Die Schweiz bleibt ein attraktiver Steuerstandort für Unternehmen, hat aber im vergangenen Jahr gegenüber der weltweiten Konkurrenz an Terrain eingebüsst. In der globalen Studie «Paying Taxes 2009 - The global picture» von PricewaterhouseCoopers (PwC) und der Weltbank ist die Schweiz beim Ranking von 181 Ländern von Rang 15 auf 19 zurückgefallen. Die verschlechterte Platzierung rührt vor allem vom komplizierten Steuersystem, das viele Zahlungen an verschiedene Behörden notwendig macht. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass im Standortwettbewerb vor allem die handfesten Zahlen und Sätze massgeblich sind. «Die Steuerbelastung steht im Vordergrund», sagt PwC-Steuerexperte Andrin Waldburger. Die Gesamtsteuerbelastung ist in der Schweiz innert Jahresfrist von 29,1 auf 28,9% gefallen. Mit diesem Satz belegt die Alpenrepublik in Europa den vierten Rang hinter Luxemburg, Island und Irland. Die Finanzmarktkrise dürfte jedoch zumindest im Fall von Island, das ohne internationale Stützungsmassnahmen zahlungsunfähig wäre, zu Korrekturen im fiskalischen Bereich führen.

Individualbesteuerung

Für die Steuerspezialisten in den global agierenden Wirtschaftsprüfungsfirmen ist klar, dass bei der Firmenansiedelung nicht nur die Corporate Tax eine wesentliche Rolle spielt, sondern gleichzeitig auch die Steuern für natürliche Personen den Standortentscheid mitbeeinflussen. Die globale Studie «Individual Tax Rate Survey 2008» von KPMG International in 87 Ländern zeigt auf, dass sich die Schweiz auf Platz 17 im oberen Mittelfeld befindet. Die Berechnung basiert auf Zürich, womit das gesamtschweizerische Bild verfälscht wird. Nimmt man anstelle der grössten Schweizer Stadt im Vergleich dazu Zug und Schwyz, rückt die Schweiz im weltweiten Ranking unter die Top Ten vor. Zudem befinden sich die Kantone Obwalden, Appenzell-Innerrhoden, Nidwalden, Luzern, Schaffhausen und Graubünden unter den Top 20.

Flat Rate als Konkurrenz

Insgesamt verfolgt die Schweiz bei der Besteuerung von natürlichen und juristischen Personen eine kohärente Steuerpolitik. Anders sieht es im Fall von Irland aus, wo es zwar attraktive Steuersätze für Unternehmen gibt, die Spitzensätze für natürliche Personen jedoch sehr hoch liegen. Während die Einkommenssteuern bei Domizilgesellschaften keine Rolle spielen, kommt dieser fiskalischen Belastung bei einer Verlegung des Hauptsitzes oder von grösseren Firmenteilen eine hohe Bedeutung zu. «Das Management und die Angestellten wollen in ein Land mit einer niedrigen Steuerbelastung», sagt Jörg Walker, Head of Tax KPMG Schweiz. Ein Beispiel für diese gesamtheitliche Steuerpolitik ist Zug. Im Innerschweizer Kanton richtete man sich zunächst auf eine niedrige Gewinnsteuer für Unternehmen ein, zog aber später auch mit einer niedrigeren Einkommenssteuer nach.

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In Europa sind die Einkommenssteuern im weltweiten Vergleich am höchsten. Niedrige Steuersätze kennt demgegenüber Lateinamerika. Für Kontinentaleuropa gibt es allerdings ein Gefälle zwischen Ost und West. In den osteuropäischen Staaten hat die Einführung von Flat-Tax-Modellen (siehe Kasten) zu einer Absenkung der fiskalischen Belastung geführt. Auch in der Schweiz gibt es politische Vorstösse, die in dieser Richtung zielen.

So verlangt eine Standesinitiative des Kantons Zürich die Vereinfachung des Steuersystems für natürliche Personen. Im Begehren wird das Bundesparlament ersucht, die eidgenössische Steuergesetzgebung und allfällige Verfassungsartikel so zu revidieren, dass die Besteuerung von natürlichen Personen grundlegend vereinfacht werden kann. Insbesondere soll geprüft werden, ob dieses Ziel mit fixen Einheitssteuertarifen, fixen Einheitsabzügen und einer Soll-Kapitalrendite-Besteuerung auf dem Vermögen zu erreichen ist.

Reformen nötig

Bei den Unternehmenssteuern sind vor allem Reformen im administrativen Bereich erforderlich. So sind in der Schweiz 24 unterschiedliche Zahlungen an verschiedene Steuerbehörden auf kantonaler wie nationaler Ebene zu leisten. Entsprechend ist Verbesserungspotenzial vorhanden. «Das heutige Wirtschaftsklima wird die Länder dazu bewegen, ihr Steuersystem kritisch zu überprüfen, wo möglich zu vereinfachen und dabei gleichzeitig die Ergiebigkeit tendenziell zu erhöhen», ist PwC-Steuerspezialist Armin Marti überzeugt.