Urs Christen, Inhaber des alteingessenen Transportunternehmens Gebrüder Andres Transport AG, gehört zu denen, die sich bei garstigen Brisen in der Wirtschaftslandschaft nicht so leicht erkälten. Vor allem hat er einen Sinn für azyklisches Verhalten, wenn es um Investitionen geht.

Weder die Auseinandersetzungen um die Abgaben für den Schwerverkehr, noch die Attacken von Umweltschützern gegen die Lastwagen, ohne die letztlich eine Feinverteilung gar nicht möglich ist, bringen ihn aus der Ruhe. Das gilt speziell für den massiven Widerstand gegen einen Umschlagsplatz für Andres Transport in Tagelswangen. Auch hier: Für Christen kein Grund, die Segel zu streichen. Dem Projekt ist eine Odyssee vorausgegangen. Der Andres-CEO musste sich, nachdem sein Vorhaben auf dem Rechtsweg in Tagelswangen bekämpft wurde, auf die Suche nach einem neuen Standort begeben. «Wir haben im ganzen Oberland bis nach Kloten Ausschau gehalten», erklärt er im Gespräch mit der «Handelszeitung».

In der Gemeinde Pfungen wurde er fündig, wo gemäss Dorfchronik einst Mammuts grasten. Dies, obwohl es Zeitgenossen gibt, die immer noch davon ausgehen, dass sich mit dem Velo der Bedarf für mehrköpfige Familien sommers und winters decken lässt. Das 16,5- Mio-Fr.-Projekt war in Pfungen jedenfalls höchst willkommen. Der erste Spatenstich auf dem Industrieareal Wani erfolgte vor rund zehn Monaten. Entstanden sind innert einer kurzen Zeitspanne 40 Lastwarendocks, zwei Lager mit einer Gesamtfläche von 5000 m2 und ein Büroturm.

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Rückblickend sagt Urs Christen, dass er sich «ärgere», nicht früher auf Pfungen als Standort aufmerksam geworden zu sein. Ende gut, alles gut. Ein abgedroschenes Sprichwort, aber in diesem Fall passend: Hier ist das Transportunternehmen auf ein wirtschaftsfreundliches Klima gestossen und wurde mit offenen Armen aufgenommen. Doch kaum sind die ersten Pflöcke für einen grossen Umschlagsplatz eingeschlagen, werden Pläne für den Aufbau eines neuen Stückgutkonzeptes geschmiedet. «Es wird darum gehen, ein Netzwerk für die kapillare Verteilung in der ganzen Schweiz zu knüpfen, zusammen mit verschiedenen Partnern», verrät Christen. Man darf gespannt sein.

Auf der ganzen Klaviatur

Darauf angesprochen, was denn eigentlich das Alleinstellungsmerkmal – auf Neudeutsch USP – seines Unternehmens sei, muss sich Christen nicht lange besinnen. «Wir dürften wohl die Einzigen sein, die guten Gewissens mit dem Slogan «Andres transportiert, bewegt, lagert, entsorgt werben können.» Damit ist angesprochen, was den Toggenburger seinerzeit dazu bewogen hat, in einem Management-Buy-out die traditionsreiche Firma zu übernehmen. Ihn reizte es, auf der vielseitigen Klaviatur der Branche zu spielen und sich nicht nur in einer Nische oder in einem Kernkompetenzbereich zu profilieren. So ist das Unternehmen auch im Bereich der Überlandtransporte und des grenzüberschreitenden Stückgutverkehrs, in der Bauschuttenentsorgung – darin eingeschlossen Altlasten – flächendeckend aktiv. Letztere hat insbesondere im Zusammenhang mit der Pflicht zur Erstellung eines Altlastenkatasters durch die Kantone immens an Bedeutung gewonnen. «Hinzu kommen die üblichen Recycling- und Kehrichtabfuhr-Aufgaben, aber auch wichtige Aufgaben, die wir im Linienbusverkehr wahrnehmen.»

Blick in die Zukunft

Für Christen ist klar, dass die Branche harten Zeiten entgegengeht. Das Angebot seines Industriezweiges ist vielfältig, bei Andres in ausgeprägter Form. Aber mit dem neuen Zentrum in Pfungen wollte er ein Zeichen setzen, wohl wissend, dass der Widerstand einiger Kreise gegen den Strassengüterverkehr nicht abnehmen wird. Aber gleichzeitig wächst auch die Einsicht breiter Bevölkerungsschichten, dass es ihn braucht. Nicht zu reden von den schlicht nicht vorhandenen Kapazitäten, einen guten Teil der Versorgekette via Bahn zu verladen und fristgerecht fein zu verteilen.