Für das Jahr 2012 plant die EU-Kommission einen neuen, besonders strengen CO2-Grenzwert für Personenwagen. Ab diesem Zeitpunkt darf der CO2-Ausstoss – der für die Klimaerwärmung mit verantwortlich gemacht wird – für die gesamte Flotte einer Marke (Durchschnittswert) 120 g pro km nicht mehr übersteigen. Andernfalls drohen hohe Geldstrafen, die – pro Fahrzeug – auf die Preise geschlagen und diese damit massiv verteuern würden. Modelle wie beispielsweise der Porsche Cayenne, die gesamte Mercedes-S-Klasse, der Audi A8 oder auch ein BMW der 7er-Reihe könnten bis zu 30% teurer werden. Deshalb fühlen sich in erster Linie die deutschen Premiumhersteller von der Politik «an die Wand gefahren», denn Mercedes und Co. sind, nicht zuletzt wegen ihrer Luxuslimousinen und Sportwagen, noch sehr weit vom angestrebten Grenzwert entfernt. Dieser liegt in Deutschland heute nach wie vor bei rund 150 g/km, berechnet auf den Durchschnittsverbrauch aller Marken.

Jedes Gramm ist entscheidend

Die französischen und italienischen Autokonzerne stehen etwas besser da, ebenso die Japaner und Koreaner. Doch auch sie haben noch viel Arbeit vor sich, wenn sie die EU-Norm in vier Jahren vollumfänglich erfüllen wollen. Deshalb ist es durchaus denkbar, dass es 2012 auf jedes einzelne Gramm CO2 ankommt.

Zum Einsparen selbst winziger Mengen können in Zukunft besonders rollwiderstandsoptimierte Reifen beitragen. Der französische Pneuhersteller Michelin befasst sich seit 1992 mit dieser Problemstellung. Allerdings hatten die Ingenieure damals lediglich die Verbrauchsreduzierung im Auge, weil CO2 noch nicht im Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung um die Klimaerwärmung stand.

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Jetzt lanciert Michelin die vierte Generation seines Energiesparreifens Energy Saver, der sich, dank der speziellen Anordnung des Laufflächenprofils, durch besonders geringen Rollwiderstand auszeichnet.

Ein halber Liter Sprit liegt drin

Mit dem Michelin-Pneu können nach den Worten von Pascal Roche, Leiter Marketing in den Ländern Schweiz, Deutschland und Österreich, bis zu 0,5 l Treibstoff pro 100 km gespart werden, was gleichbedeutend sei mit bis zu 6 g weniger CO2 je km. Roche weist aber auch darauf hin, dass das neueste Michelin-Produkt nur als Sommerreifen erhältlich ist. Denn je kühler die Oberflächentemperatur eines Pneus, desto geringer auch der Rollwiderstand. Das wäre zwar ideal für den Winter, wenn nicht ein Zielkonflikt auftreten würde: Ein kühler oder kalter Reifen weist zwar einen geringen Rollwiderstand auf, anderseits bietet er in Kurven weniger Haftung, ist also ein Sicherheitsrisiko.

Pneu heizt sich in der Kurve auf

Michelin hat es beim Energy Saver fertig gebracht, dass sich die Gummimischung der Lauffläche in Kurven in Sekundenbruchteilen aufheizt, sodass der Reifen die nötige Haftung garantiert. Dieser Effekt ist dank einer besonderen Laufflächenmischung möglich geworden, die sich Michelin hat patentieren lassen. Allerdings ist derselbe Effekt bisher für Winterreifen, aufgrund einer anderen Gummimischung, (noch) nicht zu erreichen.

Pascal Roche gibt zu, dass auf dem Gebiet des Rollwiderstandes noch viel Entwicklungsarbeit geleistet werden müsse. Gegenwärtig hat Michelin nach Ansicht von Experten rund zwei Jahre Vorsprung in der Entwicklung energiesparender Reifen. Werden weitere Forschritte erzielt, könnten diese Pneus zum Rettungsanker besonders für die deutsche Autoindustrie werden.

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