Der Zufluss eines grösseren Finanzvermögens wirft drei Fragen auf. Die Investoren werden sich erstens damit befassen müssen, wie sie dieses Vermögen investieren wollen; zweitens müssen sie einen Vermögensverwalter wählen und drittens muss sichergestellt sein, dass das Vermögen professionell und gemäss den Bedürfnissen und Wünschen verwaltet wird.

Bei der Wahl der strategischen Vermögensstruktur geht es um die Entscheidung, wie das Vermögen am besten auf die verschiedenen Anlageklassen aufgeteilt werden soll. Welcher Prozentsatz des Vermögens soll in Aktien angelegt werden, wie viel in Obligationen, in Immobilien, in Kunst oder andere so genannte «non-traditional investments» wie Private Equity oder Hedge-Fonds? Soll das Depot auch Gold, Edelmetalle oder Rohstoffe enthalten? Dürfen derivative Finanzinstrumente eingesetzt werden? Welche Märkte und Währungen sind zu berücksichtigen?

Der Schlüssel zu diesen Fragen liegt in der gründlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Risikofähigkeit und Risikofreudigkeit. Die Risikofähigkeit hängt stark vom Anlagehorizont, den Liquiditätsbedürfnissen und den übrigen finanziellen und persönlichen Verhältnissen ab. Die Ertragswünsche müssen sich nach dem Risikoprofil richten ­ nicht umgekehrt!

Unter Beizug der erwarteten Finanzmarktrenditen wird der Vermögensberater die optimale Portfoliostruktur erstellen und detailliert über die damit verbundenen Risiken und Chancen informieren. Alle Investoren sollten Aufklärung verlangen, denn es steht ein Vermögen auf dem Spiel!

Achtung, versteckte Kosten!

Die strategische Vermögensstruktur und zusätzliche Einschränkungen und Vorgaben geben dem Bankier in groben Zügen die Richtung vor, und sie beeinflussen seine Wahl der Anlageinstrumente und -strategien. An einer sorgfältig definierten strategischen Vermögensstruktur sollten die Anleger festhalten, solange sich die persönliche Situation oder die Finanzmärkte nicht grundlegend ändern. Andernfalls besteht die Gefahr, dass man erratisch und unsystematisch vergangenen Entwicklungen nacheilt und zu einem ungünstigen Zeitpunkt verpasste Investitionschancen aufzuholen versucht.

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Ist die strategische Vermögensstruktur definiert, geht es an die Umsetzung der Vorgaben. Welchem Institut soll die Verwaltung des Vermögens anvertraut und welche Finanzprodukte sollen eingesetzt werden? Für private Anleger ist es nahezu unmöglich, sich systematisch einen Überblick über die Vermögensverwalter und deren Stärken und Schwächen zu verschaffen. Hilfreich ist es, sich im eigenen Umfeld umzuhören und Freunde und Bekannte nach ihren Erfahrungen zu fragen. Man muss sich die Mühe nehmen, mehrere Finanzinstitute zu kontaktieren. Das macht es möglich, die Anlagephilosophie, die grundsätzliche Ausrichtung sowie die Produkte und Dienstleistungen zu vergleichen und eine Übersicht über die Gebühren zu gewinnen.

Die Investoren können sich bei dieser Gelegenheit nicht zuletzt auch einen ersten Eindruck über die Personen verschaffen, denen man allenfalls das Vermögen anvertraut. Man sollte nie zögern, auf Zweifel und ungute Gefühle zu reagieren! Bei Problemen sollte man frühzeitig eine Aussprache mit dem Bankier verlangen.

Bei der Frage nach den Finanzprodukten dürfen die Risiken, mit denen die in Aussicht gestellten Renditen erkauft werden, und die oft versteckten Kosten nicht ausser Acht gelassen werden. Vor allem sollten die Banken ihre Kunden über die Eigenschaften von «strukturierten Produkten» aufklären. Erst wenn man versteht, wie solche Produkte in turbulenten Zeiten reagieren und wann sie Gewinne abwerfen, kann man abschätzen, ob die erwartete Rendite ausreichend für das Risiko entschädigt.

Auch sorgfältig erstellte und kommunizierte Anlagerichtlinien taugen nichts, wenn nicht überprüft wird, ob sie auch wirklich eingehalten werden. Ein professionell geführtes Finanzinstitut mit modernen Risiko-Systemen wird eine Verletzung der vorgegebenen Anlagerichtlinien mit hoher Wahrscheinlichkeit zu vermeiden wissen. Dennoch ist es ratsam, Zeit für die Überwachung der Vermögensverwaltung aufzuwenden.

Neben der Art der Anlagen sind natürlich auch rechtliche und steuerliche Optimierungsmöglichkeiten zu beachten. Banken bieten Finanzprodukte zunehmend massgeschneidert für bestimmte Kunden an. Der Steuer- und Wohnsitz und die Nationalität können dabei Kriterien sein. Daneben kann man das Vermögen aber auch verselbstständigen, indem es in eine Stiftung, einen Trust oder eine Gesellschaft eingebracht wird. Dann ruht die Besteuerung auf einer neuen Grundlage. Eine Strukturierung kommt vor allem dann in Frage, wenn mit einer Erbschaft nicht nur Bargeld, sondern auch Sachwerte wie Immobilien übertragen werden. Der Empfang einer Erbschaft ist deshalb nicht selten der Beginn der eigenen Erbschaftsplanung.

Sonja Schneider, Senior Manager, KPMG Private, Zürich und Luzern; Hans Rainer Künzle, Partner KPMG Private, Zürich.