Die Hersteller waren verschieden, die Themen der Redner von EMC, Netapp, Hitachi Data Systems, HP und IBM an der diesjährigen Storage Networking World (SNW) in Orlando waren die gleichen: Rechenzentrenarchitekturen der nächsten Generation, Chips als Speicher (anstelle der rotierenden Festplatten), die Verbindungsprotokolle Fibre Channel vs. Alternativen und Hinweise, wie Kunden im Betrieb ihrer Rechenzentren Geld sparen können dominierten die Programme. .

Überschattet war diese Konferenz von der US-Rezession – sie führte zu einer Ausdünnung bei der Anzahl der Anbieter, kleineren Ständen der verbliebenen Aussteller und zu einem Rückgang von 40 Prozent der Besucherzahl – wenn man den Angaben der Veranstalter glauben darf.
 

«DMX-5 – gleich bei Ihrem Händler»

Die wichtigste Nachricht kam erst einige Tage später. Gleich nach Ostern stellte EMC seine jüngste Hochleistungsspeicherserie vor. Die DMX-5-Systeme fügen sich in das Gesamtbild gradueller Erneuerungen alle 12 bis 18 Monate, die EMC seit dem Jahr 2000 auf der Basis ihrer Symmetrix-Systeme vorgenommen hat.

Das neuste Modell umfasst Features, welche die Herzen der Rechenzentrenbetreiber höher schlagen lassen: Daten-Deduplizierung, Fibre-Channel over Ethernet, 8GB FC, ausgebaute Unterstützung für Flash-Speicher, Intel-Chips, Virtualisierung (auf der Basis der VMware-Software).

Diese Begriffe hatten bereits die SNW dominiert. Hersteller wie EMC versuchen damit, sich dem Trend zu rückläufigen Budgets für Speichersysteme zu widersetzen und packen immer mehr Funktionalitäten für den gleichen Preis in ihre Systeme. Denn die Analysten von JP Morgan beispielsweise gehen in ihrer jüngsten Umfrage unter Firmen davon aus, dass die Budgets für Speichersysteme in diesem Jahr um 10 Prozent beschnitten werden.



Die Schritte zur nächsten Generation

An der SNW hielten sich Vertreter von EMC noch bedeckt, wenn es um Details ihrer DMX-5 ging. Offener waren Industrieanalysten. Sie halten die DMX für einen nächsten Schritt in Richtung der offenen Rechenzentren. Diese bilden eine Abkehr isolierter «Datensilos», in denen jeweils Applikationen mit ihren Datenbanken separat untergebracht wurden. «Virtualisierung» heisst auch hier das Schlagwort, um diese isolierten Silos zu verbinden. Hier setzen die Hersteller auf unterschiedlichen Ebenen an. Serverhersteller bevorzugen ihre (mit Hilfe der VMware- oder der kommenden Microsoft-Produkte), Netzwerkhersteller wie Cisco stellen die Vorteile der Virtualisierung auf der Switch- und Router-Ebene heraus und EMC sowie weitere Speichersystemhersteller argumentieren, dass die beste Lösung eine kombinierte ist – also auch ihre.

Ob sich diese so durchsetzen wird, ist noch offen. Interessant ist dabei ein Blick zurück, den die Industrieanalysten von IDC vorgenommen haben. Deduplizierung beispielsweise setzt sich rasch durch. Dabei geht es darum, dass nur eine Kopie eines bestimmten Files tatsächlich gespeichert wird, die anderen greifen auf diese dann zurück. So wird beispielsweise eine 1-MB-Powerpoint-Präsentation, die «an alle» geschickt wird, statt 1000 mal nur noch einmal gespeichert (plus ein zweites Mal auf einem Backup-Medium sowie ggf. auf einem gespiegelten weiteren Speicher). Alleine dadurch lässt sich viel Speicherplatz – und Geld – einsparen. Bei diesem Thema ist denn auch die Adoptionsgeschwindigkeit hoch. Mittelhoch ist sie bei Solid-State-Speichern  (Chips anstelle von Platten) sowie bei «Tired Storage» (gestaffelte Speichersysteme, mit einer Abfolge von Chips, Platten und Band, je nach Einsatzprofil). Kaum gefragt und relativ langsam übernommen wird «Spin down/spin slower». Hierbei wird die Rotationsgeschwindigkeit von Plattensystemen verringert – und Strom sowie Geld gespart.



Unterschiedliche Auffassungen



Die Industrie war sich an der SNW wenigstens hinsichtlich der wichtigsten Schlagworte einig. Allerdings gab es etliche Richtungsdebatten, die an die Feinheiten der chinesischen Kulturrevolution erinnerten. So besteht wenig Einigkeit, wo und wie die Deduplizierung am elegantesten vorgenommen werden kann. So plädierten einzelne Vertreter für die Client-Seite, andere für die Ziel-Seite. Auf der Applikationsseite stehen sich Vertreter der Block-Seite (EMC, Hitachi) denen der File-Seite (Netapp) gegenüber. Auch bei der Frage des idealen Zeitpunktes gehen die Meinungen auseinander (Inline, Post-Process und Hybrid stehen sich unversöhnlich gegenüber). Weiter bestehen unterschiedliche Auffassungen über das richtige Vorgehen (Hash, Byte-Differenzial oder eine Mischung) und die richtige Granularität (fest, variabel) sowie die Ebene, von der alles gesteuert werden soll (Applikation, Daten).



Neue Aufteilungen



EMC-Vertreter zeigten neue Wege, wie Festplatten, die mit 15000 Umdrehungen pro Minute rotieren, durch teure Festspeicher ersetzt werden können – und Käufer dennoch Geld sparen können. Das Rechenbeispiel ist einfach: Anstelle 55 Terabyte auf 244 FC-Platten zu verteilen (und die teuren Platten als «short stroked»-Platten zu handhaben, die nur auf den äusseren Spuren beschrieben werden und deshalb kürzere Zugriffszeiten aufweisen), sei es besser, diese Platten durch Flash-Speicher sowie – teilweise -  durch billige SATA-Festplatten zu ersetzen. Der neue Mix ist dann 8 73 GB-Flash-Speicher für sehr rasche Zugriffszeiten, 32 mal 1 Terabyte-Speicher mit SATA-Platten zu verwenden (für Daten, die nicht extrem wichtig sind) und den Rest mit den Fibre-Channel-Speicherplatten zu belegen. Unter dem Strich reduziert sich so die Kapazität laut EMC-Berechnungen um 17 Prozent.

Möglicherweise werden diese Aufteilungen einmal obsolet werden. Vertreter der Firma Fusion-IO argumentierten, dass sich mit ihrer Architektur auch grosse IT-Umgebungen vollständig auf Chip-Speicher-Umgebungen betreiben lassen, ohne jede Verbindung zu Speichernetzen. HP und IBM, beide dezidierte EMC-Konkurrente,  haben bereits entsprechende Angebote.



Und die Konvergenz der Protokolle



Hier stehen sich Fibre-Channel, das Protokoll der Datenspeicherwelt, sowie Ethernet, das Protokoll der Netzwerkwelt, gegenüber. Auf Anwenderebene sind das SAN (Storage Area Network) vs. LAN. Vertreter der LAN-Welt (ergo Cisco) argumentieren, dass Ethernet die besten Kostenvorteile bietet, zumal der Weg zur 10 GB-Ethernet-Welt vorgezeichnet ist. Vertreter aus der SAN-Welt (Brocade et al.) argumentieren, dass bereits viel Geld für Fibre Channel ausgegeben worden ist und dass Fibre Channel über Ethernet («FcoE») der beste Weg zur Konvergenz ist. Glaubt man Industrieanalysten, ist FcoE auf absehbare Zeit der Königsweg, weil Fibre Channel einige Vorteile bei der Latenzzeit und der Datenprotokollqualität hat, die sich gegenüber der Standardisierung auf der Basis des Ethernet durchsetzen werden.

Interessant war an der SNW deshalb auch, wie sich die Spezialisten in diesem Bereich positionieren. Brocade favorisiert den konventionellen HBA-Weg (HBA steht für «Host bus adaptor», die Verbindung zwischen Fibre Channel-Verbindungen und Servern). Die HBA-Spezialisten Emulex und Qlogic hingegen haben sich bereits auf den FcoE-Weg vorbereitet.

Beide Firmen sind auch offen für die Partnerschaften im FcoE-Bereich, die Cisco anbietet. Industrieanalysten werten den Schritt von Cisco in den Blade-Server-Bereich als positiv für Brocade, weil die Cisco-Konkurrenten HP und IBM eher nach anderen Lösungen suchen werden. 



Unvermeidliche Wolke



Wenn von Wolken in Orlando die Rede ist, denken Besucher in der Regel an die Gewitter, die tagsüber für etwas Regen, aber nicht für Abkühlung sorgen. An der SNW schwebte Cloud Computing über den Anbietern und Besuchern. Allerdings waren sich die Vertreter der unterschiedlichen Richtungen herzhaft uneins, welches die beste Wolke für das Cloud Computing ist. EMCs «Mozy Online»-Backup erlaubt es den Usern, ihre Daten wieder herunter zu laden, wenn sie wieder benötigt werden nach einem Datenverlust. Die Web-Applikation von Amazon steuert den Zugriff elegant von der Applikation heraus. Und vielleicht müssen sich User bereits jetzt die Namen von Nirvanix und Parascale merken – es könnten die Googles von morgen sein. Diese Firmen propagieren den Online-Zugriff auf Datenbestände sogar im Petabyte-Bereich. Unabhängig von der Applikation, dem Endgerät oder dem Ort.

Die Wolke konkretisiert sich inzwischen – wenigstens über der SNW in Orlando. Denn die Meteorologen prognostizieren einen langen, warmen Sommer ohne Gewitterwolken.
 

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