Hinter den Kulissen rauchte es den Sommer lang mächtig, bis sich die Eigentümer der in Olten niedergelassenen Stromhändlerin Atel auf den am Montag dieser Woche publizierten Zwischenbescheid in Sachen Fusion mit EOS verständigten. Der Atel-Mutterkonzern Motor-Columbus hat ein Umtauschangebot an alle Atel-Aktionäre angekündigt. Bis dahin gab es zwei Jahre lang ein zähes Hickhack, bei dem nicht immer klar war, welcher Atel-Aktionär wo stand. Offiziell wird die Atel-Minderheitsaktionärin, das Mailänder Stadtwerk AEM mit seinen Gerichtsklagen für die Verzögerung verantwortlich gemacht, aber auch «intern» gabs zähe Auseinandersetzungen.

Für Atel-Verwaltungsratspräsident Rainer Schaub wurde deshalb mit dem Ausarbeiten des nun veröffentlichten Entscheides, der die Atel-Eigentümerstruktur vereinfacht, ein «bedeutender Zwischenschritt» erreicht. Rainer Schaub bestätigt: «Die Stimmung hat sich deutlich verbessert und alle sind zuversichtlich.» Neben viel persönlichem Misstrauen ist offenbar die Frage der zukünftigen Eingliederung des Westschweizer Wasserkraft-Serviceunternehmens Hydro Exploitation SA noch offen beziehungsweise dem Frieden zuliebe vertagt worden. Auch die Frage, was mit den Verbundnetzen, die beide Unternehmen besitzen, geschehen soll, ist offen. So äusserten sich die Westschweizer vergangenes Jahr strikt gegen eine Netzveräusserung. Seitens der Atel sickerte aber durch, dass sie einen frühzeitigen Abstoss des Transportnetzes an die Swissgrid mindestens prüfen würde. Allerdings bestreitet Atel-Geschäftsführer
Giovanni Leonardi dies gegenüber der «Handelszeitung». Der nun vorliegende Kompromiss verschiebt die kniffligen Fragen auf spätere Verhandlungen und macht zunächst den Weg für die «neue Atel» frei.

Röstigraben ist überwunden

Beim grössten Stromdeal in der Schweizer Geschichte geht es um mehr als Firmenorganigramme. Im September 2005 erwarben die in einem Konsortium zusammengeschlossenen Akteure Elektra Birseck, Elektra Baselland, Wasserwerke Zug, Kanton Solothurn, die Stadtwerke Lugano und Aarau sowie die EOS Holding und die französische EDF die Mehrheit an der Motor-Columbus Holding von der Grossbank UBS, um eine grössere «neue Atel» aufzustellen.
Für Hans Büttiker von der Elektra Birseck, den Sprecher des Konsortiums schweizerischer Minderheiten, geht es dabei vorab um die Sicherung «einer Perle in der Versorgungslandschaft». Ähnlich äussert sich Hans E. Schweickardt, EOS-Generaldirektor und der spiritus rector des Vorhabens. Bereits 1998 hatte Schweickardt die industrielle Vision einer «Swissenergy» entworfen. Damals als Atel-Manager – blieb aber mit seinen Ideen ungehört und verliess darauf das Unternehmen.
Schweickardt begann sich als EOS-Chef wieder für Atel zu interessieren und griff bei der erstbesten Gelegenheit zu. So gelangte er in Besitz eines Aktienpakets, das der EnBW zugeschrieben wurde. Seither wurde er in Schweizer Kreisen den Verdacht nicht los, mit EDF als grosser EnBW- und Atel-Aktionärin unter einer Decke zu stecken. Schweickardt verwies
dies stets ins Reich der Märchen. Fakt bleibt, die Stimmung zwischen Deutsch- und Westschweizern war seither stark atmosphärisch geladen und erschwerte die Einigung in Sachfragen.
Nach Ansicht Beteiligter wurde in diesem Sommer das Misstrauen mehrheitlich überwunden. Dabei wurde insbesondere der Röstigraben überbrückt, wo zuletzt generelle Ängste gegenüber einer Vereinnahmung der soeben finanziell erfolgreich sanierten EOS Holding durch Atel laut wurden. Zur Lockerung der Verkrampfungen trug ein geschickter Schachzug des Atel-Verwaltungsratspräsidenten Rainer Schaub bei. Der frühere Baselbieter Strafgerichtspräsident bat alle Konsorten zu gemeinsamen als auch Einzelaussprachen. «Wo jeder mal so richtig sein Herz ausschütten durfte», wie es von einem Verwaltungsrat formuliert.

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