Es mag reiner Zufall sein, dass die Credit Suisse einen Tag vor der SAP-Pressekonferenz zur Integration von Sybase, der jüngsten milliardenschweren Akquisition, ihre Studie zur Software AG mit dem Titel «Das fehlende Stück?» herausbrachte. Denn nicht erst seit Frühling zählt die Software AG zu den möglichen Übernahmekandidaten durch SAP. Denn die Software AG hatte ihrerseits durch die Käufe von IDS Scheer und WebMethods seine Position im Softwareinfrastrukturgeschäft für Firmenkunden deutlich verbessert, sagen die Analysten, und diese Strategie passe laut den Analysten «gut zu SAP», finden die Analysten. Dasselbe gilt indes auch für den US-Hersteller Tibco, der auch gut zu SAP passen würde und von dem es von diversen Quellen heisst, spätestens im Herbst werde SAP zukaufen. Ein weiteres wichtiges Indiz ist die Emission von zwei Notes (obligationenähnliche  Wertpapiere) im Gesamtumfang von 1,2 Mrd. Euro und mit Laufzeiten der beiden Tranchen von 18 und 36 Monaten Anfang August.



Vorläufig hat SAP indes noch die Integration von Sybase zu verdauen. Dazu gab es an einer aus Boston übertragenen Pressekonferenz die ersten Neuigkeiten von SAP-Co-Chef Bill McDermott. Er bezeichnete Sybase als «gesundes Unternehmen» mit «gesunder Bilanz» und «solidem Wachstum». Das Produkteportfolio solle weiter geführt werden, Sybase sei schliesslich der «Leader in Financial Services», in Japan und in China. «Sie verstanden die Idee des In-Memory-Speichers» sagte McDermott weiter – und das war ein Seitenhieb gegenüber Oracle, dem weltweit grössten Datenbankhersteller, auf dem (auch) die meisten SAP-Applikationen «sitzen», sondern auch ein Hinweis darauf, dass man sich mittelfristig in Richtung Softwarearchitekturen entwickelt, die ohne diese Datenbanken auskommen sollen.



«Wenn wir mit CEOs sprechen, sehen wir uns mit unseren Visionen bestätigt – und das ist, was wir mit den mobilen Applikationen, die von Sybase kommen, erreichen, denn wir sind jetzt die einzige Firma weltweit, die Firmenapplikationen weltweit auf alle mobilen Geräte bringt» sagte McDemott weiter. Die Marktführer von Gartner prognostizieren für das Jahr 2014 weltweit 6,5 Mrd. mobil kommunizierende Menschen. In neun Monaten soll die mobile Plattform fertig sein mit den Elementen Business Suite, Mobile Suite und Informationsmanagement.



Gerade bei Business Intelligence/Analytics, der Auswertung von Unternehmensdaten durch spezielle Software, wie sie von SAP nach der Übernahme von Business Objects, IBM nach dem Kauf von Cognos und Oracle nach der Übernahme von Hypersion angeboten werden, soll der Kauf von Sybase für SAP-Kunden Sinn machen. Man verspricht jetzt  einen «kompletten Stack von Business Analytics» verspricht Co-Chef Jim Hageman Snabe in einer von Frankfurt aus geführten Parallelpresseveranstaltung. «Wir sind heute bereit, grössere Schritte in unterschiedliche Richtungen zu verkünden» gab sich Hagemann zuversichtlich. «Wir glauben nicht an isolierte Software-Stacks» sagte Hageman auf die Frage eines Analysten weiter, «denn mit Business Analytics soll man Zugang auf alle Daten haben, egal woher sie kommen.»



Bei Investoren kamen die Neuigkeiten jedenfalls gut an – in einem zur Schwäche tendierenden Gesamtmarkt hielt sich die SAP-Aktie stabil. Für SAP fällt das extrem wichtige vierte Quartal, in dem ein Drittel des Umsatzes eingespielt wird, in eine Phase globaler Wirtschaftsabkühlung. In solchen Phasen pflegen Firmen ihre Investitionen herunter zu fahren – und das spürte auch SAP in den letzten drei Jahren.

Allerdings weisen etliche Analysten auf den Nachholbedarf in vielen Bereichen der Firmen-IT hin. Gekauft wird vieles, was rasch nennenswerte Kosteneinsparungen bringt – und dazu zählen auch mobile Lösungen, welche die Produktivität von Firmen steigern können. «Wir gehen davon aus, dass SAP von den in Gang kommenden Firmeninvestitionen im ERP-Bereich profitieren wird» kommentieren die Analysten von Wells Fargo. Die Aktie reflektiere aber bereits einen guten Teil der positiven Perspektiven und dürfte sich laut den Analysten als «market performer» im gleichen Tempo wie der Gesamtmarkt entwickeln.


 

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