Marilyn Monroe schlug die Rolle der Holly Golightly aus. Sie ahnte ja nicht, dass das New Yorker Partygirl mit seinem Mix aus Eleganz, Unschuld und Verruchtheit in die Filmgeschichte eingehen würde. Diese Holly – schliesslich 1961 im Filmklassiker «Frühstück bei Tiffany» anmutig und charmant von Audrey Hepburn verkörpert – sucht das Glück vorzugsweise in Gestalt eines Millionärs. Geht es ihr schlecht, lässt sie sich vom Anblick der Diamanten bei Tiffany aufheitern. Denn der Juwelier ist das Ziel all ihrer Wünsche, für Holly Golightly das Tor zu einem Kosmos aus Luxus und Vollkommenheit.

Es begann mit einem Darlehen

Tatsächlich steht Tiffany & Co. auf der ganzen Welt für Extravaganz, Noblesse und Luxus. Dabei begann alles mit Schreibwaren, Geschenkartikeln und einem Darlehen: Um 1837 – zusammen mit einem Compagnon – ein Geschäft am New Yorker Broadway für jene noch recht profanen Produkte eröffnen zu können, musste Charles Lewis Tiffany sich erst einmal 1000 Dollar leihen.

Es war der Auftakt zu einer glanzvollen Geschichte: Heute sind Schmuck und Accessoires von Tiffany legendär. Begehrte Klassiker sind zum Beispiel die prachtvollen Diamantringe mit dem 1886 entwickelten Tiffany Setting. Die berühmte Krappen-Fassung erhebt einen Diamantsolitär – nur von Krallen gehalten – über die Ringschiene und lässt ihn damit aufs Vorteilhafteste zur Geltung kommen. Dieses Design ist heute bei Verlobungsringen, wie sie vor allem in den USA üblich sind, am begehrtesten.

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Exklusiver Gemischtwarenladen

Tiffany-Klassiker sind zudem die Atlas-Kollektion mit den römischen Ziffern als Gestaltungsmerkmal, die Tierbroschen von Jean Schlumberger, die prachtvollen Farbsteinringe von Paloma Picasso und die moderne Klassik von Elsa Peretti. Daneben zeigt sich die Weltmarke äusserst vielseitig: Tiffany offeriert Stilvolles und Verführerisches vom Parfüm über Lederbörsen und Schreibwaren bis hin zu Glas. Auch Silberwaren sind traditionell in erstaunlicher Auswahl zu haben – von der Mundharmonika über Golfballbehälter bis hin zu Babyrasseln.

Schon Charles Lewis Tiffany erwies sich als stilbewusster Mann mit Geschäftssinn und handelte mit ungewöhnlichen und publikumswirksamen Artikeln. Zum Beispiel offerierte er als Souvenir kleine Stücke des Transatlantikkabels, das ab 1858 England mit Amerika verband. Ob echtsilberne Fahrräder, zierliche Riechfläschchen, stattliche Pokale, Schwerter, chirurgisches Instrument oder Colliers für Präsidentengattinnen – kaum etwas, das es bei Tiffany nicht gab oder was man sich nicht anfertigen lassen konnte.

Zum führenden Juwelier des Landes und schliesslich sogar «King of Diamonds» avancierte Tiffany ab 1848, als man Schmuck von geflohenen französischen Adeligen weiterverkaufte. Da man in Amerika solch prächtige Juwelen noch nicht gesehen hatte, wurden die Juwelen mit grosser Begeisterung aufgenommen.

1902 nahmen die Geschicke von Tiffany eine neue Wendung. Mit Lewis Comfort Tiffany, dem Sohn des Gründers, hielt ein Künstler von Weltklasse Einzug ins Unternehmen, der durch seine Glasarbeiten berühmt wurde. Der Junior gründete eine Abteilung für Tiffany Art Jewelry und gab damit den Anstoss für ein Konzept, das Tiffany heute so aussergewöhnlich macht – die Zusammenarbeit mit kreativen Künstlerpersönlichkeiten.

Den Anfang machte der Franzose Jean Schlumberger, den das Unternehmen 1956 unter Vertrag nahm. Schlumberger bezog seine Inspiration aus der Natur und verwandelte Blumen, exotische Vögel und Wesen aus den geheimnisvollen Tiefen der Meere in einzigartige Stücke. Seepferdchen, schillernde Fische oder Paradiesvögel wurden mit kostbarsten Edelsteinen besetzt zu flirrenden, farbenprächtigen Kreationen, die ihm zahlreiche Auszeichnungen und Bewunderer in der Modewelt und in Hollywood eintrugen. Bis heute bietet Tiffany eine grosse Schlumberger-Kollektion, die sich mit diamantbesetzten Reptilien, Vögeln und Insekten am Vor- bild des grossen Meisters orientiert.

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Eine entschieden moderne Handschrift brachte die italienische Designerin Elsa Peretti ab 1974 bei Tiffany ein. Auch ihre Kunst schöpft aus der Natur. Formen wie Bohnen, Knochen, Tränen oder Herzen sind abstrahiert und voll organischer Sinnlichkeit, Gold und Silber wirken weich und anschmiegsam.

Den nächsten grossen Design-Impuls gab ab 1979 die Zusammenarbeit mit Paloma Picasso. Ihre Kennzeichen sind klare, plakative, oft grosse Formen und intensive Farbkontraste. Ihre üppigen Juwelen sprudeln vor Lebendigkeit und Fantasie. Gleichzeitig hat Paloma Picasso dieser luxuriösen Opulenz ein modernes Gesicht verliehen.

Zuletzt in den exklusiven Reigen der Tiffany-Designer aufgenommen wurde der Architekt Frank O. Gehry, bekannt vor allem durch das futuristische Guggenheim -Museum in Bilbao in Nordspanien. Seine Vorliebe für fliessende Formen und ineinandergreifende Konstruktionen zeigen sich auch in der Tiffany-Kollektion, die 2006 vorgestellt wurde.

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In Zürich mit Boutique präsent

Jeder dieser inspirierenden Designer prägte Tiffanys Erbe auf einmalige Art und Weise und trägt damit zum Erfolg des Unternehmens bei, das zu den wenigen Schmuck- und Juwelenmarken mit globaler Ausstrahlung zählt. Tiffany & Co. beschäftigt rund 8900 Mitarbeiter rund um den Globus. Vor allem in den USA und Japan betreibt das seit 1987 börsenkotierte Unternehmen 180 eigene Stores und Boutiquen, eine davon findet sich in Zürich an der Bahnhofstrasse. Zudem gibt es weltweit über 100 weitere Verkaufspunkte.

In den letzten Jahren erlebte Tiffany eine sehr gute Entwicklung. In den letzten Wochen allerdings wurde vorerst das 12-Monats-Ziel der Tiffany-Aktie nach unten korrigiert. Das Umfeld dürfte auf dem Heimmarkt USA von der Subprime-Krise 2008 nicht unbehelligt bleiben.

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