Ob Spielzeughelikopter, Ölfleckenentferner, Scooter und Apfelschneider von der Migros, Energiesparlampen von Havells Sylvania, Gurten von Salewa, Öllampen von Coop, Carrera-Haartrockner von Aldi Suisse: Mit einer beunruhigenden Regelmässigkeit publiziert das Eidgenössische Büro für Konsumentenfragen (BFK) Produktrückrufe. Auch wenn die Haftung rechtlich geregelt ist, bleibt für die betroffenen Unternehmen in der Lieferkette ein Schaden zurück - und wenn er auch «nur» das Vertrauen betrifft. «Solche scheinbar unbedeutenden Dinge bergen erhebliches Risikopotenzial, wenn ihre Herkunft aus Zuliefererquellen mangelhaft oder gar nicht geprüft wird», betont Simone Luibl von BrainNet. Besonders für Unternehmen, die viel Wert auf ein grünes und nachhaltiges Image legen, seien Nachlässigkeiten beim Lieferantenmanagement höchst gefährlich.

Vordergründig ist man bei den Unternehmen sensibilisiert, das zeigt eine vom Supply Chain Management Institute (SMI) veröffentlichte Trendstudie: Ökologische Aspekte gehören inzwischen zu den 20 wichtigsten Kriterien bei Einkaufsentscheidungen. Die Studie verdeutlicht, dass sich immer mehr Unternehmen auf nachhaltige Beschaffungsstrategien konzentrieren. «Eine wichtige Erkenntnis bezieht sich auf das Zuliefermanagement: So achten die Pioniere sehr darauf, ihre Zulieferer zu einem integralen Bestandteil der Strategie zu machen», sagt SMI-Professor Constantin Blome (Seite 46).

Wie das gemacht wird, lässt sich beim Mischkonzern AFG Arbonia-Forster beobachten. AFG richtet derzeit seine Beschaffungsstrategie in diesem Sinne neu aus. Neben der Sicherstellung der Qualität sollen damit eine nachhaltige Reduktion des Materialaufwandes bei gleichzeitiger Gewährleistung der Versorgungssicherheit erzielt werden, wie AFG-Beschaffungschef David Schertenleib im Interview erklärt (Seite 47).

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Coop ist bereits einige Schritte weiter. Der Grossverteiler versucht, mit neuen Ansätzen und Modellen die Ablaufprozesse innerhalb der Lieferkette zu verbessern. Ein Ansatzpunkt ist das sogenannte Vendor Managed Inventory (VMI). VMI bedeutet, dass ein Lieferant Zugriff auf die Lagerbestands- und Nachfragedaten seines Kunden hat. Coop hat VMI zusammen mit seinem Lieferanten Kraft Foods aufgezogen, der seine Produkte für Coop eigenständig in dessen Zentrallager in Wangen liefert (Seite 53).

Die Beweggründe, VMI einzuführen, basieren auf drei Treibern: Optimierung der logistischen Abläufe, Verbesserung der Planungsgenauigkeit sowie Gewinnung einer grösseren Datentransparenz.