Der Pionier der modernen Managementlehre, Peter F. Drucker (1909 bis 2005), äusserte sich prägnant zum Verhältnis der Führung in gewinnorientierten Unternehmen und jener in Staatsbetrieben. Er kannte die Gemeinsamkeiten und Unterschiede, denn er hatte Rechtswissenschaften studiert und war ursprünglich Professor für Philosophie und Politik in den USA.

Drucker sagte: «Das bestgehütete Geheimnis im Management ist die Tatsache, dass es die erste systematische Anwendung von Theorien und Prinzipien des Managements nicht in einem Geschäftsunternehmen gab, sondern im öffentlichen Sektor.» Er dachte in diesem Zusammenhang an die Reorganisation der US-Army während der Präsidentschaft von Theodore Roosevelt (1858 bis 1919).

Vor über 100 Jahren entstanden

Die Führung öffentlicher Institutionen ist seit jeher mit der Frage nach optimaler Steuerung verbunden. Entsprechend existiert heute ein vielfältiges Weiterbildungsangebot für Public Manager. Während im angelsächsischen Raum die Entstehung von Master of Business Administration (MBA) und Master of Public Administration (MPA) eng miteinander verbunden war, sind die MPA bei uns eher neu und weniger bekannt.

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Historisch betrachtet sind sowohl MPA-Angebote als auch MBA-Angebote zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA entstanden, wobei je nach Programm eher die Business Administration oder die Public Administration Ursprung war. Primär Schweizer Fachhochschulen bieten zudem seit Kurzem MBA-Weiterbildungen mit der Ausrichtung in Public Management an (siehe Tabelle).

Vertreter der generischen Managementschulen pflegen die Ansicht, dass die Kernbestandteile des Managements in allen Organisationen gleich sind. Repräsentanten der Public Administration hingegen betonen die Einbettung der staatlichen Verwaltung in ihren politisch-administrativen Kontext, der eine andere Ausbildung, etwa in strategischer Planung oder Finanzmanagement, voraussetzt. Extrempositionen der einen oder anderen Richtung zeugen letztlich von mangelnder Kenntnis der anderen Seite und haben heute einer Mitte-Position Platz gemacht.

Diese erkennt zwar die nötige Integration von privatwirtschaftlichem Managementwissen in öffentlichen Institutionen, gleichzeitig aber die klaren Grenzen der vielfach unbedachten Übernahme generischer Managementansätze in den öffentlichen Sektor. Public Manager haben weniger Spielraum bei der Steuerung ihrer Organisationen als ihre Kollegen im privaten Sektor und sehen sich grundlegend anderen Strukturen und Prozessen ausgesetzt.

Was macht diese Angebote aus?

Veranschaulicht wird das durch die Antwort einer Person im obersten Kader eines Schweizer Kantons auf die Frage, was denn die besten Angestellten in öffentlichen Verwaltungen kennzeichne: «Unsere Top-Mitarbeitenden zeichnen sich durch das feine Gespür betreffend politischer Verfahren und Entscheide aus. Sie sind fähig, frühzeitig zu erfassen, was die vorgesetzten Stellen - also Exekutive und Parlament - wollen.»

Die wesentlichen Merkmale von MPA-Programmen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

MPA-Kurse richten sich an (angehende) Führungskräfte von staatlichen Verwaltungen, Non-Profit-und internationalen Organisationen oder auch an Leute aus Beratungsunternehmen bzw. Public-Affairs-Abteilungen der Privatwirtschaft, die an der Schnittstelle zu Politik und Verwaltung stehen.

MPA-Angebote gehen vertieft auf organisationsspezifische Merkmale staatlicher Verwaltungen ein und vermitteln Fähigkeiten, um Programme, etwa im Gesundheits-, Bildungs- oder Sozialwesen, in Sicherheit und Volkswirtschaft, umzusetzen. MPA-Absolvierende sind fähig, Projekte zur Lösung gesellschaftlicher Probleme oder öffentlicher Finanzen erfolgreich und partizipativ zu managen.

MPA-Programme sind stark interdisziplinär, unter anderem unter Einbezug von politik-, rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnissen. Gute Programme zeichnen sich durch eine Integration dieser Inhalte unter Einbezug von hochqualifizierten Dozenten aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung sowie Wirtschaft aus.

MPA-Kurse integrieren die normativen Aspekte der Public Administration und die generisch-instrumentellen Inhalte des privaten Managements. Denn beide Organisationen haben Ähnlichkeiten, aber weniger in Bezug auf die für das jeweilige Management zentralen Entscheidungsprozesse und Ressourcenpolitiken. Daher ist die wachsende Zahl an MPA-Angeboten in der Schweiz positiv zu beurteilen. Im globalen Vergleich verfügt sie zwar über eine sehr gut funktionierende staatliche Verwaltung, doch optimal ausgebildete Führungskräfte sind eine Voraussetzung, dass dies auch so bleibt.