Das Interesse an Apples Mobiltelefon iPhone 3G sei riesig, sagt Olaf Schulze. «Sehr viele Unternehmen, auch grössere, interessieren sich dafür, ihre Mitarbeiter mit iPhones ausrüsten», so der Swisscom-Sprecher. Beim Mitbewerber Orange, der gemeinsam mit Swisscom die begehrten Kultgeräte ab 11. Juli in der Schweiz vertreiben kann, laufen die Drähte ebenfalls heiss. Geschäftsleitungsmitglied Therese Wenger: «Ob kleine Firmen oder Konzerne: Wir erhalten sehr viele Anfragen.» Jedes vierte bis fünfte iPhone werde an ein Unternehmen gehen, so die interne Schätzung. Bereits wurden mehrere zehntausend Geräte reserviert. Eine Zahl, die Orange nicht kommentieren will. Dafür äussert sich Therese Wenger zur bevorstehenden Ablösung bislang benutzter Firmenhandys. «Es gibt mehrere Unternehmen, die ihre bisherigen Smartphones gegen iPhones auswechseln werden.»

100000 Geräte in sechs Monaten

Apple selbst gibt weder länderspezifische Absatzziele bekannt, noch Angaben zum erwarteten Marktanteil bei den Geschäftskunden. Hierzu schweigen auch Swisscom und Orange. Hinter vorgehaltener Hand spricht man jedoch von «deutlich über 100000 Geräten bis Ende Jahr». Für Privat- und Geschäftskunden. Diese Zahl wertet Mobilezone-CEO Martin Lehmann als «realistisch». «200000 verkaufte iPhones in einem Jahr wäre ein gutes Ergebnis.»

Angesichts der in der Schweiz deutlich über 3 Mio verkauften Mobiltelefone im Jahr würde das Apple einen Marktanteil von ungefähr 7% bescheren. Ein ansehliches Resultat für einen Neueinsteiger, aber keine Revolution. Der US-Konzern käme damit hierzulande hinter Nokia, Sony-Ericsson und Samsung auf Platz vier der nach Stückzahlen grössten Handyhersteller (siehe Grafik).

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Apple hat vieles verbessert

Ob von den über 100000 abgesetzten iPhones bis Ende Jahr tatsächlich 25000 und mehr für Businesszwecke eingesetzt werden, wird sich noch weisen. Mit Sicherheit werden es deutlich mehr sein, als selbst Experten noch vor einem halben Jahr gedacht haben. Der Grund liegt an den vielen in das neue iPhone 3G integrierten Geschäftsanwendungen, darunter die unverzichtbare Funktion Push-eMail. Damit sieht der Nutzer sofort, wenn eine neue Nachricht eingegangen ist.

Das Datengeschäft wird wachsen

Trotzdem wird das iPhone – zumindest kurzfristig – nicht zur neuen Killerapplikation im mobilen Geschäftsumfeld. «Das Apple-Handy ist vielmehr eine neue Alternative zu BlackBerry und Co.», sagt Olaf Schulze. Nicht der Verdrängungswettbewerb werde dadurch angekurbelt, sondern das Geschäft mit internetfähigen Handys für Unternehmen.

Das wiederum kann auch den iPhone-Konkurrenten wie BlackBerry und Palm zusätzlich Auftrieb geben. Sicherlich wird es das margenträchtige Datengeschäft aller Mobilfunkanbieter, und damit auch dasjenige von Sunrise, noch stärker wachsen lassen als bisher.

Nachfrage ist Knackpunkt

Erst mal muss die Auslieferung der Geräte einwandfrei funktionieren. Verschiedene Gerüchte über mögliche Lieferengpässe kursieren. Fakt ist, dass sowohl Swisscom wie auch Orange zum Start genügend iPhones auf Lager haben. Je nach Nachfrage und dem weiteren Aussand bestellter Geräte könnte es jedoch schon nach drei, vier Tagen zu einer temporären Verknappung kommen. Böse Zungen in der Branche spekulieren, dass diese von Apple gewollt sei. Als Indiz nehmen sie die tröpfchenweise Auslieferung.

Mit einem Lieferengpass würde der Kult um das iPhone sicherlich nochmals beflügelt – im Privatbereich. Bei den Geschäftskunden käme eine verzögerte Auslieferung kaum gut an. Der Zorn würde hier aber wohl mehr die unschuldigen Telekomanbieter als Apple treffen.