Eigentlich wissen es in der Telekommunikationsbranche ja alle, aber zu sagen wagt es keiner. Moderator Stephan Klapproth tat es: «Der Kunde ist ein träger Sack», stellte er klar – und brachte damit das Dilemma der Branche auf den Punkt. Denn wenn Herr und Frau Schweizer sowie die hiesigen Unternehmen jeden Trend mitmachen und alle Neuerungen begeistert kaufen würden, wären Seminar-Titel wie «Focus Customer» wohl obsolet. Doch dem ist nicht so. Deshalb lud der Schweizerische Verband der Telekommunikation (Asut) am 7. Juni zu seinem 33. Seminar im Kursaal Bern. Nach einer spritzigen Begrüssungsrede von Asut-Präsident Fulvio Caccia folgten sachliche Worte von Bundesrätin Doris Leuthard. Während sie von der Gegenwart und der unmittelbaren Zukunft sprach, schweiften die ausländischen Redner in die Ferne. Gee Rittenhouse von Bell-Labs, dem Forschungs- und Entwicklungslabor von Alcatel-Lucent, skizzierte das Morgen vom Krankenhausbett aus. Per Handy. Er hatte sich bei der Anreise zum Seminar verletzt. Vor Ort waren Ian Pearson, Futurologe von British Telecom, und Kurt Sillén, Vice President von Ericsson Mobility World. Während Sillén von Tests mit individualisierten Inhalten berichtete, sinnierte Pearson über virtuellen Ehebruch im Jahr 2015.

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Für die Visionen wie Videolinsen und Leute, die nur noch mit Headsets herumlaufen, mochten sich nicht alle begeistern. Keynote Speaker und Zürcher Opernhaus-Direktor Alexander Pereira meinte lapidar: «Es gäbe wohl eine Familienkrise, wenn ich Daniela mit einem Headset am Ohr küssen mochte.» Auch sonst bewies Pereira viel Humor und ein Gespür fürs Publikum. Letzteres zeigte auch Swisscom-Chef Carsten Schloter, der Ansätze erklärte, wie sich die Kommunikation verändern könnte. Eine These: Wichtiger als die Information selbst wird die Vernichtung unnützer Information. Mutig zeigte sich Orange-Chef Andreas Wetter. Er verzichtete darauf, selbst 25 Minuten am Rednerpult zu stehen, und übergab das Wort Patrick Bosshard. Der Leiter Disposition der Rohrreinigungsfirma Rohrmax zeigte auf, wie Kommunikation im Alltag funktioniert