Wer täglich auf unseren Strassen unterwegs ist, macht die gleiche oder ähnliche Erfahrungen: Alle halten sich an die Vorschriften, an Stoppsignale, Ampeln oder Fahrverbote - mit Ausnahme der Velofahrer. Sie, die hinter den Fussgängern zweitschwächsten Verkehrsteilnehmer, nehmen sich zunehmend das Recht heraus, Vorschriften zu ignorieren. Lächelnd zumeist ...

Was aber macht der Gesetzgeber, dem es ein Anliegen sein müsste, allen Verkehrsteilnehmern mit gleicher Strenge, aber auch Fairness zu begegnen? Er zeigt, nicht erst seit gestern, vor allem den Motorradfahrern den Mahnfinger. «Via Sicura», das bundesrätliche Massnahmenpaket zur Verkehrssicherheit, macht deutlich, in welche Stossrichtung Berns Vorstellungen der zukünftigen Mobilität in unserem Land zielen. Den Bikern soll - zugespitzt formuliert - der Spass am Motorrad vergällt werden. Zugegeben: In den nächsten Wochen werden sich, kaum sind die ersten lauen Frühlingslüftchen zu spüren, die schweren Motorradunfälle wieder häufen, genauso wie leider jeweils ab Dezember auch die Lawinen- und im Sommer die Badeunfälle. Werden deswegen behördliche Auflagen für Skitourenfahrer oder für Schwimmer verschärft?

Den Bikern als Konsequenz der Verkehrsunfälle unbesehen den schwarzen Peter anzuhängen, ist ungerecht. Vielmehr stellt sich die Frage, wieso - wie auch die IG Motorrad kritisiert - die Tatsache durch die behördlichen Entscheidungsträger nicht anerkannt wird, dass Motorradfahrer mehrheitlich Opfer und nicht Verursacher von Verkehrsunfällen sind. Den Motorradfahrern ist gedient, wenn in der Verkehrssicherheits-Diskussion endlich die Wahrheit, gestützt auf wissenschaftlich untermauerte Studien, Einzug hält. Vorurteile haben hier nichts zu suchen.

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Statt die Biker an den Pranger zu stellen und mit neuen Einschränkungen zu drohen, muss weiterhin an ihre Eigenverantwortlichkeit appelliert werden. Die Mehrheit der motorisierten Zweiradfahrer weiss mit dieser umzugehen. Die schwarzen Schafe, die sich ebenso um Gesetze wie ungeschriebene Regeln des Zusammenlebens foutieren, werden zumeist durch ihre eigenen Leute zurechtgewiesen. Weil Solidarität unter den Motorradfahrern grossgeschrieben wird und ein Teil ihrer Denkart ist.

Statt mit Einschränkungen zu drohen, muss der Gesetzgeber dafür sorgen, dass Anliegen der Töff-Community wie Unterfahrschutz für Leitplanken, Verzicht auf scharfkantige Ausschmückungen in Verkehrskreiseln und bessere Ausbesserungen von Strassenschäden endlich mehr als nur zur Kenntnis genommen werden.