Wie ein roter Faden zieht sich das Thema «Emittentenbonität» durch diese «Handelszeitung»-Beilage. Die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers hat die Marktteilnehmer weltweit aufgerüttelt. Auch durch die Anleger von strukturierten Produkten ging ein Raunen. Schliesslich ist erstmals ein Emittent von Derivaten in Konkurs gegangen. Damit wurde vielen Investoren schmerzlich bewusst, was es bedeutet, dass Derivate Schuldverschreibungen sind – und eben im Ernstfall kein Sondervermögen darstellen wie bei den Fonds. «Der Ausfall eines Emittenten galt als theoretisches Risiko, weil es sich nur um führende Finanzinstitu-te handelte», sagt Wolfgang Gerhardt, Head of Investment Banking bei Sal. Oppenheim gegenüber der «Handelszeitung». Deshalb konzentrierten sich auch die meisten Informationen und Beurteilungen nicht auf die Bonität, sondern auf die Beschreibung des Aktienrisikos, so Gerhardt weiter.

Doch was sich viele Anleger nicht bewusst sind: Ein schlechte Emittentenbonität macht sich nicht nur im «Worst-case»-Szenario, dem Ausfall eines Emittenten, bemerkbar. Auch während der Laufzeit kann sich eine mangelhafte Kreditwürdigkeit des Schuldners unangenehm manifestieren: «Die Bondkomponente eines Zertifikates verliert an Wert, wenn die Emittentenbonität sinkt», so Laura Deneke, Financial Engineering und Distribution bei EFG Financial Products. Damit vermindert sich der Wert des Zertifikates auf dem Sekundärmarkt. «Kapitalgeschützte Produkte können somit während der Laufzeit durchaus unter ihr Kapitalschutzlevel fallen», so Deneke. Der Schutz gilt nur per Verfall.

Versteckte Risiken ans Licht

Anbieter von strukturierten Produkten können aber erheblich dazu beitragen, dass Risiken nicht «versteckt» bleiben. Etwa durch ein Informationsangebot, das auch während der Laufzeit stets den fairen Wert eines Produktes offen legt. Begrüssenswert sind dabei auch Produktereports, welche stets über die aktuelle Wertentwicklung des Produktes und die verantwortlichen Marktbewegungen informieren.

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Transparente Information hin oder her: Das Vertrauen der Anleger in strukturierte Produkte hat durch die jüngsten Vorfälle eine tiefe Delle erlitten. Auf die Frage, wie dieses Vertrauen wieder hergestellt werden kann, antwortet Gerhardt: «Mit einem Rettungsschirm für die Banken mit staatlichen Garantien.» Eine Alternative zu Banken gebe es ja nicht. Und: «Wir können in der heutigen Welt nicht ohne Banken leben».