Scheuen Sie die Konkurrenz?

Bernard Kobler: Nein, in keiner Art und Weise.

Warum kämpfen Sie und andere Vertreter von Kantonalbanken dann so vehement gegen eine Postbank?

Kobler: Die Postbank ist ein Spezialfall. Grundsätzlich sollte der Staat nur eingreifen, wenn der Markt nicht funktioniert. Auf dem Finanzplatz Schweiz haben wir einen intakten Wettbewerb und die Versorgung ist gut. Dazu gilt es, die regionalen Aspekte zu berücksichtigen. Bei der Postbank würde es sich um ein zentral geführtes Geldinstitut handeln, mit Aktivitäten im Retailgeschäft und bei den kleinen und mittleren Unternehmen. Die Beratungshauptsitze wären in grösseren Zentren, und damit würden gewisse Verlagerungen weg von den ländlichen Regionen stattfinden. Damit besteht die Gefahr, dass sich auch die regionalen Banken auf grössere Zentren konzentrieren, um damit Kosten einzusparen.

Müsste die Luzerner Kantonalbank das Filialnetz straffen und Arbeitsplätze abbauen, wenn die Postbank kommt?

Kobler: Das möchte ich so nicht voraussagen, aber es besteht die Gefahr.

Was spricht gegen eine Banklizenz für die heute bereits bestehende PostFinance?

Kobler: Der Bund muss sich fragen, ob eine solche Bank nötig ist. Er übernimmt auch zusätzliche Risiken. Das gilt vor allem für das Kreditgeschäft. Die Postbank müsste als rechtlich und wirtschaftlich privatisiertes Institut voll dem Wettbewerb ausgesetzt sein und dürfte keine Privilegien haben.

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Auch die Kantonalbanken verfügen über eine Staatsgarantie, also können Sie der Postbank diese Sonderstellung nicht zum Vorwurf machen.

Kobler: Ja, nur ist es nicht zwingend, dass eine weitere Bank diese Garantie erhält. Es gibt dafür keinen Bedarf.

Aus Sicht der Kunden wird mehr Wettbewerb begrüsst. Die Postbank könnte dank ihrer Grösse mit niedrigeren Zinsen den Preiskampf im Bankgewerbe beleben.

Kobler: Selbstverständlich verstärkt jeder weitere Mitbewerber die Konkurrenz. Beim Spar- und Hypothekargeschäft herrscht jedoch schon heute ein intensiver Wettbewerb.

Es gilt als ungeschriebenes Gesetz, dass die Kantonalbanken nur innerhalb der kantonalen Grenzen agieren. Damit sind die Wachstumschancen limitiert. Würden sich nicht regionale Fusionen aufdrängen, wie etwa ein Verbund für die Zentralschweiz, angeführt von der Luzerner Kantonalbank?

Kobler: Die Struktur der Kantonalbanken ist ein Abbild der föderalistischen Schweiz, was von unseren Kunden nach wie vor sehr geschätzt wird. Das wird immer wieder diskutiert. Ich erwarte in den nächsten Jahren keine Fusionen im grösseren Stil. Natürlich hat die Kleinheit auch Nachteile, die jedoch mit Kooperationen zu kompensieren sind.

Weshalb wird nicht mehr zusammengearbeitet?

Kobler: Da gibt es verschiedene Beweggründe, allen voran der Drang nach Eigenständigkeit. Zudem ist der wirtschaftliche Druck nicht derart gross, dass einzelne Kantonalbanken zu einer weitergehenden Zusammenarbeit gezwungen sind.

Auf der Kostenseite würden sich mit der grösseren kritischen Masse aber Vorteile ergeben.

Kobler: Ja, das ist unbestritten. In wirtschaftlich härteren Zeiten werden solche Formen der Kooperation auch wieder stärker in den Vordergrund treten. Allerdings: Auch kleine Kantonalbanken arbeiten effizient.

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Eine von ZKB und BCV angestrebte gemeinsame Informatik-Plattform ist gescheitert. Weshalb tun sich die Kantonalbanken in diesem Bereich derart schwer?

Kobler: Grundsätzlich gilt: Je grösser eine Bank, umso komplexer die IT-Lösung. Umso schwieriger und kostspieliger sind Anpassungen im grossen Stil, wie das die ZKB und die BCV angestrebt haben. Der aktuelle Entscheid dieser Banken darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass bei der Informatiklandschaft der Kantonalbanken sehr viel in Bewegung gekommen ist. Es zeichnen sich derzeit insbesondere zwei neue IT-Communities ab. Die eine ist die Finnova-Plattform mit den kleineren Kantonalbanken. Die zweite ist die Gruppierung um Avaloq mit den mittleren und grösseren Kantonalbanken, die über ein ausgebautes Vermögensverwaltungsgeschäft verfügen. In einem zweiten Schritt ist nebst der Informatikplattform auch die gemeinsame Verarbeitung zu prüfen.

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Dann geschieht der Schulterschluss nicht nach geografischen Kriterien, sondern aufgrund der technologischen Neuerungen?

Kobler: Ja, das wird auch an den bisherigen Kooperationen sichtbar. Es spannen vor allem diejenigen Kantonalbanken zusammen, die über ein ähnliches Geschäftsmodell verfügen.

Wie lange dauert es, bis sich diese neuen Clusters gebildet haben?

Kobler: Innerhalb von fünf bis zehn Jahren ist diese Entwicklung vollzogen.

Die Luzerner Kantonalbank richtet sich auf eine Expansion in der Vermögensverwaltung ein. Reicht dafür die kleine Privatbank Adler & Co.?

Kobler: Das Private Banking wird bei uns auf Konzernstufe ausgebaut, das heisst im Stammhaus und bei der Adler Privatbank. Die Tochtergesellschaft erhält im Auftritt eine möglichst grosse Eigenständigkeit, sie ist aber in die Gruppe eingebettet und kann entsprechend davon profitieren.

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Sie verfolgen keine One-Brand-Strategie?

Kobler: Nein. Natürlich ist Adler heute noch wenig bekannt. Wir wollen den Markennamen deshalb in Nischenmärkten noch stärker positionieren.

Auch im Ausland?

Kobler: Adler war ursprünglich eine reine Offshore-Bank. Neu ist nun Basel im Onshore-Bereich dazugekommen. Das wollen wir weiter ausbauen.

In welchen Regionen?

Kobler: Wir denken in erster Linie an die grösseren Zentren der deutschen Schweiz.

Die beiden Grossbanken leiden wegen der Vertrauenskrise nach dem Subprime-Debakel an massiven Kapitalabflüssen. Profitiert davon auch die Luzerner Kantonalbank?

Kobler: Uns kommt zugute, dass die Kunden nun Banken suchen, die ihnen ein gutes Sicherheitsgefühl vermitteln. Entsprechend haben wir auch positive Zahlen beim Nettoneugeldzufluss. Wir haben im 1. Halbjahr 2008 Nettoneugeld in der Höhe von 1,215 Mrd Fr. dazu gewonnen. Das ist rund dreimal so viel wie im ganzen Jahr 2007. Ingesamt sind wir aber daran interessiert, dass sich die Verhältnisse an den Finanzmärkten stabilisieren und die UBS wieder festen Boden unter die Füsse kriegt.

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Kommen die Kapitalzuflüsse speziell von den Privatkunden oder sind es auch Firmenkunden?

Kobler: In erster Linie handelt es sich um Privatkunden aus der mittleren Einkommens- und Vermögensklasse.

Welche Rolle spielt die Staatsgarantie?

Kobler: Die Staatsgarantie ist heute für unsere Kunden aktueller denn je. Die Kunden suchen Vertrauen und Sicherheit.

Viele Bankiers haben sich in der akuten Krisensituation die Frage gestellt, ob sie der UBS im Interbanking noch Kredit gegen sollen. Hat sich die Lage mittlerweile normalisiert?

Kobler: Nein. Weil niemand genau weiss, welche Bank mit wie hohen Verlusten konfrontiert ist, bleibt die Unsicherheit nach wie vor deutlich spürbar. Die Bonität der Gegenpartei wird exakt überprüft, und die Kreditvergabe erfolgt primär als gesichertes Geschäft.

Das heisst, die verlustgeplagten Banken müssen deutlich höhere Risikoprämien zahlen ? die Rede ist von über 1% anstelle der früheren 0,3%?

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Kobler: Die Risikoprämien haben sich etwa verdreifacht.

Die hohen Milliardenabschreiber bei den Grossbanken haben den Regulator auf den Plan gerufen. Mit einer Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften sollen diese Verluste künftig vermieden werden. Trifft das auch die Luzerner Kantonalbank?

Kobler: Nein, diese neuen Richtlinien sind auf die Grossbanken ausgerichtet. Wir begrüssen diese Differenzierung nach Geschäftsart, Grösse und Risikoexponierung.

Sie haben sich über die Tochtergesellschaft LUKB Wachstumskapital AG neu im Private-Equity-Geschäft engagiert. Will man damit im Firmenkundengechäft aktiver auftreten?

Kobler: Wir wollen damit die Start-ups in der ersten Wachstumsphase mit Eigenkapital unterstützen, dies als Ergänzung zu unserem normalen Bankgeschäft. Das Geschäftsmodell sieht vor, diese Minderheitsbeteiligungen nach einigen Jahren wieder zu veräussern.

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Ist das auf den Grossraum Luzern beschränkt oder weiten Sie das auf die gesamte Schweiz aus?

Kobler: Das Projekt ist schwergewichtig auf die Zentralschweiz ausgerichtet.

Gibt es andere Wachstumspläne, wie etwa das Kleinkreditgeschäft?

Kobler: Konsumkredite stehen für uns einstweilen nicht im Vordergrund. Hingegen sehen wir im Bereich der privaten Vorsorge interessante Entwicklungsmöglichkeiten. Wir haben ein spezielles Team gebildet, das sich dem Beratungsbedarf im Hinblick auf die Pensionierung annimmt.

Sind das vor allem Bankprodukte oder gehören auch Versicherungen dazu?

Kobler: In einem ersten Schritt konzentrieren wir uns auf Bankprodukte, aber wir halten uns sämtliche Optionen offen.