Erstmals seit Beginn der Krise in Griechenland haben die dortigen Behörden bedeutende Auslandsguthaben eines reichen Griechen blockieren lassen, der dem Staat viel Geld schulden soll. Das berichtet die «Süddeutsche Zeitung» in ihrer Freitagsausgabe. Was die Zeitung in dem Fall, über den die «Handelszeitung» bereits am Mittwoch berichtet hatte, nicht nennt, ist der Name des betroffenen Finanzinstitutes.

Branchenkenner bestätigten der «Handelszeitung», dass es sich um den Zürcher Finanzdienstleister GHP Arbitrium handelt. Dort wurden vorsorglich drei Konten des unter Betrugsverdacht stehenden griechischen Unternehmer Lavrentios Lavrentiadis gesperrt. Der Wert: rund 160 Millionen Euro.

Griechische Medien zeigten auch ein Schreiben der Bundesanwaltschaft in Bern, in dem die Konten-Sperrung bestätigt wurde. Der Verdacht der Athener Staatsanwaltschaft gegen Lavrentiadis lautet auf Geldwäsche.

Lavrentiadis hatten Bank-Pläne in der Schweiz

GHP Arbitrium nimmt zum Vorfall keine Stellung. Auch die Bundesanwaltschaft in Bern will sich nicht zu vorsorglichen Massnahmen im Hinblick auf ein Rechtshilfeersuchen äussern. Bis zum Mittwoch lag noch kein solches Gesuch aus Griechenland vor. Die Athener Staatsanwaltschaft hat nun drei Monate Zeit, ein Rechtshilfegesuch einzureichen. In dieser Zeit bleibt das Geld blockiert.

Lavrentiadis ist in einen Wirtschaftsskandal verwickelt: Die von ihm kontrollierte Proton Bank musste letztes Jahr mit 900 Millionen Euro vom Staat gerettet werden. Laut der Staatsanwaltschaft in Athen sollen davor 700 Millionen ins Ausland abgeflossen sein. Dieser Skandal zwang Lavrentiadis schliesslich auch dazu, sich von seinem Plan zu verabschieden, eine Bank in der Schweiz zu eröffnen.

Die rund 160 Millionen wären der grösste Betrag, den die Griechen je in der Schweiz sperren liessen.

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