Die PostFinance hat in der Vergangenheit von der Finanzkrise profitiert: Verunsicherte Kunden von Grossbanken haben sich zu ihr geflüchtet. Doch den gegenwärtigen Turbulenzen an der Börse kann sich nun auch die Post-Tochter nicht mehr entziehen.

«Aufgrund der jüngsten Entwicklung werden wir voraussichtlich vereinzelte Wertberichtigungen auf Finanzanlagen vornehmen», sagt Mediensprecher Marc Andrey auf Anfrage. Zur Höhe der möglichen Verluste und der betroffenen Positionen werden dabei keine Angaben gemacht.

Schon das zweite Mal

Falls es so weit kommt – das Unternehmen wird im Oktober informieren –, wäre dies bereits das zweite Mal in diesem Jahr. So musste PostFinance im 1. Halbjahr 15 Mio Fr. an Wertberichtigungen auf Aktienbeständen vornehmen.

Mittlerweile fallen aber nicht nur die Aktienkurse, sondern auch jene von Unternehmensanleihen – insbesondere im von der Kreditkrise betroffenen Finanzsektor.

Das Obligationenportefeuille der PostFinance hatte per letzten August einen Marktwert von satten 43,3 Mrd Fr., weit mehr als der Aktienanteil von 250 Mio Fr. Davon entfällt mehr als ein Viertel auf Werte aus der Finanzbranche: 19% ist in Bankpapieren investiert, 5% in Finanzanleihen aller Art und 3% in Versicherungs-Bonds. Gerade bei Versicherungswerten wie AIG ist es im Verlaufe der letzten Tage zu drastischen Kursverlusten gekommen.

Trotzdem zeigt sich PostFinance von der eingeschlagenen Strategie überzeugt: «Unsere konservative Anlagestrategie erweist sich gerade im heutigen Umfeld als solide», sagt Andrey. Handlungsbedarf zu grösseren Umschichtungen sehe man derzeit nicht. Immerhin stellt das Unternehmen im 3. Quartal einen «soliden Gewinn» in Aussicht.

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Post ist auf Ertrag angewiesen

Dieser wird auch dringend benötigt, ist doch PostFinance ein wichtiges Ertragsstandbein des Staatsunternehmens Post. Zudem darf sich das Geldhaus gerade jetzt keine Blösse geben: Die PostFinance strebt eine eigene Banklizenz an, die es ihr erlaubte, ihre Ertragsbasis breiter zu gestalten. Von den Gegnern einer «Postbank» wird jedoch immer wieder der Sicherheitsaspekt einer solchen Lizenz ins Feld geführt: Käme es zu schweren Verlusten bei Finanzinvestments, genösse die PostFinance wohl weiter Staatsgarantie.

Die Turbulenzen liefern aber auch PostFinance Argumente: Weil sie nicht selber Hypotheken anbieten kann, muss sie Kundengelder schwergewichtig am Finanzmarkt reinvestieren. Ein Klumpenrisiko, in Zeiten wie diesen.