Besser als erwartet – diese Einschätzung reflektiert gegenwärtig den Zustand der schweizerischen Versicherungsbranche. Die Unternehmen präsentieren ihre Halbjahreszahlen, die die Erwartungen der Analysten übertreffen. Wie beispielsweise Swiss Life: Im 1. Halbjahr 2007 erhöhte sich das Bruttoprämienvolumen um 10% auf 14 Mrd Fr. Namentlich in der Schweiz nahm es um 10% auf 6 Mrd Fr. zu, was deutlich über dem Marktwachstum liegt.

Das Betriebsergebnis des Lebensversicherers legte um 34% auf 884 Mio Fr., der Reingewinn um 2,4 auf 615 Mio Fr. zu. Kein Wunder, hat Swiss Life eine Änderung der Finanzziele in Aussicht gestellt. Denn das für 2008 anvisierte Ziel – 1 Mrd Fr. Reingewinn – dürfte bereits 2007 erreicht werden.


Die Branche ist kerngesund

Die Börse reagierte positiv auf das Swiss-Life-Ergebnis. Die Aktie avancierte am Dienstag um bis zu 2%. Ähnliche Resultate werden diese Woche von der Bâloise und der Helvetia erwartet. Georg Marti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), rechnet für beide Versicherungsgesellschaften mit «guten Geschäftszahlen».

Zum einen war das Schadenaufkommen im Nichtleben-Bereich branchenweit unterdurchschnittlich niedrig (trotz Wintersturm Kyrill); ausserdem verbessern die Versicherer laufend ihre operative Profitabilität. Zum anderen profitiert der Lebens-Bereich vom Zinsanstieg. Schliesslich setzen die Versicherer erneut auf die Banken, reaktivieren in massiv abgespeckter Form ihr einstiges Allfinanz-Konzept: Die Bâloise mit der eigenen Bank SoBa, die Helvetia mit der Raiffeisen-Gruppe und Swiss Life mit ihrer Banca del Gottardo, die laut CEO Rolf Dörig nicht zum Verkauf steht.

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Auch diese Aussage erstaunt nicht (mehr), denn die Versicherer setzen im Vertrieb ihrer Produkte auf die Banken; ausserdem wollen sie nicht mehr hinnehmen, dass ihnen Jahr für Jahr mit dem Ablauf von Lebensversicherungen Millionen von Franken entgehen. Stellt sich die Frage, wie lange die mittelgrossen Versicherer selbstständig bleiben. René Locher, Analyst der Bank Sal. Oppenheim, glaubt mittlerweile nicht mehr an eine weitere Konsolidierung der Branche. Eine Versicherung zu übernehmen, ist eine teure Sache geworden, insbesondere für Finanzgesellschaften. Wegen der Solvenzvorschriften muss genügend viel Eigenkapital zur Verfügung gestellt werden, was Fremdfinanzierungskonstrukte nahezu verunmöglicht. Das schreckt ab.

Deshalb hat die Börse letzte Woche auf das verstärkte Engagement von Barclays bei der Bâloise kaum reagiert. Noch vor wenigen Monaten wäre die Aktie auf Grund der Übernahmegerüchte in die Höhe geschnellt. Dieses finanzielle Engagement verdeutlicht: Schweizer Versicherungstitel gelten mittlerweile auch bei ausländischen Investoren als «Kauf», denn sie bieten einiges Aufwärtspotenzial. Selbst Swiss-Life-CEO Dörig sähe es gerne, wenn seine Strategie auch von einem ausländischen Grossinvestor gutgeheissen würde, wie er unlängst in der «Handelszeitung» sagte.