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Auf der Suche nach neuen Besen

Das Marktvolumen in der professionellen Reinigung wird in der Schweiz auf 1 bis 1,5 Milliarden Franken geschätzt. Die Branche selbst ist klein, dafür aber hoch spezialisiert.

Von Flavio Sanader
am 04.12.2002

Neue Herausforderungen stellen sich im Bereich des Facility Managements. Der Trend deutet zudem in Richtung Gesamtdienstleister.

Gefragt sind heute zunehmend komplette Reinigungssysteme, die hier zu Lande bisher noch nicht das gewünschte Niveau erreichen.

Doch was soll unter dem Begriff «Reinigungssystem» verstanden werden? Das Gebiet umfasst die unterschiedlichsten Maschinengruppen und Systeme in der gewerblichen Boden- und Hochdruckreinigung. Reinigungssysteme haben ein breites Anwendungsspektrum:

Gebäudereinigung (Böden, Decken, Wände, Glas und Einrichtungen);

Reinigung und Pflege von Umgebungsflächen;

Reinigung von Produktionsstätten und Betrieben der Nahrungsmittelindustrie;

Reinigung von Schiffen, Flugzeugen, Fahrzeugen sowie Behältern und verfahrenstechnischen Apparaten;

Bausanierung und Entlackungs- und Entschichtungsarbeiten.

In der Reinigungstechnik unterscheidet man vier Grundverfahren: Kehren, Saugen, Scheuern und Hochdruckreinigen.

OHNE WASSER LÄUFT FAST NICHTS

Grundwerkzeuge der maschinellen Reinigung sind rotierende Bürsten und der saugende Luftstrom (Unterdruck). Eine zentrale Bedeutung besitzt Wasser, welches einerseits als Schmutzlösungsmittel und anderseits als Werkzeug eingesetzt wird. Kombinationen mehrerer Reinigungsverfahren sind möglich und beim wirtschaftlichen Einsatz von Maschinen auch notwendig. Wichtigste Bodenreinigungs-Maschinengruppen sind Kehr-, Kehrsaug-, Scheuersaug-, Einscheiben-, Entschichtungs sowie Sprühextraktionsmaschinen und Sauger.

Im Bereich der Hochdruckreinigung wird der Hochdruckwasserstrahl als Reinigungswerkzeug benutzt. Unterschieden wird bei diesem Verfahren zwischen Hochdruckreinigung (25 bis 250 bar) und Höchstdruckreinigung (250 bis zirka 2500 bar). Bei der Höchstdruckreinigung gelangen in der Regel geführte Lanzen und Düsensysteme zum Einsatz.

ANSPRÜCHE GEHEN ÜBERS putzen HINAUS

Neben den Reinigungssystemen werden immer mehr auf der Anwenderseite umfassende Dienstleistungen erwartet. Aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Reinigungssystemen erfolgt seitens der Hersteller eine qualifizierte Beratung und Betreuung. Die Forderungen und Erwartungen können im Wesentlichen folgendermassen definiert werden:

Umfassende Dienstleistungen (Gebäudemanagement);

mehr Service;

Einbezug von innovativen Technologien.

Die Reinigungsindustrie hat ­ zumindest in Europa ­ in den letzten Jahren ihre Dienstleistungspalette permanent erweitert. Angeboten werden Wartung/Instandhaltung, Service/ Service-Hotline, Maschinenentsorgung, Gebrauchtmaschinen-Handel, Leasing/Vermietung von Maschinen und weitere Spezialleistungen wie zum Beispiel Objektberatung.

Wie viele andere Gebiete hat die Reinigungsbranche in den vergangenen Jahren eine starke Veränderung erfahren. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen: Die Ansprüche sind in Bezug auf Hygiene und Sauberkeit gestiegen, lauter wird das Verlangen nach einer Gesamtleistung. Die Branche ist mehr denn je gefordert, sich den neuen Herausforderungen im Bereich des Facility Managements zu stellen.

Darunter ist die Gesamtbewirtschaftung über den gesamten Gebäude-Lebenszyklus zu verstehen. Neben den Kernbereichen wie Gebäude, Technik und Infrastruktur gilt es, die so genannten Gebäudedienste wie Entsorgung, Reinigung, Gebäudeschutz, Service usw. vermehrt zu berücksichtigen. Sich nur auf den Reinigungsbereich zu konzentrieren, ist problematisch, nicht nur für Gebäudereiniger, sondern auch für Hersteller wie für Auftraggeber. Das Leistungsspektrum muss seitens der Hersteller und Gebäudereiniger deshalb systematisch erweitert und ergänzt werden. Dies ist zwar bei gewissen Herstellern schon heute der Fall ­ insbesondere im Bereich des Facility Services ­, dennoch sind weitere Anstrengungen unumgänglich.

Das Gebäudemanagement fusst auf drei Säulen, nämlich dem

infrastrukturellen, dem

technischen und dem

kaufmännischen Gebäudemanagement.

Beim infrastrukturellen Gebäudemanagement hat die Werterhaltung einer Immobilie erste Priorität. Zu den infrastrukturellen Dienstleistungen gehören unter anderem Gebäudereinigung, Bewachungsdienste, Bewirtschaftung von Personalrestaurants, Grünanlagenpflege usw.

KOMMUNIKATION HILFT KOSTEN SENKEN

Um das Optimum für die Bewirtschaftung eines Gebäudes herauszuholen, müssen alle Marktteilnehmer (Gebäudereiniger, Hersteller und Kunden/ Auftraggeber) ihren Teil dazu beitragen. Generelle Verbesserungen und höhere Effizienz bei gleich bleibenden oder gar niedrigeren Kosten sind nur dann möglich, wenn alle Marktteilnehmer die nötigen Impulse liefern. Die Kommunikation zwischen den Herstellern, Dienstleistern und Auftraggebern rückt unter diesem Aspekt in den Mittelpunkt des Geschehens.

Die meisten Gebäudereiniger erbringen immer noch die klassischen Reinigungs- und Hygienedienstleistungen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Nur die ganz Grossen der Branche bieten heute schon ein erweitertes, an den Kundenwünschen ausgerichtetes Spektrum an zusätzlichen Dienstleistungen in und an Gebäuden an. Sie besitzen nicht nur personelle Ressourcen, sondern auch das nötige Know-how.

Zu erwähnen sind hier verschiedene Tätigkeiten im Bereich des infrastrukturellen Gebäudemanagements (von der Fassaden-, Glas- und Büroreinigung über Grünflächenpflege, Catering-Service, Hausmeisterdienste, Hol- und Bringdienste oder Ähnliches). Trotzdem sind weitere Anpassungen und Veränderungen im strukturellen und organisatorischen Bereich erforderlich, um in angesprochenen Feldern einen bedeutenden Anteil an Dienstleistungen für sich in Anspruch nehmen zu dürfen. Die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter nimmt ebenfalls eine zentrale Position ein.

Von den Herstellern werden ebenfalls zusätzliche Impulse erwartet. Sie dürfen nicht vergessen, dass der Schlüssel zu Produktivitätssteigerung und höherer Qualität bereits am Anfang der Wertschöpfungskette liegt ­ nämlich bei Maschinen, Geräten und Produkten. Was wird hier verlangt?

Gefragt sind kompaktere Maschinen, effizientere Produkte (Chemie und Reinigungsutensilien) und komplette Systeme, um im nah verwandten Bereichen der Gebäudebewirtschaftung noch bessere Ergebnisse zu erzielen. Diesen Herausforderungen werden sich die Hersteller vermehrt stellen müssen.

ÖKOLOGIE

An Dominanz verloren

Die Ökologie ­ noch vor wenigen Jahren das Thema in der Reinigungsbranche ­ hat überraschenderweise in der Reinigungsbranche nicht mehr die dominante Rolle, die sie noch bis vor kurzem hatte. Heute liegt die Wirtschaftlichkeit von Maschinen und Chemieprodukten sehr weit vorne.

Verschiedene Optimierungen wurden denn auch seitens der Hersteller bereits vorgenommen. Im Bereich der Vollautomation/ Robotik sind Bestrebungen im Gang, gewisse Lösungen voranzutreiben, vor allem bei der Grossflächenreinigung. Diese wiederum setzen aber einen höheren Wissensstand voraus, um mit solchen Entwicklungen effizient umgehen zu können.

Über technische Entwicklungen hinausgehend sind neue Formen im Servicebereich oder Optimierungen im Beschaffungswesen, also in der frühzeitigen und umfassenden Abstimmung bei der Beschaffung von Maschinen, Geräten und Verbrauchsmaterial, die ein gewisses Kostensenkungspotenzial beinhalten können. Unter diesem Gesichtspunkt muss auch das zunehmende Interesse an der Ausbildung zum Facility Manager oder zur Managerin erwähnt werden. (sa)

FACILITY MANAGEMENT

Gezielte Weiterbildung

Der Beruf eines Facility Managers oder einer Facility Managerin existiert im europäischen Ausland, insbesondere in England, Holland und Deutschland, bereits seit längerer Zeit. In der Schweiz haben einzelne Fachhochschulen ebenfalls Lehrgänge eingerichtet, beispielsweise die Fachhochschule Wädenswil. Anderseits plant die ETH Zürich einen Master-Studiengang mit Doktorat. Zurzeit haben sich die führenden Länder Europas auf ein konkretes Facility-Management-Konzept geeinigt, das nun auch in der Schweiz in Wädenswil zum Tragen kommt. Demnach werden gebäudebezogene Dienstleistungen gleichwertig neben den personenbezogenen gestellt. Das bedeutet: In diesen beiden Fachbereichen sollen in den ersten vier Semestern so viel Wissen und so viele Kompetenzen vermittelt werden, wie aus einer Management-Optik notwendig ist. Das nachfolgende Praxissemester und das Vertiefungsjahr richten sich stärker auf mögliche Betätigungsfelder aus und ermöglichen den Studierenden die Wahl eines entsprechenden Studienschwerpunktes. In dieser Zeit werden eine Ausrichtung auf die strategische Ebene des Facility Managements sowie eine Integration der verschiedenen Disziplinen angestrebt.(sa)

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