Billigpreise in China und Überkapazitäten in den Industrieländern: Die Stahlbranche steckt weiter in der Krise. Beim weltgrössten Hersteller ArcelorMittal hinterlässt das tiefe Spuren. Es gibt aber etwas Hoffnung. Der weltgrösste Stahlkonzern beurteilt die Aussichten für die Branchenkonjunktur etwas zuversichtlicher. Das Management teilte am Freitag mit, seine Markteinschätzung sei positiver als zuletzt.

Der weltgrösste Stahlhersteller ArcelorMittal ist angesichts des dramatischen Preisdrucks im ersten Quartal weiter abgerutscht. Der Umsatz ging verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um gut ein Fünftel auf 13,4 Milliarden Dollar zurück, wie der Konzern am Freitag in Luxemburg mitteilte.

Weiterer Rückgang erwartet

Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen brach um ein Drittel auf 927 Millionen Dollar ein. Für das Gesamtjahr prognostizierte der Vorstand hier einen Rückgang auf gut 4,5 Milliarden Dollar. Schon 2015 war das Ergebnis um rund zwei Milliarden auf 5,2 Milliarden Dollar abgesackt.

Unter dem Strich kam bei ArcelorMittal wegen hoher Abschreibungen im vorigen Jahr ein Rekordverlust von fast acht Milliarden Dollar zusammen. Die Aktien des Konzerns legten seit Jahresbeginn angesichts wieder steigender Stahlpreise aber bereits um mehr als 50 Prozent zu.

«Unsere Ergebnisse spiegeln noch die sehr schweren Bedingungen aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres wider», sagte Vorstandschef Lakshmi Mittal. Inzwischen gibt er sich wieder etwas optimistischer: «Die Erholung der Preise wird unsere Ergebnisse in den nächsten Quartalen verbessern.» Allerdings werde sich das bessere Umfeld erst in der zweiten Jahreshälfte voll in den Zahlen niederschlagen.

«Gefahr von unfairem Handel»

Die aktuelle Erholung sei brüchig. An den massiven Überkapazitäten in China habe sich nicht geändert, auch wenn dort die Preise zuletzt angesichts wieder besserer Aussichten rasant angesprungen seien. Unklar ist nach Einschätzung von ArcelorMittal, wie nachhaltig die Entwicklung ist. Zudem hätten im ersten Quartal die Ausfuhren von Stahl aus China weiter über dem Vorjahreswert gelegen. «Wir müssen deshalb wachsam vor der Gefahr von unfairem Handel bleiben.»

2015 waren die Stahlpreise weltweit eingebrochen, weil China angesichts der Wirtschaftsabkühlung im eigenen Land dazu überging, seine Ausfuhren zu erhöhen. Die Konkurrenz in Europa und Amerika wirft den Chinesen Preis-Dumping vor und fordert Schutzmassnahmen. Die USA und die EU führten inzwischen Strafzölle ein. Aber in Europa wünschen sich viele Hersteller ein aktiveres Vorgehen. Sie fürchten um ihre Existenz. In den vergangenen Monaten machten die europäischen Konzerne mobil und demonstrierten mit Tausenden Stahlarbeitern.

(sda/jfr/gku)

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