Während zahlreiche Zulieferer der krisengebeutelten Autoindustrie ums Überleben kämpfen, konnte Ems-Chemie für das Geschäftsjahr 2009 eine Betriebsgewinnsteigerung um 1% auf 222 Mio Fr. verkünden - und das mit einem um einen Fünftel niedrigeren Umsatz. Zu verdanken hat Ems das gute Abschneiden nicht nur dem frühzeitig verordneten weltweiten Personaleinstellungsstopp, der Kurzarbeit, niedrigen Rohstoffkosten und staatlichen Hilfsprogrammen für die Autobranche - sondern in erster Linie der cleveren Strategie.

Kunststoffe verdrängen Metalle

Heute erwirtschaftet Ems 56% ihres Umsatzes mit Produkten für die Autoindustrie. Dieser Anteil soll weiter erhöht werden, und dies trotz geschrumpftem Automarkt: Im vergangenen Jahr sind die Fahrzeugverkäufe gegenüber dem Vorjahr um 15% zurückgegangen, die Produktion sank gar um 26%. Bei ihrer Strategie setzt Ems vor allem auf Innovationen im Bereich der Spezialkunststoffe. Im Fahrzeugbau verdrängen diese Polymere zunehmend Metalle, weil sie leicht, strapazierfähig, hitzebeständig und verformbar sind. Die Konzentration auf Innovationen hat für Ems einen zentralen Vorteil: Sie erlaubt es, Preise und Margen selbst dann stabil zu halten, wenn die Märkte als Ganzes rückläufig sind.

Wachstum in Schwellenländern

Gleichzeitig baut das Traditionsunternehmen aus Domat/Ems seine Position in den Wachstumsmärkten aus. Bereits heute entfällt die Hälfte der weltweiten Autoproduktion auf Asien, Tendenz steigend. Aus diesem Grund hat Ems ihr Werk in Schanghai erweitert und neue Fabriken in Westchina und Indien gebaut. Hinzu kommt ein neues Werk in Brasilien, einem Wachstumsmarkt, in dem Ems bisher nicht vertreten gewesen ist. Nicht zuletzt dank der konjunkturellen Erholung rechnet Ems für 2010 mit einem deutlich höheren Umsatz. Aufgrund steigender Rohstoffpreise dürfte der Gewinn dagegen nur leicht höher ausfallen.

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