Mitte Januar lancierte der Dachverband ICT Switzerland mit dem IT Leadership Forum und der Credit Suisse (CS) das Programm «ICT-Berufsbildung Schweiz». Bis 2015 will man 1000 neue Lehrstellen schaffen, um den Mangel an IT-Fachkräften zu lindern. Beteiligt sind auch die bisherigen Träger der IT-Berufsbildung, etwa I-CH, die regionalen Lehrmeistervereinigungen und Branchenverbände wie Swiss ICT oder Swico.

Es fehlen jährlich 6000 IT-Leute

Die Lücke ist laut dem Dachverband so gross, dass sich jährlich bis zu 2500 Stellen in der Schweiz nicht mit dem richtigen Personal besetzen lassen. Insgesamt liege der jährliche Bedarf bei 6000 Stellen. Dabei werden laut der CS, die weltweit 10 000 und hierzulande 40 000 IT-Fachleute beschäftigt, nicht nur Softwareentwickler, sondern auch «normale» IT-Fachleute für Sicherheit, Service, Installation und Wartung benötigt. Die Grossbank leistet deswegen einen Beitrag von bis zu 10 Mio Fr. und verdoppelt nun sowohl die Zahl der Plätze für IT-Lehrlinge als auch für Hochschulabsolventen auf 100.

Die Finanzdienstleister sind in der Schweiz die grössten IT-Arbeitgeber und ihre internen IT-Organisationen sind teilweise grösser als die der grossen IT-Unternehmen. Die Zürcher Kantonalbank ZKB oder AXA Winterthur bilden deshalb ständig ihre IT-Fachleute intern und extern weiter. Ausgangspunkt beispielsweise bei AXA Winterthur ist das Skills-Management, woraus Lücken abgeleitet werden, die dann wiederum durch geeignete Weiterbildung geschlossen werden. Die ZKB bietet ihren Angestellten 170 Bausteine für die interne Weiterbildung an und finanziert gemäss Mediensprecher Diego Wyder laufbahnbezogene Aus- und Weiterbildungen zu 100%.

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«Wir haben in der gesamten IT einen sehr hohen Bedarf an Spezialisten sowie Generalisten» sagt Matthias Friedli, Mediensprecher der CS. Neben Lehrgängen und Kursen externer Ausbildungsinstitute oder Trainingsinitiativen interner Fachbereiche bzw. Experten gibt es auch die firmeneigene Business School mit Weiterbildungsangeboten zu bereichsübergreifenden Themen wie Management und Leadership, Projektmanagement oder Banking.

Jedermann muss IT-Experte sein

«Es gibt zwei Wege für die Informatik-Aus- und Weiterbildung», sagt Andreas Knöpfli, Präsident des Branchenverbandes Swico, in dem die grossen IT-Anbieter zusammengeschlossen sind, «einerseits den Weg über die Hochschulen, andererseits die IT-Lehrlinge und Quereinsteiger, die sich über die Fachhochschulen weiterbilden oder bei anderen Instituten Diplome erwerben.» Aus Verbandssicht werden beide Wege benötigt. «Es braucht Fähigkeiten auf unterschiedlichen Ebenen sowie die ganzen angewandten Bereiche», ergänzt Knöpfli. Swico engagiere sich aber auch stark in der beruflichen Weiterbildung, beispielsweise für das Schweizerische Informatik-Zertifikat (SIZ).

Knöpfli hält fest, in der heutigen Zeit sei es sehr wichtig, dass jeder Arbeitnehmer in unserer computerisierten Umwelt auch als Anwender, Supporter oder sogar IT-Professional bestehen kann. Es gibt Unternehmen, die beispielsweise hier gezielt Weiterbildungsprogramme anbieten für Fachleute, die bereits eine andere Programmiersprache kennen.

 

 

NACHGEFRAGT


«Beim Angebot selbst hat es keine Lücken»

Alfred Breu ist Präsident der Zürcher Lehrmeister- vereinigung Informatik.

Wie gross sind die Lücken bei der IT-Weiterbildung in der Schweiz?

Alfred Breu: Bei der Bildung selbst hat es aus heutiger Erkenntnis keine Lücken - das Angebot der Höheren Berufsbildung, der Fachhochschulen und der Produktschulung ist gross. Zurzeit wird daran gearbeitet, die Lehrgänge der Höheren Berufsbildung auf ein höheres Niveau zu bringen. Eine Marktumfrage von ICT Switzerland wird zudem bis im Sommer darüber mehr erkennen lassen.

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In welchen Bereichen ist der Weiterbildungsbedarf am grössten?

Breu: Am Ausbildungsangebot liegt es nicht, doch an der Menge der Leute, die Lehrgänge absolvieren. Im Gegensatz zu anderen anspruchsvollen Berufen - 30% aller Grundbildungsabsolven-ten haben einen Abschluss der Höheren Berufsbildung - hinkt die Informatik deutlich hintennach. Entsprechend fehlen die hochqualifizierten Leute, man muss sie aus dem Ausland rekrutieren, jährlich kommen bis zu 6000 solche Leute in die Schweiz. Was denn auch schon die SVP auf den Plan gerufen hat ...

Wer soll sich idealerweise um die IT-Weiterbildung kümmern?

Breu: Um die Lehrgänge kümmern sich die Anbieter zusammen mit den Verbänden. Das funktioniert gut. Anders sieht es bei den Teilnehmenden aus, man schickt sie nicht und sie werden nicht von selber aktiv. Die Erhaltung der Marktfähigkeit und der Kompetenzenerwerb für eine gute Karriere sind Sache des Einzelnen. Eine Unterstützung der Betriebe wäre natürlich auch in deren eigenem Interesse.

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Weiterbildungen kosten Zeit und Geld. Gibt es auf Makro- oder Mikroebene Kosten-Nutzen-Analysen? Wenn ja: Wie sieht das aus?

Breu: Es gibt verschiedene Studien des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie sowie des Bundesamts für Statistik über die Höhere Berufsbildung. Sie belegen durchwegs, dass sich die Weiterbildung in der Komplexität der möglichen Arbeiten oder im Salär deutlich auszahlt.