Der Begriff von sozialer Kompetenz hat sich in den Köpfen von Human-Relations-Verantwortlichen, Mitarbeitern, aber auch Psychologen und Weiterbildungsexperten festgesetzt. Während die meisten Unternehmen noch ziel- und erfolgsorientiert auf rein strategische Weiterbildung setzen und die weichen Faktoren nur vereinzelt als Teil der Führungsausbildung planen – wo etwa Manager irgendwo wieder erleben, dass es auch sozial schwächere Menschen gibt –, sind sich Bildungsexperten schon seit einiger Zeit einig: Es ist fast unmöglich, eine klare Grenze zwischen berufsorientierter und allgemeiner Weiterbildung zu ziehen, die dem Unternehmen, aber auch der eigenen Persönlichkeit dient.

Soziale Weiterbildung

Zwar haben grosse Unternehmen, allen voran die Swiss Re, schon vor Jahren begonnen, Life-Balance-Seminare einzuführen oder an Gruppen gerichtete fir-meninterne Kurse, um Menschen für das Unternehmen zu begeistern, die ihre soziale Kompetenz wirklich am Arbeitsplatz einbringen können. Doch erkennen noch längst nicht alle Entscheider, dass persönliche Weiterbildung auch zu Life-Balance und damit zu mehr sozialer Kompetenz führt.

Persönliche Interessen

Mit dem Ruf nach weichen Faktoren, die man nicht nur bei den begehrten Hochschulabsolventen voraussetzt, wird ein hohes Mass an Eigenverantwortung gefordert, die inzwischen auch in vielen Unternehmen und an einigen Hoch- und Fachhochschulen Thema und Programm ist. Persönliche Weiterbildung bietet die Option, ob man seine fachliche Kompetenz, die im Berufsleben gefordert wird, optimieren will oder persönliche Interessen verfolgt. Schaut man genau hin, belegen viele Kursteilnehmer Programme aus persönlichen und/oder beruflichen Gründen. In vielen Kursen sitzen Menschen aus zunächst privaten Gründen in Sprachkursen, Informatikkursen, Gesundheits- oder Kaderseminaren neben Teilnehmern, die sich aus beruflichen Gründen dafür entschieden haben.

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Was ist ein Tenniskurs?

HR-Verantwortliche sind sich bewusst, dass Inhalte, die für den Beruf gelernt werden, auch im Privatleben Früchte tragen und umgekehrt: Die Arbeitswelt profitiert von Erwachsenen, die in ihrer Freizeit unterschiedlichste Kompetenzen erwerben. Womit sich das Bild vom sozial kompetenten Mitarbeiter ja wieder abrunden würde.

Die Crux ist die Frage, an welchen ausserbetrieblichen Weiterbildungen sich Arbeitgeber auch finanziell beteiligen. Die Frage, wie jemand, der einen Sprachkurs, Gesundheitskurs oder Tenniskurs belegt, seinem Vorgesetzten klar machen kann, dass die da gemachten Erfahrungen und Trainings die soziale Kompetenz stärken.

 

 

NACHGEFRAGT
«Die nächste Generation wird schon verheizt»

Für Reinhard Schmid, diplomierter Berufs- und Laufbahnberater sowie Gründer des S&B-Instituts in Bülach, hat die Firma auch eine gesellschaftliche Verantwortung.

Strategische Weiterbildung hat insbesondere in den grossen Unternehmen Priorität. Interessieren sich aber noch zuwenig CEO und HR-Verantwortliche für ein integriertes ganzheitliches Personalmanagement?

Reinhard Schmid: Das stimmt. Es sind in erster Linie die Grossfirmen, vor allem die amerikanisch geprägten, welche die grössten Investitionen fast ausschliesslich in strategische Weiterbildung machen. Ein Unternehmen hat jedoch auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Und wenn diese nicht gelebt wird und eine Firma die Mitarbeiter nur ausnützt und zehn Jahre lang von ihnen profitiert und sie dann verbraucht wieder dem restlichen Markt überlässt, trägt dazu bei, dass das Heer von Kranken, Invaliden und Sozialhilfeempfängern immer grösser wird. Das spüren wir auch bei unseren Beratungen.

Was können Sie dieser Entwicklung entgegensetzen? Gibt es trotzdem HR-Verantwortliche, bei denen Sie offene Türen einrennen?

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Schmid: Zum Glück gibt es auch gute Firmen, die sich beispielsweise beim TQM Forum Schweiz für den Business Award bewerben können. Doch wenn man die Gewinnerliste anschaut, melden sich vor allem kleine Unternehmen. Die Grossen machen da nicht mit.

Was stört Sie daran, dass grosse Unternehmen bisher fern blieben?

Schmid: Die Awards müssten sehr publikumswirksam sein, und das erreichen vor allem die Unternehmen, die schon wegen ihrer Grösse medienwirksam sind. Die müssten sich auf ihre Fahnen schreiben, wie man mit den Menschen in der Firma umgeht. Wir sind in eine total leistungsorientierte Maschinerie eingebunden – und die nächste Generation der Hochschul- und Fachhochschulabsolventen wird schon verheizt.