Die im Oktober fusionierte Onlinehandelsplattform Yoox Net-A-Porter Group hat das Interesse eines mächtigen Arabers geweckt: Der Geschäftsmann Mohamed Alabbar beteiligt sich mit 100 Millionen Euro am weltgrössten Online-Luxushändler. Die Kapitalspritze sichert ihm rund 4 Prozent an der Firma, die zur Hälfte dem Genfer Luxusgüterkonzern Richemont gehört.

Das Investment von Alabbar ist wegweisend: Er ist Gründer und Inhaber der Firma Emaar Properties, die zahlreiche Einkaufszentren in Dubai besitzt und betreibt. Im Portfolio ist auch das mit etwa 80 Millionen Besuchern meistfrequentierte Shopping-Center der Welt: The Dubai Mall. Entsprechend kommentierte Frederico Marchetti, Chef der Yoox Gruppe: «Der grösste Online-Händler vereint die Kräfte mit dem grössten Einzelhändler aus Backstein und Mörtel.»

Tor zum Orient

Die Beteiligung von Alabbar soll das Tor zum Orient weit aufstossen: Der Modehändler sieht den neuen Grossaktionär aus Dubai als «strategischen Investor», der die Expansion in der Region wesentlich unterstützen könne. Derzeit verdient der Online-Händler, der im letzten Jahr fast 2 Milliarden Franken Umsatz gemacht hat, hier noch kaum Geld. Bezeichnend ist, dass weder Yoox noch Net-a-Porter eine Webseite in arabischer Sprache haben.

Yoox-CEO Marchetti hat gemäss eigenen Angaben aber «grosse Pläne» – schliesslich steht der Nahe Osten für rund 5 Prozent des weltweiten Luxusmarktes. Mit seinen «unbezahlbaren Kenntnissen» werde Alabbar «eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung unserer wachsenden Geschäfte im vielversprechenden, aber komplexen E-Commerce-Luxusmarkt im Mittleren Osten» spielen, erklärte das Unternehmen.

Enge Bande mit dem Emir

Alabbar kann der Luxusgruppe politische und wirtschaftliche Welten eröffnen. Seit seiner Zeit als Direktor für ökonomische Entwicklung pflegt er einen engen Umgang mit Dubais Emir Scheich Mohammed bin Raschid. Der Herrscher über das Emirat schätzt Alabbar als Berater in Wirtschaftsfragen, schliesslich haben sie gemeinsam jahrelang am Erfolgsmodell Dubai gewerkelt und die Wirtschaft des Landes vom Öl entkoppelt.

Anzeige

In Dubais Wirtschaftswelt gibt es denn auch kaum ein Vorbeikommen am beinahe übermächtigen Alabbar. Seine Firma Emaar Properties ist verantwortlich für den Bau des Burj Khalifa, des höchsten Gebäudes der Welt. Vor wenigen Tagen kündigte Alabbar überdies an, den eigenen Rekord einstellen zu wollen. Ein vom spanisch-schweizerischen Architekten Santiago Calatrava entworfener Turm soll den Rekordbau übertreffen. Der Turm ist ein « Geschenk an die Stadt» und soll bis 2020 stehen.

Vertrauen zurückerobert

Das Investment von Alabbar ist die erste grosse Nachricht, seitdem Richemont seine Online-Tochter mit Yoox verheiratet hat. Der Zusammenschluss kostete Net-A-Porter-Gründerin Natalie Massenet den Kopf. Sie verliess das Unternehmen im September. Analysten sprachen damals von einem «herben Schlag» für die Firma.

Das Engagement von Alabbar schafft nun wieder Zuversicht. Die Investoren glauben an eine Zukunft ohne Massenet, dafür mit lukrativen Absatzmöglichkeiten im arabischen Raum. Seit Bekanntwerden der Nachricht klettert jedenfalls die an der Mailänder Börse kotierte Aktie des Modehändlers.