Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Für den Optimisten Riet Cadonau eine klare Sache. Der Chef des Berner Technologiekonzerns sieht in der derzeitigen Entwicklung des Aktienkurses von Ascom «gute Chancen, neue Investoren zu finden». Tatsächlich ist das Papier derzeit so günstig zu haben wie seit zwölf Monaten nicht mehr.
Mit dem Ausstieg der österreichischen Beteiligungsgesellschaft Victory im Mai war der Titel von über 28 auf unter 12 Fr. gesackt. Jegliche Fantasie auf weitere Höhenflüge verpuffte. «Nun ist die Zeit für langfristige Aktionäre gekommen», sagt Cadonau. Mit ersten Interessenten wurden bereits Gespräche geführt. Der gebürtige Bündner rechnet deshalb «in den nächsten Monaten mit Veränderungen im Aktionariat». Als Erstes dürften die in Ascom investierten Finanzhäuser - die Zürcher Kantonalbank, Julius Bär und die Deutsche Bank - ihre Beteiligungen reduzieren.

*Dutzende Übernahmekandidaten*
Der Grosseinstieg eines institutionellen Anlegers, vor allem Pensionskassen, sei kurzfristig jedoch nicht absehbar. Diese warten wohl erst einmal die Entwicklung an den Börsen ab. Je rascher sich deshalb die Lage an den Finanzmärkten beruhigt, desto besser für Ascom.
Aber auch ohne gutes Börsenumfeld will Cadonau mit positiven Neuigkeiten aufwarten: «Ascom wird 2007 durch eine Akquisition wachsen.» Ein Zukauf kann laut Branchenkennern rascher erfolgen, als allgemein angenommen wird. Insgesamt prüfte das Management in den letzten acht Monaten mehrere Dutzend möglicher Übernahmekandidaten. Diese wurden auf eine Liste «sehr interessanter Firmen» reduziert. Mit anderen Worten: Wenn ein Geschäft nicht zustande kommt, hat Ascom Alternativen zur Hand. Der 46-jährige CEO hält zu seinen persönlichen Zielen in den nächsten zwölf Monaten fest, dass «Ascom durch einen oder mehrere erfolgreiche Zukäufe wachsen wird». Zudem wolle er in diesem Zeitraum die operative Performance des Unternehmens «deutlich verbessern» und das Ak-tionariat durch neue Investoren breiter abstützen. Am Ascom-Sitz an der Belpstrasse in Bern bleibt das Glas vorerst halb leer. Oder halb voll, wie es Cadonau sehen würde.