Was erwarten Sie vom Apple/Beats-Deal mit Blick auf das Thema Musik-Streamingdienste?
Ralf Beyeler*: Apple hat bisher keinen Musikstreamdienst, Beats einen solchen mit weltweit nur 250‘000 Kunden. Aber die Gründer von Beats kommen aus der Musikbranche – und haben entsprechend sehr gute Beziehungen. Deshalb erwarte ich, dass Apple bald mit einem eigenen Streamingdienst kommen wird. Kunden bezahlen eine monatliche Pauschale und können dafür alle Musikstücke hören. Bisher mussten Kunden bei Apple jedes Musikstück kaufen und konnten es dann unlimitiert anhören.

Inwieweit ist ein Kaufpreis von drei Milliarden Dollar für Sie nachvollziehbar?
Ich ziehe den Joker.

Einige Apple-Dienste sind in der Schweiz gar nicht erhältlich: Rechnen Sie damit, dass in diesem Bereich der Computerriese zum weltweiten Frontalangriff auf bestehende Streamingdienste ansetzt?
Apple wird versuchen, Streamingdienste in möglichst vielen Ländern anzubieten. In der Schweiz haben die Kunden viel Geld – und das lockt Apple an. Dazu kommt, dass die Schweiz ein Land ist, in dem Apple-Produkte überdurchschnittlich oft gekauft werden. Deshalb: Apple wird bald mit einem Streamingdienst in der Schweiz starten.

Ihre Recherchen haben im vergangenen Dezember gezeigt, dass viele Nutzer nicht sonderlich bereit sind, fürs Musikhören Geld zu bezahlen: Weshalb ist der Markt dennoch attraktiv? Wird sich die Offensive für Apple lohnen?
Der Markt muss sich noch entwickeln. Vor etwa 15 Jahren luden sich die Menschen die Musik über Tauschbörsen herunter, ohne dafür zu bezahlen. Dann kam Apple mit dem iTunes Store – und heute geben 45 Prozent an, dass sie für Musikdownloads bezahlen. Wenn es ein gutes Streamingangebot gibt und die Kunden die Vorteile sehen, werden sie dafür auch bezahlen. Und wenn Apple in den Markt einsteigt, wird dies den Markt sicher stark beleben.

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Inwieweit rechnen Sie damit, dass Apple mit seiner Marktmacht – und allenfalls daraus entstehenden Verknüpfungen mit iOS-Geräten oder auch Apple-TV – bestehende Platzhirsche wie Spotify aus dem Schweizer Markt drängen kann?
Wie gesagt: Der Markt entwickelt sich und wird noch wachsen. Wenn nun Apple in den Markt einsteigt, dürfte der ganze Markt wachsen. Und es gibt genügend Kunden, die keine Produkte von Apple wollen. Und wenn der gesamte Markt wächst, könnten damit Spotify noch zulegen.

* Ralf Beyeler ist Telecom-Experte beim Internet-Vergleichsdienst comparis.ch.