Die Schweizer Apple-Gemeinde schwelgt in der Vorfreude. Am kommenden Freitag kommt das neue iPhone 6 in zwei verschiedenen Grössen in den Handel. Der Ansturm dürfte riesig und die Warteschlangen vor den Apple Stores in Zürich, Wallisellen, Basel und Genf entsprechend lang sein.

In den USA, Deutschland, Frankreich, Japan oder England sind die Geräte seit dem 19. September erhältlich – und schon kann Apple einen neuen Rekord verkünden. Laut den Kaliforniern gingen über das erste Verkaufswochenende über zehn Millionen iPhone über die Ladentische.

Whatsapp in Bedrängnis

Wer die Wartezeit bis Freitag verkürzen will, kann sich schon einmal mit dem iOS 8 beschäftigen. Das neue Betriebssystem für iPhone und iPad steht weltweit seit dem 17. September zum Download bereit. Am Design von iOS 8 hat Apple kaum herumgebastelt. Dafür hat das System viele neue Funktionen erhalten. Dabei wird klar: iOS 8 ist nicht zuletzt ein Software-Angriff auf beliebte Programme wie Whatsapp.

So hat Apple seinen Nachrichtendienst iMessage derart aufgemöbelt, dass Whatsapp für viele Apple-Nutzer überflüssig werden könnte. So lassen sich nun auch mit iOS 8 Sprach- und Videonachrichten verschicken und Gruppenchats besser verwalten – Funktionen, die Whatsapp schon lange in seiner App implementierte.  

Ärger in der Branche

Mit den Erneuerungen wird Apples iMessage immer mehr ein ernstzunehmender Konkurrent für Whatsapp. Doch mit seinem neuen Nachrichtendienst punktet der Konzern mit dem Apfelsymbol weniger mit innovativer Eigenleistung, sondern zeigt, dass er auch gut im Abkupfern ist. Das verärgert in erster Linie Whatsapp-Boss Jan Koum, der Anfang Jahr sein Unternehmen für eine Milliardensumme an Facebook verkaufte.

Vor einigen Wochen schrieb er auf Twitter: «Sehr schmeichelhaft zu sehen, dass sich Apple für iMessage in iOS8 viele Whatsapp-Funktionen 'ausgeliehen' hat.» Mit einer grossen Portion Zynismus beendet Koum seine Nachricht mit dem Stichwort «#innovation».

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Rückstand verkleinert

Doch nicht nur Whatsapp dürfte mit dem neuen iOS unter Druck geraten. Das Betriebssystem ist ebenso ein Frontalangriff auf viele andere beliebte und erfolgreiche Programme. Beispielsweise bediente sich Apple bei der Überarbeitung der Foto-App bei den Konkurrenten Powercam und Instagram. iOS 8 bietet eine Vielzahl an neuen Filtern und anderen Werkzeugen für die Bearbeitung von Bildern. Auch ein Selbstauslöser und ein Zeitraffer-Modus sind dabei.

Zudem frischte Apple seine ungeliebte Wetter-App auf. Die Informationen kommen nun nicht mehr von Yahoo, sondern von «The Weather Channel». Damit holt Apple seinen Rückstand etwa zum Konkurrenten Weatherpro auf. Auch Musik-Erkennungsprogramme wie Soundhound bedrängt iOS 8. Apples Spracherkennungs-Software erkennt nun ebenfalls die Songs aus dem Radio oder den Boxen im Klub.

Sache der Umsetzung

Apple hat mit seinem neuen Betriebssystem für mobile Geräte vieles aufgeholt – und viel von der Konkurrenz kopiert. Apple dürfte wohl noch einem einfachen Leitspruch vorgegangen sein: Gut geklaut ist oft besser als schlecht selbst gemacht.