Björn Näf hat vor eineinhalb Jahren das Ruder bei Gulf Air von André Dosé übernommen. Er ist dort angetreten, um die angeschlagene Fluggesellschaft Bahrains, die wie viele andere Airlines im Mittleren Osten vom Staat finanziell getragen wird, zurück in die Gewinnzone zu führen. Den Turnaround will der Schweizer bis 2011 erreichen, danach muss Gulf Air ihm zufolge auf eigenen Beinen stehen.

Näf erklärt: «Wenn die Treibstoffkosten so bleiben wie jetzt, dann können wir es sogar bis 2010 schaffen. Es geht uns bereits deutlich besser. Wir haben vor allem auf der Kostenseite sehr viel erreicht, wobei wir noch nicht am Ziel sind. Aber wir sind wieder im Geschäft und erobern die Golfregion zurück.» Ein Indiz dafür: Gulf Air hat nach langer Zeit heuer wieder Flugzeuge bestellt und das Streckennetz ausgebaut. Ein Comeback in Zürich sei vorerst aber nicht geplant.

Neue Flüge

Dafür erhöhen die bereits in der Schweiz aktiven arabischen Airlines ihre Kapazitäten: Emirates Airline wird ab Februar 2009 eine ihrer beiden täglichen Verbindungen zwischen Dubai und Zürich mit einer Boeing B-777-300ER durchführen und so pro Tag über 100 zusätzliche Sitze in der Economy Class anbieten. Etihad Airways wird ab April 2009 ihre Frequenz zwischen Abu Dhabi und Genf von vier auf fünf Flüge in der Woche erhöhen; und Qatar Airways plant, den Flugplan ab/bis Doha ebenfalls zu verdichten, sowohl Genf (ab 28. März 2009) als auch Zürich (ab 29. August 2009) werden neu fünf- statt viermal bedient.Die globale Finanzkrise scheint die Flugwelt im Mittleren Osten noch nicht erreicht zu haben, obwohl die International Air Transport Association (IATA) der Region nach zwei Nullrunden erstmals wieder operative Verluste prophezeit: 100 Mio Dollar für 2008 und 200 Mio Dollar für 2009. «Die arabischen Airlines werden auch diesen Sturm überstehen», sagt Björn Näf, CEO von Gulf Air. Erst ein beträchtlicher Nachfragerückgang würde allen richtig weh tun. Doch dafür gebe es keine Anzeichen.

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Arabische Billigflieger kommen

Entsprechend unbeeindruckt expandieren die Airlines aus dem Mittleren Osten ihre Flotten. Nur schon die Gesellschaften auf der Arabischen Halbinsel haben mehr als 650 Flugzeuge bestellt, davon über 430 bei Airbus und 220 bei Boeing. Dies entspricht für die beiden Hersteller einem Auftragsvolumen von etwa 200 Mrd Dollar. Zwei Drittel dieser Bestellungen stammen von drei Gesellschaften: Emirates, Etihad und Qatar (siehe Tabelle).

Erst vor Monatsfrist hat Air Arabia mit Sitz in den Emiraten (VAE) zehn weitere Airbus A320 bestellt, total sind es nun 44 Maschinen dieses Typs. Der erste Billigflieger des Mittleren Osten plant, nach Afrika und Eu-ropa zu expandieren. Nach dem ersten Hub in Sharjah (VAE), von dem Air Arabia derzeit mit 16 Fliegern 44 Ziele in 23 Ländern bedient, soll 2009 der zweite Hub im marokkanischen Casablanca eröffnet werden. Dies wird über ein Joint Venture mit der privaten marokkanischen Regionalgesellschaft geschehen, das unter Air Arabia Maroc firmieren wird. Welche europäischen Ziele angesteuert werden, ist noch offen. Die 2003 gegründete Air Arabia ist mittlerweile eine teilstaatliche Gesellschaft. 55% werden seit 2007 an Dubais Börse gehandelt.

Darüber hinaus will Fly Dubai, die Billigflugtochter von Emirates Airline, nächstes Jahr ab/bis Dubai ihren Betrieb aufnehmen. Und dass der Einstieg richtig erfolgen wird, davon zeugen 50 Boeing B-737-800, die vor einem halben Jahr in Auftrag gegeben worden sind.