt.