Seit dem Frühling hat der Dollar Boden gutgemacht. Die US-Leitwährung kletterte von 97 Rp. bis auf 1.04 Fr. Gegenüber dem Euro konnte sich der Greenback von 1.604 auf 1.57 Dollar pro Euro erholen. Jetzt hat der Aufwärtstrend aber die Spitze eingebüsst: Sorgen um den Häusermarkt in den USA haben den Kurs auf 1.03 Fr. gedrückt. Und der Abwärtsdruck könnte anhalten.

Noch wenig Dollar-Investoren

Dieser Meinung ist Antje Praefcke, Devisenstrategin bei der Commerzbank. «Wir rechnen damit, dass der Dollar gegenüber dem Euro kurzfristig auf bis zu 1.61 fällt.» Die schwache Reaktion des Dollar auf die enttäuschenden Zahlen für den deutschen Ifo-Index illustriere, dass weiterhin wenig Leute bereit seien, massiv in den Dollar zu investieren, begründet Praefcke ihre Sicht.

«Zudem dürften die nächsten Arbeitsmarktdaten in den USA zeigen, dass der Höhepunkt der Arbeitslosenraten noch nicht überschritten worden ist.» Wenn also der Dollar momentan etwas fester wird, dann ist das aus ihrer Sicht als kurzfristiges Aufbäumen zu sehen. «Gegen Ende des Jahres rechnen wir mit einem Wechselkurs um 1.56 bis 1.58», prognostiziert Praefcke.

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Fed am 5. August im Dilemma

Die Entwicklung des US- Arbeitsmarktes wird für die Entwicklung des Dollar in den kommenden Wochen eine der Schlüsselgrössen sein. Im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank (EZB), aber auch zur Schweizerischen Nationalbank (SNB), hat die US-Zentralbank (Fed) auch das Mandat, die Beschäftigung zu sichern.

Steigt also die Arbeitslosigkeit in den USA weiter, dann wird es für die Fed schwieriger, Zinserhöhungen durchzusetzen. Bei der Commerzbank geht man davon aus, dass die US-Konjunktur schwach bleibt: «Die Wirtschaft der USA dürfte im 3. Quartal schrumpfen und somit im gesamten 2. Halbjahr stagnieren», sagt Praefcke. Sie rechnet erst für 2009 damit, dass sich die Waage zusehends zugunsten des Dollar neigt. «Es wird sich dann zeigen, dass die Fed mit ihrem letzten Zinssenkungszyklus von 5,25% im September 2007 auf 2% im April 2008 das Richtige getan hat: Nämlich der US-Wirtschaft einen Wachstumsimpuls zu geben.» Am 5. August wird die Fed in ihrem Zinsentscheid erneut zwischen Wachstum und Inflation wählen müssen.

Dagegen werde sich in der Eurozone die Konjunktur abkühlen, und in der Folge werde die EZB 2009 die Leitzinsen senken, während die Fed ab nächsten April eher anheben werde, sagt Praefcke.

Mit der sich wieder zugunsten des Dollar verschiebenden Zinsdifferenz wird dieser relativ zum Euro wieder attraktiver. «Wer also einen längerfristigen Ausblick bis Mitte 2009 hat, kann bei Kursen um 1.60 Dollar je Euro durchaus ein Dollarengagement in Erwägung ziehen», rät Praefcke.

Im selben Schlamassel wie USA

Dollaranlagen bleiben jedoch eine heikle Sache, denn es ist mit einem ruppigen Auf und Ab zu rechnen. Einiges spricht dafür, dass es zuerst zu einem erneuten Schwächeanfall des Greenback kommt. Kurse von 1.65 bis 1.70 Dollar/Fr. respektive 90 bis 95 Rp. pro Dollar sind dann durchaus möglich. Erst danach wird wohl eine kräftige Gegenbewegung einsetzen. Um dem Dollar also zu starken Gewinnen zu verhelfen, muss eine Neubeurteilung der europäischen Volkswirtschaften relativ zu jener der USA erfolgen. Dabei wird es wohl kaum so sein, dass die Probleme des US-Finanzsystems gelöst sind.

Vielmehr ist anzunehmen, dass die Wirtschaft der Eurozone, aber auch die der Schweiz, in denselben Schlamassel gerät, in dem sich die USA heute befinden. Die Anzeichen für eine Rezession in Europa sind mittlerweile nur noch schwer zu übersehen. Und je näher diese rückt, umso schwerer wiegt der hohe Euro- respektive Frankenwechselkurs. In dieser Hinsicht ist die unlängst erfolgte Gewinnwarnung von Daimler ein erstes Warnzeichen.