Die ersten Astra-Modelle der neuen Generation stehen in der Schweiz seit Ende November in den Ausstellungsräumen. Die hiesigen Opel-Händler verbinden immense Hoffnungen mit der Neuheit aus Rüsselsheim, soll der Astra doch mithelfen, ihre Zukunft zu sichern. Denn das Standbein Astra muss für fast die Hälfte aller Opel-Verkäufe hierzulande sorgen; rund 6000 Fahrzeuge plant der Importeur in der Schweiz abzusetzen.

Das gilt generell für ganz Europa: Das Marketing am Stammsitz der Adam Opel GmbH in Rüsselsheim macht deshalb auch gehörig Dampf. Mit dem Astra soll dem «König der Kompaktklasse», dem VW Golf, das Lebens schwer(er) gemacht werden.

Das war übrigens schon einmal so, aber lang ists her. Heute sieht das anders aus. Denn der neue Astra besitzt das Zeug, wieder hart auf den Golf auffahren zu können.

Tröstlich ist, dass sich Opel auch im Krisenjahr 2009 - zumindest in der Schweiz - noch ohne den neuen Astra achtbar geschlagen hat. Aufgrund der Probleme mit Mutter General Motors und der Spekulationen um den Verkauf von Opel verzeichnet die Marke für die Zeit zwischen Januar und Oktober zwar ein Minus von 21%, doch hat sich der Rückgang spürbar verlangsamt. Opel konnte immerhin schweizweit mehr als 11000 Fahrzeuge absetzen und liegt damit vor Ford, Renault, Peugeot und Fiat.

Mit dem neuen Astra hofft Opel, den Abstand zu diesen Konkurrenten 2010 noch vergrössern zu können. Als Trumpf soll unter anderem die Preisskala stechen: Als günstigstes Modell ist gegenwärtig der Astra 1.6 Ecotec mit Benzinmotor und einer Leistung von 115 PS zum Preis von 25500 Fr. erhältlich (siehe Kasten). Das preiswerteste Modell der Reihe, der Astra 1.4 Ecotec mit einem 87-PS-Benziner ist ab nächstem Frühjahr lieferbar.

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Flaggschiff Insignia als Vorbild

Im technischen Bereich stattet Opel den Astra mit Komfort- und Sicherheitselementen aus, die in der Kompaktklasse keineswegs selbstverständlich sind. Sie stammen vom grösseren Bruder Insignia. Zu nennen ist das mechatronische Fahrwerk, bestehend aus einer Kombination aus elektronischen und mechanischen Elementen. Damit ist die Dämpfung in drei Stufen verstellbar (FlexRide als Option), und auch die Gasannahme reagiert je nach Fahrwerkeinstellung entweder sehr spontan (Sport, Armaturenbeleuchtung in diesem Modus rot) oder sanfter (Komfort oder Tour). Opel verzichtet für den neuen Astra auf Einzelradaufhängung hinten. Allerdings hat die schlanke Verbundlenker-Konstruktion den Vorteil, leichter, platzsparender und kostengünstiger zu sein. Dank der speziellen Konstruktion ist das Fahrverhalten mit dieser Achse vergleichbar mit demjenigen einer Einzelradaufhängung.

Für die Sitze griff Opel auf Erfahrungen zurück, die während der Entwicklung der Insignia-Sitze gemacht wurden. Die Sitze im Astra haben das AGR-Gütesiegel (Aktion Gesunder Rücken e.V.) erhalten, das bisher für kein anderes Fahrzeug in der Kompaktklasse vergeben worden ist.

Design-Linie ist sehr coupéhaft

Für das Karosserie- und Interieurdesign sind ebenfalls Elemente des Insignia übernommen worden, beispielsweise die Front und die Seitenlinien. Erwähnenswert ist zudem, dass der jüngste Astra, trotz seiner vier Seitentüren, eine coupéhafte Dachlinie aufweist. Es ist dies eine Form, die in der Kompaktklasse so noch nicht zu finden ist. Auch in diesem Fall stand die Mittelklasse-Limousine Insignia in gewisser Weise Pate.

Was die Motoren betrifft, rechnet der Schweizer Importeur damit, dass sich knapp die Hälfte der Kunden für einen der vier Dieselantriebe entscheidet. Ihr Durchschnitt erreicht nach Euro-Norm weniger als 5l für 100km. Die EcoFlex-Version mit dem 1.3-l-CDTI soll sogar auf 4,2l kommen und lediglich 109 g/km CO2 emittieren.

Der verbrauchsgünstigste Benziner (1.4 Ecotec) erreicht Werte von 5,5l/100km und 129g/km CO2. Alles in allem hinterlässt der neue Astra in seiner 10. Generation einen guten Eindruck. Aber um den Erfolg wirklich zu gewährleisten, wird es Zeit, dass die unternehmerische Zukunft von Opel - auch als Marke - auf einer sicheren Basis steht.