Hierzulande ist Weiterbildung eine Industrie aus staatlichen und privaten Unternehmen und einigen 1000 Mitarbeitern, deren Kurse nicht immer leicht auf Qualität und Nachhaltigkeit zu überprüfen sind. Nicht wenige Anbieter zielen mehr auf das schnelle Geld als auf eine echte Wirksamkeit ihrer Programme.

Dabei sollte Weiterbildung, auch für Führungskräfte, eine wichtige Komponente der Wertschöpfung sein, die sich bezahlt macht, wenn das Gelernte mehr als ein netter, kurzer Aufenthalt in einem Seminarhotel oder auf einem renommierten Campus war. Eine genaue Bedarfsanalyse muss am Anfang stehen, damit die möglichst richtige Entscheidung gefunden wird, die den Einsatz von Zeit und Geld auch rechtfertigt.

Führungskrise wird kritisiert

«In keinem anderen Beruf liegt die Ausbildung so im Argen wie im Management. Niemand würde in ein Flugzeug steigen, wenn die Piloten eine den Managern vergleichbare mangelhafte Ausbildung hätten», meint Fredmund Malik, der die von vielen Managern zu wenig beachtete drohende Weltwirtschaftskrise bereits einige Jahre vor dem Ausbruch voraussah und die Analyse dazu lange vorher mit einem Film auf seiner Homepage, «Malik Management Zentrum», dokumentierte.

Anzeige

Leadership-Experte James Mc-Gregor Burns setzt dem noch einen drauf: «Die heutige Führungskrise besteht in der Mittelmässigkeit bzw. Verantwortungslosigkeit vieler Männer und Frauen in Machtpositionen.» Das kann in der Schweiz kaum an den an einer Hand abzuzählenden Frauen liegen. Daher sollten Führungskräfte heute nicht einfach auf einen Posten gehievt werden, weil man sie kennt und sie anderswo ihre Fähigkeiten beweisen konnten.

Wer jedoch in der Hochkonjunktur wirtschaftliche Erfolge erzielte, muss das nicht konsequenterweise auch in Krisenzeiten können. Für eine zuverlässige Diagnose der Führungskompetenz haben Forschung und Praxis zahlreiche Diagnoseinstrumente entwickelt. Dazu zählen unter anderem das Assessment Center, das Management-Audit, das 360-Grad-Feedback, das Verhaltensinterview oder das Executive Coaching. Beim Blick zurück auf das Versagen von Führungskräften, vor allem im Bereich der Finanzindustrie, muss man sich aber fragen, bei welchen Managern solche Diagnosen wirklich gemacht wurden.

Auch mal Blick zurückwerfen

Führungskräfte stehen in einer Zeit des kontinuierlichen Wandels ständig neuen Herausforderungen gegenüber. Da Entscheidungen oft innerhalb kürzester Zeit und bei hohen Risiken getroffen werden, ist die Gefahr von zu raschen Massnahmen mit Blick auf den schnellen Erfolg sehr gross. Derzeit gibt es auch wenige Manager, die den Blick zurückwerfen und analysieren, welche Gründe die Welt für lange Zeit in ein solches wirtschaftliches Chaos führten. Zu schnell wurden schon bald wieder die steigenden Börsenkurse der Blue-Chip-Firmen bejubelt, denen oft ein massiver Stellenabbau voranging, und die Gefahr des «business as usual» ist allgegenwärtig.

Spezielle Kurse für die Chefs

Einige Anbieter von Führungsseminaren fokussieren jedoch gerade das Problem und weichen von der gängigen Praxis ab, Führungsstile und -techniken ins Zentrum zu stellen: Das IMD Lausanne bietet beispielsweise das Angebot «Breakthrough Program for Senior Executives», mit dem Hinweis: «Step back, reflect and recharge, so you can better meet your challenges of today and prepare your challenges of tomorrow.»

Am Weiterbildungsinstitut der Universität Zürich steht «Selbstmanagement für Führungskräfte» auf dem Programm, das eine Methode zur gezielten Entwicklung von Handlungspotenzialen anbietet mit dem Fokus auf die eigenen Ressourcen, die in schwierigen Situationen abgerufen und optimal angewendet werden könnten.

Die Universität St. Gallen hat vor einem Jahr einen Webcast zu Management Innovations produziert, das sich mit Leadership und organisationaler Energie beschäftigt. Es stellt die Frage, wie Führungskräfte die Potenziale ihrer Firmen mobilisieren und nutzen können. Führungskräfte, denen die Energie fehlt, leiden unter Change-Müdigkeit, Trägheit, Burnout, Wachstums- und Innovationsschwäche bis hin zum Zynismus.

Das Top-Executive-Seminar «Unternehmerische Gesamtführung» bei Malik Management bezieht sich ebenfalls auf die fast alles verändernde globale Krise und fordert Manager zu neuem Denken und Handeln auf - für die Navigation im 21. Jahrhundert. Wem nach dem Besuch dieser Seminare dann der Schnauf ausgegangen ist, kann sich beim SKO-LeaderCircle mit dem Titel «Atemlos - wie Sie den steigenden Zeit- und Erfolgsdruck meistern», entspannen.

 

 

NACHGEFRAGT Fredmund Malik, Inhaber Malik Management, St. Gallen


«Schwieriger Teil der Krise steht bevor»

An der Spitze vieler Betriebe sitzen noch immer die alten Führungskräfte. Auch wenn einige ausgewechselt wurden, tragen oft auch die Neuen noch immer die Erfahrung von gestern und die Kurzfristigkeit der Profitmaximierung mit sich herum. Können diese den Umbruch mit Führungsphilosophien von gestern meistern und sich auf eine neue Zeit umstellen, in der radikales Umdenken dringend gebraucht wird?

Fredmund Malik: Etwa zwei Drittel der Top-Leute sind durch die Krise nachdenklicher geworden. Diese wollen besser verstehen, was wirklich vor sich geht und welche neuen Lösungen es gibt. Der andere Drittel tut sich noch schwer damit.

Wo sehen Sie die Risiken der neuen Zeit und wo die Chancen? Mit welchen Inhalten und Erkenntnissen werden die Seminarteilnehmer konfrontiert?

Malik: Der schwierigere Teil der Krise steht noch bevor. Dafür vermitteln wir die Lösungen, vor allem durchschlagend wirksame und blitzschnelle Methoden. Dazu kommen Lagebeurteilung, die nötigen Navigationshilfen und alle erforderlichen Instrumente für das Meistern der heutigen Komplexität.

Sie haben ja schon vor Jahren auf den bevorstehenden Börsencrash mit fatalen Folgen für die Weltwirtschaft und die Bevölkerung hingewiesen - und wurden leider viel zu wenig gehört. Woran lag das nach Ihrer Meinung?

Malik: Mit den Denkweisen der herkömmlichen Ausbildung allein konnte man die fatalen Entwicklungen nicht erkennen. Wir hatten einen Vorsprung, da ich früh andere Methoden einsetzte.

Sind Sie eventuell wie viele andere Kritiker der Meinung, dass diese einseitig ausgerichteten Wirtschaftsstudien die Krise mitverantwortet haben?

Malik: Es gibt inzwischen mehr Kritiker. Späte Kritik allein genügt aber nicht, daher haben wir seit Jahren vor allem die Lösungen vorangetrieben. Diese sind jetzt das Allerwichtigste.