US-Aktien? Nein danke. Nachdem der S&P 500 von Oktober 2007 bis März 2008 rund 15% verloren hat, herrscht Skepsis gegenüber einem Engagement in den USA. Die US-Finanzkrise hat in den vergangenen Monaten die Schlagzeilen dominiert. Der IWF sprach kürzlich von möglichen Verlusten für die Finanzbranche von über 900 Mrd Dollar. Kein Wunder, haben sich die Anleger in Scharen von der Börse verabschiedet. Der Finanzsektor repräsentiert aber nur einen kleinen Teil der amerikanischen Wirtschaft. Es lohnt sich deshalb, jetzt gezielt auf die Suche nach unterbewerteten Aktien zu gehen.

Aber zuerst zu den schlechten Nachrichten. Die Finanzkrise wird uns auch die nächsten Monate weiter beschäftigen. Sie ist verantwortlich für die hohe Unsicherheit am Markt, da niemand genau abschätzen kann, welche Kredite bei welchen Instituten noch gefährdet sind. Unsicherheit führt zu Vertrauensverlust, da kaum jemand längerfristige Positionen eingehen will, und zu hoher kurzfristiger Volatilität. Die Reaktion der Fed mit massiven Zinssenkungen und der Rettung von Bear Stearns wirft die Frage auf, welche Massnahmen die Notenbank noch ergreifen wird. Auf jeden Fall hat sie ein hohes Inflationspotenzial geschaffen. Bei einem Engagement im Finanzsektor bleibt grosse Vorsicht geboten. Ausnahmen sind Vermögensverwalter wie zum Beispiel T. Rowe Price.

Auswirkungen auf den Konsum

Gegenwärtig werden vor allem die möglichen Auswirkungen der Kreditkrise auf die Konsumnachfrage kritisch beäugt. Der Konsum ist die treibende Kraft des US-Wachstums. Er wurde in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch billige Hypotheken angetrieben. Hausbesitzer hatten sich bei stetig steigenden Hauspreisen laufend höher verschuldet, um den Zusatzkonsum zu finanzieren. Wenn keine nachrangigen Hypotheken mehr vergeben werden, fehlt das Geld für den Kauf von Autos oder Haushaltgeräten. Dieser Ausfall ist aber berechenbar und auch in den 90er Jahren schon da gewesen. Viel entscheidender ist die Arbeitslosigkeit. Im März stieg die Zahl der neu gemeldeten Arbeitslosen auf 80000. Die Arbeitslosenquote ist mit 5,1% noch relativ stabil. Erst wenn die Quote auf 6% steigt, könnte das den Konsum dauerhaft bremsen.

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Bedenken über die Nachhaltigkeit des Konsums haben die Konsumbranche über Gebühr belastet. Der Nahrungsmittelsektor, der aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise gelitten hat, rückt wieder in den Vordergrund. Coca-Cola, Kraft oder Kellogg profitieren vom hohen Umsatzanteil im Ausland und den Wachstumsmöglichkeiten in den Schwellenländern. Im zyklischen Konsumbereich sind Einzelhandelswerte wie JC Penny oder Lowes interessant. Im Technologiesektor ist Hewlett Packard einer der Favoriten. HP verzeichnete auch 2008 steigende Gewinne und profitiert von der starken Stellung bei Laptops und Druckern. Über zwei Drittel der Erträge stammen von ausserhalb der USA.

Zwei wichtige Themen für Anleger in den USA sind der Aufstieg Chinas und die Bedeutung des Rohstoffsektors. Die Euphorie über die zukünftige Stellung Chinas scheint allerdings etwas übertrieben. Es herrscht ein autoritäres Regime, die Mehrheit der Bevölkerung lebt noch immer in Armut, die Qualifikation der Arbeitskräfte ist niedrig und die Alterspyramide ist aufgrund der Einkind-Politik ungünstig. Im Gegensatz dazu steuern die USA den Arbeitskräftepool über die Zuwanderung, und die Innovationskraft ist unvermindert hoch. Entsprechend halten viele US-Unternehmen weltweit noch immer eine klare Führungsposition. Sei es Microsoft im Software-Sektor, Caterpillar bei Baumaschinen oder John Deere bei Landmaschinen.

Der Rohstoffboom hängt stark mit der Nachfrage aus China zusammen. Hier hat der Ausbau der Infrastruktur in den vergangenen Jahren einen Grossteil der weltweiten Produktionszunahme bei Metallen ausgemacht. Ein interessanter Titel ist zum Beispiel Alcoa, der weltweit führende Aluminiumkonzern. Weltweit dürfte die Nachfrage nach Aluminium weiter ansteigen. Aluminium gehörte in den vergangenen Jahren zu einem der wenigen Metalle, die auch von China exportiert werden. China steigerte die Aluminium-Produktion 2007 um 34%. Aufgrund der hohen Energiepreise wird sich das Land aber zunehmend auf Sektoren konzentrieren, in denen mehr Wert mit weniger Energie geschaffen werden kann.

Value-Aktien vernachlässigt

Anleger sollten den Fokus insgesamt auf Value-Aktien legen. Langfristig schneiden diese gegenüber Growth-Werten pro Jahr im Durchschnitt rund 1,5% besser ab. In den vergangenen Monaten wurden Value-Titel stark vernachlässigt. Gemessen am MSCI-Index lag die Performance von Value-Titeln in den ersten Monaten per Ende März 2008 rund 10% unter derjenigen von Growth-Aktien. Value-Aktien haben deshalb Aufholpotenzial. Gerade die soliden Werte werden verkannt und ihre mittelfristige Ertragskraft spiegelt sich nicht in den gegenwärtigen Kursen wider. Anleger fokussieren viel zu stark auf die kurzfristigen Erträge. Aufgrund enttäuschender Quartalsergebnisse werden auch Aktien von gut aufgestellten Unternehmen verkauft. Dies eröffnet Kaufgelegenheiten. Zudem fixieren sich jetzt alle auf die Frage, ob und wie lange sich die US-Wirtschaft in einer Rezession befindet. Richtet man den Blick aber auf den nächsten Aufschwung und hält Aktien für die nächsten zwei bis drei Jahre, sollten sich heutige Käufe mehr als auszahlen. Insbesondere wenn Anleger Unternehmen auswählten, die einen hohen Anteil der Erträge ausserhalb der USA erwirtschaften.

Geduld brauchen Schweizer Anleger auf der Währungsseite.Die Zinssenkungen in den USA haben den Dollar gegenüber dem Franken auf Tauchstation geschickt. Vorübergehend, denn längerfristig hat der Dollar nun wieder deutliches Aufwärtspotenzial.