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Technologie
Apples Neupositionierung belastet Zulieferer

Apple Home Pod
Apples Homepod: Einer der Hoffnungsträger, aber bei Weitem nicht der grösste. Quelle: Keystone

Zwei Kennzahlen in Apples Bilanz versprechen, dass die Abhängigkeit vom iPhone sinkt. Für Zulieferer sind das aber harte Neuigkeiten.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 02.05.2018

Apple gelingt es einmal mehr, die Unkenrufer zu widerlegen. Seit Jahren beschwören Kritiker das Ende der iPhone-Ära herauf und fürchten, der Konzern werde angesichts eines gesättigten Smartphone-Marktes zusammenbrechen. In letzter Zeit häuften sich die Gerüchte über schlechte Verkaufszahlen vor allem beim teuren iPhone X.

Die Quartalszahlen, die Apple am Dienstag vorlegte, widerlegt die kritischen Stimmen zumindest vorerst. Mit einem überraschend guten Ergebnis und einem weiteren Aktienrückkaufprogramm erfreute Konzernchef Tim Cook die Anleger. Er betonte, dass iPhone X sei das meistverkaufte Apple-Handy derzeit. Und meldete erfreuliche Zahlen: Umsatz und Gewinn wachsen beide deutlich, es ist sogar das beste Märzquartal der Firmengeschichte.

Erleichterung bei den Apple-Aktionären

Entsprechend erleichtert reagierten die Anleger: Nachdem der Apple-Titel zuletzt nachgegeben hatte, stieg das Papier nachbörslich um fast 9 Prozent. Dabei dürfte auch das nochmals erweiterte Aktienrückkaufprogramm geholfen haben. Börsen-Spürnase Warren Buffett hält dem grössten Konzern der Welt ohnehin die Treue, erst Anfang Jahr hat er seine Anteile nochmals aufgestockt und hält jetzt 23 Prozent. Es ist die grösste Position im Portfolio von Buffets Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway.

Dennoch haben die Unkenrufer einen Punkt: Das Geschäft mit dem iPhone ist zunehmend ausgereizt, auch Aktionäre fordern eine grössere Diversifikation. Der Anteil, den das iPhone am Apple-Umsatz hat, sinkt nur langsam, von ehemals 69 auf derzeit 62 Prozent. Dabei sind die Signale bei der Neupositionierung von Apple gar nicht so schlecht.

Hoffnungsträger Apple Music und Co.

Denn die Bilanz von Apple offenbart zwei positive Kennziffern: das Wachstum in der Sparte «andere Produkte» und das Wachstum im Services-Bereich. Unter den Bereich «andere Produkte» fallen zum Beispiel die Apple Watch und der smarte Lautsprecher Home Pod, der in Europa noch gar nicht erhältlich ist. Hier war das Wachstum im Märzquartal am stärksten, es betrug 39 Prozent zum Vorjahr. Dieser Bereich macht gut 6 Prozent der Apple-Umsätze aus. Die Entwicklung hier ist positiv, allerdings sind weder Apple Watch noch Home Pod Anwärter auf den iPhone-Thron.

Anders dagegen der Service-Bereich, auf den Tim Cook seit Längerem grossen Wert legt. In diese Sparte fallen etwa der iCloud-Service von Apple und der Streamingdienst Apple Music. Der Bereich trägt mit mehr als 9 Milliarden Dollar Umsatz mittlerweile 15 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Verschiedene Apple-Dienste hätten jetzt 270 Millionen Abo-Kunden, so Cook, eine Steigerung um 100 Millionen zum Vorjahr.

Besonders positiv: Die Service-Umsätze sind anders als die Geräteverkäufe nicht so stark auf das Weihnachtsquartal fixiert, traditionell das wichtigste und stärkste Quartal für Apple. So ist dies die einzige Sparte, die sogar zum Vorquartal ein Plus erzielen konnte. Zum Vergleich: Die iPhone-Verkäufe zum Weihnachtsquartal haben zum Jahresbeginn 38 Prozent nachgegeben, eine übliche Bewegung. Auch aus diesem Grund sind Cooks-Pläne interessant: Abo-Dienste sind kontinuierliche Einnahmen, nicht einmalige Verkäufe. Der Apple-Chef will hier künftig auch mit eigenem TV- und Seriencontent punkten.

Nicht für alle sind diese Entwicklungen aber gute Nachrichten: Wenn Apple abhängig vom iPhone ist, sind es die Zulieferer umso mehr. Für die Hersteller von iPhone-Komponenten kann schon ein geringer Rückgang in den Verkäufen einen grossen Einbruch ausmachen, wie Finanznachrichtendienst Bloomberg schreibt. Denn diese haben sich teils stark auf Apple ausgerichtet.

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